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Arbeitslosengeld: Fiktive Bemessung — 52 Kommentare

  1. Hallo Privatier,

    sind mit 150 Tagen die Anzahl der Arbeitstage (Werktage) gemeint, oder die Zeit der Anstellung inklusive Wochenenden ?

    Vielen Dank

  2. Hallo zusammen,

    ich bin seit dem 1.6. Privatier (Aufhebungsvertrag, Abfindung wird im Januar 2021 ausbezahlt) und habe mich nicht arbeitslos sondern beim Finanzamt als Freiberufler gemeldet. Ich bin jetzt 57 und war >36 Jahre ohne Unterbrechung als Arbeitnehmer beschäftigt.

    Falls die freiberufliche Tätigkeit zu wenig einbringt habe ich vor, mich nach einem Jahr (also am 31.5.2021) arbeitslos zu melden (dann bin ich 58) und jetzt zur eigentlichen Frage: auf welcher Basis wird ALG I berechnet?

    Mein Befürchtung ist, dass ich mit dem freiberuflichen – im Nichterfolgsfall niedrigen – Einkommen, eine entsprechend niedrigen Anspruch auf ALG I habe. Ich hoffe, dass sich diese Befürchtung in Luft auflöst…

    Grüsse
    Michael

    • Gegenfrage: zahlst Du als Selbstständiger in die gesetzliche Arbeitslosenversicherung ein?
      Nein. Folglich haben die freiberuflichen Einkünfte auch nichts mit der Berechnung des ALG1 zu tun.

      Dass sich die Einkünfte im Abfindungsjahr sehr negativ auf die Steuer auswirken können, ist hoffentlich bekannt.

      • Ich zahle ab dem 1.6.2020 nichts die die Arbeitslosenversicherung ein.

        Den Zusammenhang mit ALG1 bzgl. der freiberuflichen Einkünfte kannte ich bisher nicht.
        Danke für die Info – dann habe für den Nichterfolgsfall immerhin noch ALG1 als Backup.

        Grüße
        Michael

      • Hi eSchorch, für den Hinweis auf Steuer/Abfindung war ich zu müde. Aber mit freiberuflicher Tätigkeit kann man natürlich auch die Abfindung reduzieren, z.B. Betriebskapital erwerben?

        • Am wichtigsten war für mich die Frage der Berechnung von ALG1.
          Klar ist, dass ich im Jahr der Abfindungszahlung (2021) keine weitere Einnahmen anstrebe.
          Dazu versuche ich – wenn überhaupt – Projektverträge so zu gestalten, dass erst in 2022 Abnahme und Zahlung passieren.

          Bei dem Thema Betriebskapital bin ich momentan überfragt. Das einzige, was ich für meine freiberufliche Tätigkeit brauche, ist zuhause schon vorhanden: Büroraum, Rechner, Internet, Telefon. Mir ist schon klar, dass man da sicher kreativ sein kann aber ich bin dazu vielleicht auch zu konserativ 🙂

          Grüße
          Michael

        • Prinzipiell ja.
          Ich bin aber nicht der Fachmann, inwiefern das Finanzamt irgendwann eine Amortisation sehen will und ob die das bei sehr schnell darauffolgender Arbeitslosigkeit (gleiches Jahr) anerkennen / nur tlw anerkennen. Da könnte es vorteilhaft sein, die Selbsständigkeit während der Arbeitslosigkeit nicht einzustellen, sondern als nebenberufliche Selbstständigkeit weiterzuführen. Aber wie schon gesagt, ich bin kein Steuerberater.

    • Wie hier bereits einige andere geschrieben haben, können nur solche Tätigkeiten einen Einfluss auf die ALG-Berechnung haben, für die auch Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gezahlt werden. Damit bleiben also z.B. Mini-Jobs, aber auch selbstständige oder freiberufliche Tätigkeiten ohne Einfluss. Es sei denn, man hätte eine freiwillige Arbeitslosenversicherung für diese Tätigkeiten abgeschlossen.

