Abfindung und Steuern: Fallstricke und Alternativen
Speziell für die Leser meines Buches „Gedanken eines Privatiers“, die ja den Inhalt der meisten Beiträge schon in etwa kennen, möchte ich heute einmal auf meinen letzten Beitrag „Abfindung und Steuern: Besonderheiten“ hinweisen, weil dort einige wichtige Informationen gegeben werden, die im Buch in dieser Form nicht enthalten sind.
So habe ich in meinem Buch in erster Linie meine eigene Abfindung und deren Steuer-Optimierung betrachtet und die Strategien auch allen empfohlen, die eine ähnliche Ausgangslage haben oder erwarten. Dies funktioniert aber nicht immer! Speziell dann, wenn die Abfindung geringer als ein Jahresgehalt ausfällt. Dann fehlen nämlich u.U. die Voraussetzungen für die Anwendung der Fünftelregel. Mehr dazu im aktuellen Beitrag unter „Abfindung und Steuern: Besonderheiten“.
Ausserdem erläutere ich in dem Beitrag noch weitere Besonderheiten und Alternativen. Also auch für die Leser meines Buches, die ja ansonsten immer schon etwas mehr wissen:
Wichtiger Beitrag. Unbedingt lesen!
Hallo zusammen,
Nachdem ich nunmehr zwei Jahre als Privatier sehr zufrieden meinen vorgezogenen Ruhestand genießen und mir in der Konzeption und Durchführung die Tipps unseres Privatier außerordentlich geholfen haben, möchte ich noch einmal kurz auf ein oder zwei Fallstricke hinweisen, über die ich auch fast gestolpert wäre und die unter Umständen zu deutlichen steuerlichen Einbußen führen können.
Konkret geht es um die Fünftelregelung und die Frage wie ich sicherstellen kann, dass die Abfindung auch nach der Fünftelregelung besteuert wird.
Mein Konzept war folgendes:
Beschäftigungsende zum 31. Dezember
Anschließend ein Disposition Jahr mit rechtzeitiger Feststellung des ALG Anspruches (hat gut funktioniert).
Auszahlung der vereinbarten Karenzentschädigung im letzten Beschäftigungsjahr zum 31. Dezember als Einmalzahlung (war im Nachhinein betrachtet ziemlich doof)
Auszahlung der Abfindung im Dispositionjahr und Nutzung der Fünftelregelung.
Konzept mit Steuerberater abgestimmt und dann die böse Überraschung: Finanzamt lehnt Besteuerung nach Fünftelregelung ab, da keine „Zusammenballung der Einkünfte“ vorliegt. Die Abfindung sei auf zwei Jahre verteilt (wegen Karenzentschädigung), außerdem setzt das „Tatbestandsmerkmal“ der Zusammenballung voraus, dass die Abfindung die Einnahmen, die der Arbeitnehmer bei Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses bezogen hätte übersteigt (d.h. sie sollte höher sein, als das letzte Jahresgehalt wenn sonst keine Einkünfte hat). Verlust gegenüber Erwartung: mehre 10.000 €!
Nach Einspruch, Zurückweisung des Einspruchs, Wechsel des Steuerberaters und nochmaligem Einspruch war das Finanzamt dann doch bereit, die Fünftelregelung anzuwenden.
Argumentation meines Steuerberaters: Karenzentschädigung waren keine außerordentlichen Einkünfte und die Vorlage einer Kalkulation meines früheren Arbeitgebers, dass mein Einkommen im Disposition Jahr niedriger gewesen wäre als die ausgezahlte Abfindung.
Riesen Glück gehabt!
Dies nur nochmal als Hinweis, dass ihr bei der Besteuerung der Abfindung gut aufpassen müsst, sonst sind Ruckzuck viele Euros weg.
Liebe Grüße
Bernd
Das hat ja wirklich gerade soeben noch mal gut gegangen!
Sehr interessante Konstellation und daher vielen Dank für die Schilderung.
Die Lehren, die ich daraus ziehen würde, wären natürlich:
* Solche kritischen Situationen nach Möglichkeit von vorne herein zu vermeiden. Kann man aber immer leicht sagen, denn nachher ist man immer schlauer als vorher. 😉 Darum viel wichtiger der nächste Punkt:
* Nicht aufgeben!! Es lohnt sich, wie man hier sieht, alle Register zu ziehen und für sein Recht zu kämpfen. Es bleibt nur zu hoffen, dass die beiden Steuerberater am Ende nicht teurer waren, als die Steuerersparnis.
Gruß, Der Privatier
Zum Glück nicht, Aufwand und Ertrag standen in einem hervorragenden Verhältnis….
