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Gastbeitrag: Einführung in P2P Kredite — 10 Kommentare

  1. Ein auch für mich spannendes Thema. Ich bin allerdings eher skeptisch bezogen auf P2P-Kredite. Ich weiß, dass auch unter den Finanzbloggern viele P2P-Anhänger vertreten sind, daher frage ich mich, ob nur ich so irritiert bin von den doch recht hohen Renditezahlen, die ich in der verlinkten Tabelle sehe: Eine typische Rendite von 7-15% bei auxmoney ist doch mit Blick auf typische Aktienmarktrenditen von 7-10% (je nach Index) ziemlich hoch. Sollte da nicht auch ein vergleichbares Risiko schlummern? Und warum decken sich da Banken nicht kräftig mit ein? Das klingt doch irgendwie zu schön um wahr zu sein.
    Ich habe so ein wenig die Befürchtung, dass die nächste größere Wirtschaftskrise bei P2P-Krediten zu enormen Ausfallraten führen könnte. Als Ersatz für einen risikoarmen Depotanteil (Tagesgeld, Festgeld, Anleihen, …) sehe ich das jedenfalls nicht an.

    Lieben Gruß
    Dummerchen

  2. Die genannten Zinssätze (für Anleger) sind die Nominal-Zinsen der Kredite und nicht die Rendite (nach Ausfällen).

    Ersatz für TG/FG? Auf keinen Fall!

    Beides IMO

  3. Dummerchen schrieb: „Als Ersatz für einen risikoarmen Depotanteil (Tagesgeld, Festgeld, Anleihen, …) sehe ich das jedenfalls nicht an.“

    Dem kann ich nur zustimmen! (hat aber wohl auch keiner behauptet…)
    Ich sehe die P2P-Kredite eher am anderen Ende der Risiko-Skala. Also noch jenseits von vielleicht eher abenteuerlichen Anleihen und Aktien. Sehr spekulativ und demnach auch immer Ausfall gefährdet.
    Nichts anders zeigen ja auch die teilweise recht hohen Zinsen.

    Aber das bringt mich zu einer Frage, die mir schon vor der Veröffentlichung des Beitrages in den Sinn gekommen ist:

    Man hört ja immer wieder (auch von Befürwortern der P2P-Kredite in der Blogger-Szene und auch von unserem Gast-Autor Claus), dass man am besten mit kleinen Beträgen anfangen soll und in mehrere Projekte investieren soll. Nun ja – ist eigentlich logisch und da kommt man auch leicht von selber drauf.

    Aber wenn denn (fast) jeder das so machen würde, drängt sich doch förmlich der Gedanke auf, dass es zu diesem Zweck doch ganz nützlich wäre, wenn es im P2P-Kredit Bereich eine ähnliche Konstruktion gäbe, wie wir sie von Aktien und Anleihen ja schon lange kennen und zu schätzen wissen: Fonds!

    Nun muss das ja nicht gleich einer der bekannten Fonds-Anbieter sein, der sich auf so etwas stürzt. Das würde ja vielleicht auch dem Peer-to-peer Gedanken ein wenig widersprechen. Aber was spräche denn dagegen, wenn eine P2P-Plattform selber einige (oder viele) ihrer eigenen Projekte bündeln würde? Dabei könnte man ja ruhig die Mindestsumme etwas höher ansiedeln.

    Damit wäre die wohl dringend zu empfehlende Streuung gewährleistet und es würde es für Einsteiger sicher etwas einfacher machen, ohne große Mühe sich an diesen Geschäften zu beteiligen. Letztlich die gleichen Vorteile, wie man sie von Aktien-Fonds ja bereits kennt.

    Aber sicher bin ich nicht der Erste, der diesen Wunsch oder diese Idee hat. Wahrscheinlich gibt es das längst, oder? (Frage an den Experten!)