      Für den ALG-Anspruch ist die freiberufliche Tätigkeit daher kein Problem. Die Einkünfte wirken aber natürlich auf Steuern und Krankenkasse (sofern gesetzl. vers.). Wenn es gelingt, die Einkünfte weitgehend erst nach dem Dispojahr zu realisieren, ist dann aber zu bedenken, dass die Einkünfte im Konflikt zum dann u.U. beantragten ALG treten können. Es ist zwar grundsätzlich möglich, beides parallel zu machen (also: Arbeitslos und freiberufl. Tätigkeit), sofern bestimmte Bedingungen eingehalten werden, in diesem Falle werden die Einkünfte aus der freib. Tätigkeit aber bis auf einen Freibetrag von 165€/Monat auf das ALG angerechnet.

      Gruß, Der Privatier

      • Hallo Privatier,

        zumindest in meinem Fall wird es keine Kollision von ALG1 und Freiberufliche Einnahmen geben.
        Falls die freiberufliche Tätigkeit erfolgreich ist, benötige ich natürlich kein ALG1.
        Andernfalls ist ALG1 dann der Rettungsschirm.

        Zumindest ist das derzeit der Plan. Ich hoffe, ich komme ohne ALG1 aus.

        Grüße
        Michael

        • Damit der Rettungsschirm dann aber auch funktioniert, sollte auf jeden Fall nach Ablauf des Dispojahres (auf den Tag genau!) ALG beantragt werden.
          Danach kann man sich kurzfristig wieder abmelden, hat aber bis zu vier Jahre die Möglichkeit, den Anspruch wahrzunehmen.

          Gruß, Der Privatier

          • Danke für den Hinweis. Mir ist vollkommen klar, dass der ALG-Antrag keinen Tag später erfolgen darf.
            Mein letzter Arbeitstag als Angestellter war der 31.5.2020.
            Ich werde mich am 1.6.2021 (ein Dienstag) arbeitslos melden und am 2.6. direkt wieder abmelden.

            Eher friert die Hölle zu, als dass ich diese Termine verpasse 🙂

            Jetzt noch eine Frage für die weitere Planung. Danach habe ich also 4 Jahre Zeit mich wieder arbeitslos zu melden und ALG1 zu beziehen!? Das würde bedeuten, ich könnte mich spätestens am 31.5.2025 (Alter: 62) wieder arbeitslos melden und würde vom 1.6.2025 bis zum 31.5.2027 basierend auf meinem Nicht-Selbstständigen-Einkommen vor dem 1.6.2020 ALG1 beziehen?

            Grüße
            Michael

          • @Michael
            „Eher friert die Hölle zu …“
            Hättste Dantes Inferne gelesen, wüßtest Du, dass der Grund der Hölle bereits eingefroren ist :q

            Es geht weniger darum den Termin zu verpassen (hoppla, verschlafen, dann zu ausgiebig gefrühstückt und schlussendlich den Bus verpasst), sondern dass man da möglicherweise im Krankenhaus liegt, weil man in der Woche davor umbedingt den Nachkommen in der Boulderhallte beweisen wollte, wie fit man immer noch ist und dann vier Wochen ans Bett gegips wird.

            Man kann sich bis zu 3 Monaten vorher arbeitslos melden. Hat den Nachteil, dass man ggfs. ab dem Tag der Meldung mit Vermittlungsbemühungen konfrontiert ist.
            Kann aber auch anders kommen. Vor kurzem berichtete hier jemand, dass er seinem Vermittler glaubhaft seine Absicht geschildert hat, sich selbstständig zu machen und dass er gerade erste Aquiseversuche unternimmt aber momentan weder Klienten noch Einnahmen hat. Das Arbeitsamt hätte dann überhaupt keine Vermittlungsversuche unternommen, sondern ihn machen lassen. Deine Situation in einem Jahr kann ja ähnlich sein.

            Mit der neuen 30-monatigen Rahmenfrist wird das Dispojahr etwas entzerrt. Verpasst Du den Jahrestermin um bis zu 6 Monaten, dann gibt es halt nicht mehr die vollen 24 Monate ALG1, sondern nur noch 18 Monate. Aber das restliche halbe Jahr muß man ja nicht leichtfertig aufs Spiel setzen, aber wenn doch ein Gipsbein dazwischen kommt, dann fällt man zumindest nicht auf Null.
            https://der-privatier.com/arbeitslosengeld-verlaengerung-der-rahmenfrist/

  3. Ich korrigiere mich, was das Datum der Arbeitslosigkeitsmeldung betrifft, selbst: ich melde mich am 1.6.2021 arbeitslos.
    Das war zwar nicht die eigentliche Frage, ist aber sicher wichtig, nach allem was ich im Privatier-Buch gelesen habe.