Hallo zusammen,
Erstmal vielen dank für die vielen hilfreichen tipps. Hab gerade meinen Auflösungsvertrag bekommen wo drinne steht das die umwandlung eines teils der abfindung in eine direktzusage noch in diesem jahr gezahlt wird. Die eigentliche Abfindung nächstes jahr. Meine frage ist ob das auswirkungen auf die einfünftel regelung haben kann wegen der 10% Regel?
Ich bin bei solchen Formulierungen („… Teil der Abfindung“) immer skeptisch. Oder vielleicht auch (über-)vorsichtig. Ich selber würde mich jedenfalls deutlich besser fühlen, wenn die Vereinbarungen über die Einzahlung in die Altersvorsorge und über die Abfindung in unabhängigen, getrennten Aussagen formuliert wären.
Siehe auch eine ähnliche Frage/Antwort hier: https://der-privatier.com/kap-3-3-1-1-hinweise-zur-fuenftelregel-grundlegendes/#comment-30888
Für eine rechtssichere Aussage (und ggfs. Formulierung des Aufhebungsvertrages) bitte einen Steuerberater/Anwalt konsultieren.
Gruß, Der Privatier
Hallo zusammen, ich habe mal eine spezielle Frage zur Abfindung. Ist es richtig, das die Abfindung zwar nach der Fünftelregelung versteuert wird, aber, lässt man diese sich im Folgejahr auszahlen mit Lohnsteuerklasse VI versteuert wird?
Anschlußfrage: wenn man in diesem Folgejahr keinerlei Einkünfte hat, als oweder Gehalt noch ALG1 hat, wird man dann bei der EkSt mit Steuerklasse 1 veranschlagt? Man bekommt also Steuern zurück?
Danke schon im voraus für die Antwort(en)
Beste Grüße aus Hochheim
Die Steuerklasse verändert sich nicht, weil man eine Abfindung erhält, das Jahr wechselt oder die Fünftelregelung angewendet wird.
Wenn der alte Arbeitgeber die Abfindung erst nach Beschäftigungsende auszahlt, dann gibt es zwei Möglichkeiten.
Er verwendet VI, weil der ehemals Beschäftigte jetzt einen anderen Arbeitgeber hat. Oder weil er es so unterstellt. Oder weil er sicher gehen will. Oder weil er zu dumm oder faul ist, sich in ELSTAM als Hauptarbeitgeber einzutragen.
Größere Firmen haben oft Anhänge im Aufhebungsvertrag, wo man z.B. bestätigen kann, dass man im Auszahlungmonat noch beim alten AG „verhauptarbeitgebert“ sein will.
Ist dies der Fall, dann wendet der AG auch die bisherige StKl für die Auszahlung der Abfindung an. Man kann dem AG auch bestätigen, dass man im Abfindungsjahr keine weiteren Einkünfte hat, damit der nicht noch weitere Einkünfte für den vorläufigen Steuerabzug unterstellt.
Eber egal welche StKl der AG angewendet hat, das ist kein endgültiges Ergebnis. Mit dem EKSt-Bescheid wird das alles glattgezogen und man erhält zu viel gezahlte Steuern zurück.
Bitte einmal im nachfolgenden Link nachlesen:
https://der-privatier.com/kap-10-6-1-abfindung-jetzt-die-abrechnung-abstimmen/?hilite=%27abfindung%27%2C%27abstimmen%27
oder im Buch vom Privatier: „Per Abfindung in den Ruhestand“ ab S.110 Kapitel 5.1.5 „Fünftelregel beim Arbeitgeber – Abrechnung abstimmen“
Gruß
Lars
Danke eSchorsch,
jetzt fällt mir ein ganzes Bergwerk vom Herzen. Ich hatte mir das zwar so gedacht, aber ich wollte halt auf Nummer sicher gehen, bevor ich mit dem alten Arbeitgeber herumzackere.
Dann gebe ich dem Finanzamt ein zinsloses Darlehen bis zur EkSt 2020. Ist dann wie ein Sparschwein.
Beste Grüße aus Hochheim
🙂
Hallo,
mein Arbeitgeber würde mir die Abfindung (3 Jahresgehälter) auch im Januar 2022 auszahlen. Ist es bei einer Beendigung des Dienstverhältnisses zum 30.9.2021 möglich, die Fünftelregelung anzuwenden. Oder muss das Dienstverhältniss zum Jahresende aufhöhren?
Zu wann das Dienstverhältnis endet ist egal, bzw. nicht von Belang für die Fünftelregelung.
Lesestoff https://der-privatier.com/kap-3-3-1-1-hinweise-zur-fuenftelregel-grundlegendes/