    Gruß, Der Privatier

  4. @Dummerchen,

    die Nominalzinsen haben erstmal nicht direkt mit der Rendite zu tun, denn davon ab gehen ja die Ausfälle durch nicht zurückgezahlte Kreditanteile. Zudem ist meist immer ein Anteil des eigenen Geldes gerade nicht investiert und somit unverzinst (‚cash drag‘). Außerdem schmälern die Gebühren des Marktplatzes die Rendite.
    Nur in einzelnen Sonderfällen wie z.B. den englischen Marktplätzen Ratesetter und Zopa ist der Nominalzins eine Näherung an die zu erwartenden Rendite. Bei Ratesetter hat durch den ‚Provision fund‘ der Ausfälle der Anleger kompensiert, bisher noch kein Anleger einen penny verloren.
    Im Regelfall gehören Ausfälle aber zum Geschäft und sind einzukalkulieren.

    Auf vielen Marktplätzen ist auch die angezeigte Rendite wenig aussagekräftig für den Anlegen. Die prinzipielle Vorgehensweise zur eigenen Berechnung der Rendite hatte ich mal hier am Beispiel von Bondora beschrieben:
    http://www.p2p-kredite.com/rendite-des-invests-in-isepankur-kredite-mit-xintzinsfuss-excel-funktion-berechnen_2013.html

    Im Forum berichtet auch diverse Anleger über ihre erzielten Renditen auf diversen Marktplätzen.
    Mein Statusbericht zu meinem Bondora Portfolio (ich investiere dort seit Ende 2012) findet sich hier:
    http://www.p2p-kredite.com/stand-meines-privatkredit-portfolios-bei-bondora-angekuendigte-tiefgreifende-aenderungen-am-marktplatz_2015.html

    Banken mischen übrigens mit; diverse Banken vor allem in den USA und England legen ihr Geld über P2P Kreditmärkte an, siehe z.B.:
    http://www.p2p-banking.com/services/lendingclub-p2p-lender-lending-club-announces-partnership-with-union-bank/
    http://www.p2p-banking.com/services/lendingclub-lending-club-and-citi-team-up-on-community-lending/
    Aber auch andere institionelle Anleger sehen P2P Kredite als Chance, z.B.
    http://www.p2p-kredite.com/victory-park-capital-wird-230-mio-euro-auf-dem-zencap-marktplatz-in-kredite-investieren_2015.html

    Hinsichtlich Wirtschaftskrise, Zopa hat ja schon einmal Krisenjahre durchlaufen und sich damals ganz gut behauptet. Natürlich werden die Auswirkungen einer Krise je nach Markt und Marktplatz unterschiedlich sein.

    Viele Grüße

    Claus

  5. @Privatier,

    tatsächlich gibt es eine ganze Reihe Fonds, vor allem angelsächsiche bzw. in LUX angesiedelte. z.b. P2PGI, Victory Park Capital’s Specialty Lending Investments and Ranger Direct Lending oder zuletzt GLI Alternative Finance (http://www.trustnet.com/Investments/Article.aspx?id=201509011827397738X)
    Ein Teil davon spricht auch private Anleger an während andere mit Mindestanlagesummen von 50.000 Euro oder mehr operieren.

    Ich persönlich finde das nicht attraktiv, denn als Anleger müsste ich dann ja noch die Managementgebühr des Fond zahlen (allerdings hat der Fond auch einen Vorteil – er kann Kreditausfälle gegen Zinsen verrechnen)
    Zudem verliere ich viel von der Steuerungsmöglichkeit/Kontrolle in was investiert wird. Genau diese Einflussmöglichkeit und die Transparenz über das Reporting ist aber ein Faktor der P2P Kredite für viele Anleger attraktiv macht.

    >Aber was spräche denn dagegen, wenn eine P2P-Plattform selber einige (oder viele) ihrer eigenen Projekte bündeln würde
    In Deutschland (und vielen Ländern) ganz klar die Regulierung.