    Die Frage bzgl. freiberuflicher Tätigkeit während des Dispositionsjahres bleibt. Schädlich für ALG I?

  4. 58 Jahre alt =24 Monate ALG1, wenn in 60M 36 sv-pflichtig, passt taggenau. Zu Berechnung des Bemessungsentgeltes kann man gut hier im Blog oder im Buch studieren… Wie viel SV zahlst du als Freiberufler? Cu joerg

  5. Ich habe bisher noch keine Einnahmen als Freiberufler zu verzeichnen, bin ja offiziell erst ab dem 1.6.2020 Freiberufler.
    In dem Anmeldeformular für das Finanzamt habe ich für 2020 sieben Monate mal 4000 EUR pro Monat angegeben.
    Ob ich das unter- oder überschreite werden die nächsten Monate zeigen.

    Ich habe im Buch nichts gefunden für meinen Fall (Freiberufliche Einnahmen während des Dispositionsjahres)

    Grüße
    Michael

    • Ob es so schlau war, sieben Monate zu je 4.000 EUR Einnahmen anzugeben, wird sich zeigen.
      Das FA wird dir deswegen Steuervorauszahlungen berechnen, die genau auf diesen 28.000 EUR angegebenen Einnahmen beruhen.
      Dabei ist es dem FA egal, ob du diese 4.000 EUR im Monat auch einnimmst oder nicht.
      Eine Rückerstattung evtl. zuviel gezahlter Steuern wirst du erst mit der Steuererklärung für 2020 in 2021 erhalten.
      Meine Erfahrung (war auch mal vor >15 Jahren einige Jahre selbstständig tätig):
      Das FA hat kein Problem damit, wenn man im ersten Jahr bei der Anmeldung der freiberuflichen Tätigkeit einen Einnahmenüberschuss von exakt 0 (Null!) EUR angibt. Immerhin hat man ja auch (Einmal- oder laufende) Kosten für die Aufnahme und Durchführung der Tätigkeit (Büroausstattung, Technik wie Handy oder Laptop/PC, Firmenwagen, etc.).
      So hat man zumindest keinen unnötigen Liquiditätsabfluss für Steuervorauszahlungen im ersten Jahr.

  6. Danke für den Hinweis. Ich habe vor ein paar Tagen mit dem FA direkt zu diesem Thema gesprochen und genau meine Bedenken geäußert (Einnahmen kleiner als ursprünglich geplant). Ich korrigiere die Einnahmen auf einen jährlichen Betrag <22000 EUR und bin damit zumindest für das erste Jahr auf der sicheren Seite.

    Grüße
    Michael

  7. Moin, erstmal vielen Dank für die ausführliche Erklärung.

    Hinsichtlich meiner Beschäftigungszeit blicke ich jedoch nicht ganz durch.

    Beginn Beschäftigungsverhältnis: 01.11.2019
    Erster Tag Krankengeld 30. März 2019
    Ende des Arbeitsverhältnisses (ich habe gekündigt) 15. April 2019.

    Seither befinde ich mich im Krankengeldbezug, werde mich mit der Aussteuerung arbeitslos melden. Nun zur Frage: zählen hier die Tage als Beschäftigung in denen ich ein Gehalt mit abgeführten Arbeitslosenversicherung bezogen habe, oder der Beschäftigungszeitraun?

    Nachfolgend Tage, an denen ich ein Gehalt bezogen hab:

    November: 30 Tage
    Dezember: 31 Tage
    Januar: 31 Tage
    Februar: 28 Tage
    März: 29 Tage

    In Summe 149 Tage.

    Hab ich hier einen Denkfehler drin?

    • Die angegebenen Daten erscheinen mir unvollständig bzw. fehlerhaft (bitte noch einmal prüfen!).

      Aber ansonsten gilt, was bereits im Beitrag geschrieben wurde: Der Bezug von Krankengeld zählt zwar bei der Prüfung, ob überhaupt ein ALG-Anspruch besteht, mit.
      Bei der Berechnung der ALG-Höhe werden jedoch nur Zeiten mit Arbeitsentgelt berücksichtigt. Dazu benötigt man mind. 150 Tage in den vergangenen 12 Monaten oder (falls nicht vorhanden) in den vergangenen 24 Monaten.

      Gruß, Der Privatier

      • Das habe ich anders verstanden.

        Wenn noch Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht, wird nach Unterbrechung der inanspruchnahme geprüft, ob in den letzten 2 Jahren ein Anspruch auf Arbeitslosengeld bestand.
        Wenn ja, wird diese Höhe zu Grunde gelegt.

        Die 150 Tage Regelung mit fiktiber Bemessung käme unter diesen Umständen doch gar nicht zum tragen oder?

        Liebe Grüße,
        Adam

        • „Wenn noch Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht…“

          Um diese Situation geht es aber weder im obigen Beitrag noch in den bisherigen Kommentaren.
          Aber es stimmt: Die 150 Tage Regelung ist nur bei der ersten Beantragung von ALG von Interesse.

          Gruß, Der Privatie

    • Sie haben Recht, danke für den Hinweis. War scheinbar noch etwas früh:)

      Die Daten müssen korrekt lauten:

      Beginn Beschäftigungsvh.: 01.11.2018
      Erster Tag Krankengeld 30.03.2019

      Somit komme ich in dem Zeitraum auf 149 Tage, wenn ich mich nicht verrechnet habe. (Tage = In diesen habe ich ein Gehalt bezogen)

      Nach meiner Rechnung und sowie ich das jetzt verstanden hab, würde somit mein Abschluss für die Einstufung zugrunde gelegt? Ich bin staatl. gep. Betriebsw., hier sehe ich mich dann wahrscheinlich in Gruppe 2, oder 3. Wissen Sie, wie ein entsprechender Nachweis zu erfolgen hat? (Beglaubigte Kopie eines Abschlusszeugnisses?)

      Vielen Dank und schönen Sonntag.

      Sven

      • Wie im nächsten Kommentar bereits beschrieben, kann es bei der Einordnung in die „richtige“ Gruppe oft zu Meinungsverschiedenheiten kommen.
        Im Regelfall wird aber wohl der höchste Ausbildungsabschluss als Basis verwendet. Eine normale Kopie sollte als Nachweis wohl ausreichen, die Details wird die Agentur dann aber sicher mitteilen.

        Gruß, Der Privatier

      • Moin Sven,

        Zu der Einstufung staatlich gep. Betriebswirt:

        Du hast die Qualifikationsstufe 2 nach §152 SGB III erreicht. Es wird evt. sogar noch die Stufe 1. Dieser Abschluss ist gleichwertig (Anerkennung) zum Bachelor, Meister oder staatlich geprüfter Techniker. Nach DQR/EQR-Liste wird ein staatlich geprüfter Betriebswirt in Level 6 von den 7 möglichen Stufen eingegliedert.

        Aber Achtung!
        Ein staatl. geprüfter Betriebswirt ist gegenüber einem Bachelor gleichwertig aber nicht gleichartig und die Einteilung/Entscheidung treffen letztendlich die/der SB von der AfA.

        Link hierzu:

        https://weiterbildung-wirtschaftsfachwirt.net/anerkennung-wirtschaftsfachwirt-ihk/

        Vielleicht hilft das etwas weiter.

        Gruß
        Lars

  8. Interessant zu wissen ist vielleicht auch, wie die Arbeitsagentur bei der fiktiven Bemessung vorgeht, wenn sie den Beruf des Arbeitslosen einer der vier Qualifikationsstufen zuordnet. Ich war Jahrzehnte lang Kreativdirektor in internationalen Werbeagenturen und zuletzt sogar als Kreativ-Geschäftsführer gesamtverantwortlich für eine 150-Leute Agentur. Ich habe mich die gesamte Karriereleiter hochgearbeitet, zahlreiche Kreativpreise gewonnen und bin somit höher qualifiziert als die meisten meiner Branche. Da ich aber keine Ausbildung absolviert habe (die es damals auch gar nicht gab), hat mich das Amt in Qualifikationsgruppe 4 einsortiert: Ungelernt, ohne Ausbildung. Mit entsprechend geringem ALG 1. Und das,obwohl die Arbeitsagentur angehalten ist, in einer Gesamtschau nicht nur nach der formalen Ausbildung zu urteilen. Kann noch lustig werden …

    • Das ist ein richtiger (und wichtiger) Hinweis!