    Auf welche Ideen Anleger kommen hatte ich hier mal in einem Interview-Beispiel (Anleger aus AT):
    http://www.p2p-banking.com/countries/baltic-experiences-with-setting-up-a-company-in-estonia-for-the-purpose-of-investing-in-bondora-p2p-lending/

    > es würde es für Einsteiger sicher etwas einfacher machen, ohne große Mühe sich an diesen Geschäften zu beteiligen

    Die Streuung ist auf den meisten P2P Kreditmarktplätzen leicht über so genannte Autobids zu erreichen. Der Anleger stellt einmal die Parameter ein die er will und sein Geld wird dann automatisch in neue Kredite investiert die zu diesen Parametern passen. Auf manchen Marktplätzen reichen schon 1000€ um in 100 verschiedene Kredite (je 10€) zu investieren. Auch hier empfehle ich aber vorher einige Zeit manuelle zu investieren um Einblicke zu gewinnen statt sich von Anfang an den Autobids anzuvertrauen.

    Weitere Fragen?

    Viele Grüße

    Claus

  6. @dpw
    Im englischen Markt entwickelt sich P2P Kredite durchaus zu ernstzunehmenden Alternative zu Festgeld
    http://www.independent.co.uk/money/spend-save/peertopeer-lending-rates-put-nisas-to-shame-10466286.html
    Renditen von 3 bis 5%, die zudem seite April diesen Jahres durch die britische Regierung steuerbegünstigt sind, sind durchaus attraktiver als britische Festgeldangebote die im gleichen Zeitraum 1 bis 1,5% bringen. Und wie oben schon geschildert ist das Ausfallrisiko auf einigen britischen Marktplätzen sehr gering.
    Demzufolge wächst der britische P2P Kreditmarkt derzeit auch mit über 100% pro Jahr.

    Die Situation in Deutschland ist zugegeben bisher eine andere. Deutsche Steuerzahler können im Regelfall Zinsen nicht gegen Kreditausfälle verrechnen. Ich bin mit den Renditen, die ich auf den von mir genutzen Marktplätzen erziele, sehr zufrieden. Zwar ist das Risiko deutlich höher als bei Festgeld – die Renditen aber auch.

    Viele Grüße

    Claus

  7. Eine sehr schöne Zusammenstellung von Claus Lehmann, an dessen sehr empfehlenswerter Webseite zu diesem Thema niemand, der sich mit P2P-Krediten beschäftigt, vorbei kommt. Bisher waren aber meine Bedenken zu groß, mich zu einem Engagement in P2P-Krediten durchzuringen, obwohl dies ein schönes Asset-Allocation-Element für mein extrem stark aktienmarktlastig angelegtes Vermögen sein könnte.
    Ein Aspekt fehlt mir in der Zusammenfassung allerdings: P2P-Kredite sind steuerlich lästig! Die P2P-Platformbetreiber behalten nicht wie Banken die Abgeltungssteuer ein, sondern man muss mittels Anlage KAP selbst für eine korrekte Besteuerung im Rahmen der Steuererklärung sorgen. Gerade wenn ich – wie sinnvollerweise von Claus empfohlen – anfange, mich mit Kleckerbeträgen in die Materie hineinzutasten, muss ich wegen dieses Mikroinvestments all meine über eine Vielzahl von Kreditinstituten laufenden großen Investments in einer riesigen Anlage KAP eintragen. Dazu hatte ich bisher keine Lust.

    Gruß
    OS

  8. @OS

    Stimmt. Allerdings bekommen Anleger von deutschen Kreditmarktplätzen fertige Zinsbescheinigungen, brauchen die Zahlen somit also nur zu übertragen.
    Nicht Einbehalt hat m.E. den Vorteil dass Du einige Monate länger mit dem Kapital arbeiten kannst, bevor Du die Steuer tatsächlich zahlen musst. In der Zeit kannst Du Zinsen verdienen.

  9. @Claus:
    Disclaimer: Ich bin (unter anderem Namen) lesend und (sehr gelegentlich) auch schreibend unterwegs.

    Du schreibst:
    „Die Entwicklung in Deutschland ist dagegen rund 2-3 Jahre zurück“
    Die Lage (auch bzgl. Alternative zu Festgeld) in US un d UK ist sicher eine andere. Ich bin aber fast der Meinung, daß D da nicht zurück hängt sondern nie dahin kommt.

    Interessant wird in D sicher auch, wenn denn mal wirklich wieder ein Zinsanstieg kommt (wie verhalten sich KG?).

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