      Über die „richtige“ Einstufung in die passende Qualifikationsgruppe gibt es nicht selten Streit und daher gibt es auch eine ganze Reihe von Details, die zu berücksichtigen sind und auch entsprechende Urteile von einigen Prozessen.

      Eigentlich gilt der Grundsatz: „Die Ermittlung des fiktiven Arbeitsentgelts hat sich in aller Regel auf das Segment des Arbeitsmarktes zu erstrecken, das der Arbeitslose mit seinem formalen Qualifikationsniveau realistischerweise erreichen kann.“ (Haufe, Sauer)
      Es geht also um die Qualifikation ganz allgemein – nicht nur um die Ausbildung.

      Ausführlicher und mit entsprechenden Urteilen kann das z.B. in einem Beitrag von Haufe nachgelesen werden: https://www.haufe.de/personal/haufe-personal-office-platin/sauer-sgbiii-152-fiktive-bemessung-22-qualifikationsgruppe_idesk_PI42323_HI526002.html

      Meine Empfehlung: Mit anwaltlicher Unterstützung prüfen, ob ein Widerspruch Aussicht auf Erfolg hat. Fristen beachten!

      Gruß, Der Privatier

      • Vielen Dank für die Empfehlung. Zunächst werde ich der Leistungsabteilung der Arbeitsagentur in einem Gespräch einmal genauer meinen Beruf erklären (und auf die fachlichen Anweisungen hinweisen). Manchmal hilft ja eine Erläuterung, denn beim Amt arbeiten auch nur Menschen und diese sind derzeit auch in einer Ausnahmesituation. Sollte das Gespräch zu wenig bewirken oder eine Reaktion zu lange dauern, wird der Anwalt sich zeitnah über einen Auftrag freuen. Eine kleine Anekdote nebenbei: Mir liegt jetzt der Bescheid einer Kollegin vor. Für die gleiche zu vermittelnde Tätigkeit, die in meinem Fall keine Ausbildung erfordert, ist bei ihr laut Bescheid ein Fachhochschul- oder Hochschulstudium erforderlich (höchste Qualifikationsstufe).

          • Vielen Dank für die Mühe, Lars. Leider sind die Qualifikationsgruppen, die die Arbeitsagentur ihrer Entscheidung zugrunde legt, damit nicht vergleichbar. Bei mir wird es eher darum gehen, der Agentur nachzuweisen, dass ich für einen Beruf qualifiziert bin, der in der Regel einen Hochschulabschluss erfordert und dass meine Berufserfahrung und mein kreatives Talent diesen Hochschulabschluss ersetzen können bzw. in meiner Branche damit oft gleichgestellt werden. In der sogenannten „Klassifikation der Berufe“ der Bundesagentur für Arbeit wird mein Beruf der Gruppe „Führungskräfte – technische Mediengestaltung“ zugeordnet mit „Führungsaufgaben… welche einen hohen technischen Komplexitätsgrar aufweisen und ein entsprechen hohes Kenntnis- und Fertigkeitsniveau erfordern“. Das sagt ja eigentlich schon viel aus, aber dennoch bin ich derzeit laut Amt so niedrig qualifiziert wie eine ungelernte Kraft – weil man meine 35 Jahre Berufserfahrung eben bisher nicht berücksichtigt hat.

      • Kleiner Nachtrag dazu: Ich habe einen Fachanwalt für Sozialrecht aufgesucht. Für diesen war allerdings ein Fall wie meiner komplettes Neuland und er sah schlechte Chancen, dass ich ohne Ausbildung in die höchste Qualifikationsstufe eingeordnet würde. Er gab mir aber den Rat, meinem Widerspruchsschreiben Stellenangebote beizulegen, die beweisen, dass für manche Arbeitgeber ein Hochschulabschluss bei meiner Tätigkeit Voraussetzung ist, für andere wiederum nicht. Ich fügte diese – und weitere 15 Seiten über mein Berufsbild – hinzu und erhielt 1 Woche später einen Abhilfebescheid. Ich bin nun in Qualifikationsstufe 1 und erhalte doppelt so viel ALG wie ursprünglich. Die Mühe hat sich also gelohnt. Vielen dank auch nochmal für die Hilfestellung hier!

        • Super! Ein toller Erfolg. Herzlichen Glückwunsch.
          Und Kompliment an den Anwalt für den offenbar sehr erfolgreichen Vorschlag. Sehr gut.

          Gruß, Der Privatier

    • Warum überhaupt fiktiv ? Können keine 150 Tage Arbeitseinkommen während der letuten 24 Monate nachgewiesen wetden ?

      • Genau. Freiberufliche Tätigkeit. Da werde (bzw. wurde) ich meist tageweise bzw. Projektweise beauftragt.

  9. Hallo. Ich bin seit 2011 ununterbrochen selbständig und zahle Beiträge zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung.
    Habe ich es richtig verstanden, daß dann für die Berechnung vom ALG I nicht mein Einkommen zählt, sondern die fiktive Bemessung erfolgt?
    Wenn ich meine Selbstständigkeit aufgebe, muß ich dann mit einer Sperrzeit beim ALG I rechen?
    Kann ich als Selbständige genau so das „Dispositionsjahr“ nutzen, wie Angestellte? Oder gibt es Fallen? Mit Aufgabe der Selbständigkeit endet das Versicherungsverhältnis, aber nicht der Anspruch, oder?
    Liebe Grüße Meike

    • Also mir hatte die AfA kürzlich am Telefon geraten mich während des Dispojahres freiwillig zu versichern, da wäre auch interessant was das für Konsequenzen hätte.

    • Moin Meike,

      ja, Arbeitslosengeld für Selbstständige:

      Die Höhe des Arbeitslosengeldes hängt unter anderem von der Ausbildung der Selbstständigen ab. Als Orientierungswert für die Höhe des Arbeitslosengeldes gilt nach Angaben der Arbeitsagentur für das Jahr 2019 (Steuerklasse III, ohne Kind):

      Qualifizierungsgruppe 4:
      ohne Ausbildung: 897 Euro

      Qualifizierungsgruppe 3:
      mit abgeschlossenem Ausbildungsberuf: 1151,10 Euro

      Qualifizierungsgruppe 2:
      Meister/Fachschule: 1371,90 Euro

      Qualifizierungsgruppe 1:
      mit Hoch-/Fachhochschulabschluss: 1585,80 Euro

      Mit Kind und Steuerklasse III gibt es ungefähr noch 12 Prozent zusätzlich.

      https://www.everbill.com/arbeitslosengeld-nach-selbststaendigkeit/

      Zu den anderen Punkten werden sich bestimmt die anderen User noch melden.

      MfG
      Lars

    • Ich kann hier nur bestätigen, dass die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige eigene Regeln hat! Das gilt z.B. sowohl für die Aufnahme in diese Versicherung, als auch für das Ende. Für die Berechnung der Beiträge und für die evtl. Leistungen (Stichwort: Fiktive Bemessung).
      Für einen Privatier, der vielleicht nur temporär und in geringem Umfang eine nebenberufliche Selbstständigkeit plant, halte ich eine solche Versicherung für wenig sinnvoll. Für einen hauptberuflich Selbstständigen, der dies ernsthaft und dauerhaft betreibt, mag das anders aussehen.

      Mehr kann ich aber zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung nicht sagen. Ich habe diese Möglichkeit für mich selber recht frühzeitig ausgeschlossen und daher auch nicht weiter verfolgt.

      Gruß, Der Privatier

  10. Hallo zusammen,
    zum ALG bei Selbständigen. Mich hats im Corona-Lockdown mit „Berufsverbot“ erwischt.
    Habe ALG beantragt. Es gab mehrere verwirrende Telefonate bzgl. der Einordnung meiner Tätigkeit. Bin mit Hochschulabschluss als Managerin im Einzelhandel tätig gewesen, jetzt mit eigenem Fitnessstudio inkl. diverser Zertifikaten unterwegs. Trotz ellenlangem Lebenslauf lag meine Einstufung sehr niedrig. Für die paar Wochen war mir das jetzt egal aber ich habe gelernt wie wichtig es ist sich Gedanken zu machen wie man sich ggü. dem AA darstellt. Auch einen RA kann ich in dem Zusammenhang nur empfehlen. Beim nächsten Mal mach ich`s besser 😉

    • Danke für die Schilderung der Erfahrungen.
      Insbesondere die Schlussfolgerungen: Sich vorab zu informieren und Gedanken zu machen, Darstellung gegenüber der Agentur und evtl. Unterstützung durch einen Anwalt kann ich nur bestätigen!

      Gruß, Der Privatier

  11. Hallo. Meine Frau ist noch 5 Wochen in Elternzeit. Dann sind Ihre 2 Jahre rum. Der Arbeitgeber wird meine Frau wahrscheinlich kündigen, da die Kinderbetreuung während der regulären Arbeitszeit nicht gewährleistet ist. So will der AG es verhindern das meine Frau kein ALG1 bekommt. Dies wäre bei einer Eigenkündig zumindest 3 Monate der Fall.

    Meine Frage lautet nun: Wird das ALG1 dann fiktiv berechnet da keine 150 Tage Arbeitsentgelt in 2 Jahren erzielt wurde. Wenn ja wäre das in Gruppe 3 (Ausbildung) für uns ein Gewinn. Denn meine Frau war vorher nur auf Teilzeit auf Steuerklasse 5.

    Also müsste das ALG 1 ca 930€ betragen. Der Lohn vor der Elternzeit Betrug 765€. Stimmt es also das wir dadurch mehr Einkommen haben?

    Liebe Grüße Renee

    • Der Bezug von Elterngeld (über 2 Jahre) ist ein typisches Beispiel für eine anschliessende fiktive Bemessung beim Bezug von Arbeitslosengeld. Insofern ist dies auch in diesem Fall recht wahrscheinlich.

      Ausserdem ist es richtig, dass es in einigen Konstellationen durchaus auch einmal dazu kommen kann, dass eine fiktive Bemessung vorteilhafter ist, als die „normale“ Berechnung. Dies ist dann allerdings in den meisten Fällen aufgrund der Einstufung in die Qualifikationsstufen der Fall.

      Wie sich das in Folge einer vorher ausgeübten Teizeitbeschäftigung verhält, kann ich nicht mit abschliessender Sicherheit sagen. Ich bin allerdings der Auffassung, dass das zuvor bezogene Gehalt bei der Berechnung keine Rolle spielen darf, so dass sich hier durchaus ein Vorteil ergeben könnte.
      Vielleicht wäre diese Frage besser in einem speziellen Erwerbslosen-Forum aufgehoben. Dort hat man in der Regel mehr Erfahrung mit solchen Konstellationen.

      Gruß, Der Privatier

  12. Hallo,

    wie ist das nun, wenn man nahtlos in den vergangenen 7 Jahren gearbeitet hat, allerdings die letzten 12 Monate so aussahen:
    6 Monate Arbeitsentgelt letzter Arbeitgeber, 6 Monate Krankengeld Vorarbeitgeber? Der Bemessungsrahmen beträgt 1 Jahr, da Bemessungszeitraum mind. 150 Kalendertage. Wird nun nur das Entgelt der letzten 6 Monate genommen, aber durch 365 Tage dividiert für den täglichen Leistungsanspruch? Oder wird für die vorhergehenden Monate mit Krankengeldbezug auch ein Entgelt berücksichtigt? Das Entgelt, das ohne Krankheit erzielt worden wäre? Danke!

    • Ich zitier mal aus meinem alten Bescheid (sollte auch so im §151SGB3 stehen)
      „Das Bemessungsentgelt ist das durchschnittlich auf einen Tag entfallende beitragspflichtige Arbeitsentgelt, das Sie im letzen Jahr vor Entstehung ihres Leistungsanspruchs am …. verdient haben und das bei Beendigung der Beschäftigung abgerechnet war.“
      Sprich es wird das durchschnittliche tägliche Arbeitsentgelt des letzten Arbeitgebers herangezogen. Fiktiv bemessen würde nur, wenn die 150 Tage nicht erreicht wären.

      • Danke für Ihre Antwort, das deckt sich mit meiner Vermutung (ich habe inzwischen auch den 151 konsultiert :-). Viele Grüße!

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