Kommentare

Kap. 4: Finanzplan – Fragen, Kritik und Anregungen — 6 Kommentare

  1. Hallo Privatier,
    beim Erstellen des Finanzplanes ist mir Folgendes aufgefallen: auf der Einnahmenseite gibt es 3 Phasen: Ansparen – Überbrückung – Entsparen. Wobei ich unter Überbrückung den Zeitraum verstehe, der zwischen Rentenbeginn und Ausstieg liegt und hauptsächlich von Kapitaleinkünften (pass. Einkommen)bestritten wird. Während des Ansparens und Entsparens kommen Gehalt bzw. Rente hinzu. Auf der Ausgabenseite sehe ich aber ebenfalls 3 Phasen und dieser Gesichtspunkt kommt im Buch vielleicht etwas kurz: Angestellter – aktiver Privatier – Ruheständler. D.h. ich kann mir nicht vorstellen, dass die Ausgaben jährlich mit der Inflationsrate ungebremst bis zum Alter 95 ansteigen. Stattdessen unterstelle ich, dass man bis ca. Alter 75 ein aktiver Privatier ist, spätestens dann aber seinen Konsum reduziert. Leider gibt es dazu kaum Veröffentlichungen (Konsum vs. Lebensalter), bin mir aber dazu ziemlich sicher. Daher reduziere ich in meinem Finanzplan den Konsum mit Alter 55 um 10% und mit Alter 75 mit 20%. Ersteres, weil dann die Kinder aus dem Haus und selbständig sind, zweiteres weil dann die Reise-/Konsumfreudigkeit abnimmt. Es ergeben sich damit 4 Phasen für einen 45jährigen z.B.: Ansparen 10J. – Überbrückung 10J. – Plateau 10J. – Entsparen 20J. Wie denkst Du darüber? Und welche Inflationsrate benutzt Du für deinen Plan auf der Ausgabenseite: 2.5% (ein guter Mittelwert) oder eine Zufallszahl, da wir ja aktuell nur 1.5% haben es aber auch Jahre mit 4, 5, 6% geben könnte?
    Grüße Covacoro

  2. Hallo Covacoro,

    erst einmal vielen Dank für Deinen Vorschlag, die Ausgabenseite detaillierter zu planen. Generell finde ich den Vorschlag auch sehr gut, einfach schon deshalb, weil es immer besser ist, mehr Details in seinen Plan aufzunehmen, als nur mit wenigen Werten zu rechnen.
    Bei Deinen angenommenen Werten für die Abschläge im Alter wäre ich aber SEHR vorsichtig! Was Du (vielleicht) nicht bedacht hast, ist die Tatsache, dass ein Privatier (z.B. ab 55 Jahre) viel mehr Zeit hat, als ein Erwerbstätiger. Mehr Zeit, um mehr auszugeben. Das müssen keine grossen Dinge wie Urlaub oder Auto sein, es reicht auch schon einmal die halbe Stunde im Cafe, der etwas längere Abend mit Freunden in der Kneipe oder ein kleines Technik-Teil für unter 100 Euro. Oder doch mal ein spontaner Kurztrip mit Übernachtung und Essen.
    Insofern denke ich, dass ich als Privatier (auch im Alter von über 55 Jahre) tendenziell eher MEHR ausgebe, als früher als Erwerbstätiger. Einen Abschlag würde ich in dieser Phase nicht vornehmen.
    Wie das ganze mit Kindern aussieht, kann ich nicht sagen (ich habe keine). Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, dass auch Kinder, die nicht mehr zu Hause wohnen, weiterhin finanzielle Unterstützung benötigen (Umzug, Wohnung. Möbel, Zuschuss zum defekten Auto oder zum Urlaub). Spätestens bei den Enkeln geht das wieder los…

    Und es gibt noch einen Punkt, der mich bei den Abschlägen vorsichtig sein lässt: Es fallen sicher im Alter Kosten weg, weil man weniger aktiv ist oder manche Dinge einfach nicht mehr benötigt, weil man sie schon hat. Aber es kommen auch neue Kosten hinzu. Ganz an erster Stelle stehen dabei Kosten für die Gesundheit!
    Nicht alles bezahlt die Krankenkasse (meine jedenfalls nicht). Hast Du Dich schon einmal erkundigt, was die „dritten“ Zähne kosten? Da kann einem schon einmal schwindelig werden. Ich habe noch keine, aber die Kosten für Kronen und Brücken lassen auf nichts Gutes hoffen. Auch andere „Ersatzteile“ kosten richtig Geld!
    Ich trage schon seit einigen Jahren eine Gleitsichtbrille. Auch wenn ich kein super teures Gestell von einem der angesagten Hersteller haben muss, so sind es mir aber meine Augen doch wert, dass ich vernünftige (sprich: teure) Gläser habe. Und dann sind 1000 Euro mal eben schnell weg.
    Von daher: Auch im (höheren) Alter würde ich da lieber keinen Abschlag vornehmen wollen.
    Aber das liegt sicher auch an meiner insgesamt eher sehr vorsichtigen Herangehensweise: Ich gehe lieber vom schlechten Fall aus und das heisst: Keine Abschläge.

    Noch ein Punkt zur Inflation: Ich glaube, im Buch habe ich dazu keine Angaben gemacht (ich sollte es noch einmal lesen…), aber in meinem Beitrag: „Mein eigener Finanzplan“ habe ich geschrieben, dass ich momentan mit einer Rate von 2.4% Prozent rechne. Ebenfalls ein eher vorsichtiger Ansatz.
    Generell verfolge ich die Strategie, dass ich bei allen Zahlen, die sich zukünftig ändern können, einen konservativ-vorsichtigen Wert verwende, diesen aber beobachte und ggfs. den aktuellen Ereignissen anpasse.
    Dies habe ich allerdings auch schon im Vorfeld gemacht (den Plan einmal mit anderen Werten durchgerechnet). Dies ist aber nur zum Teil aussagekräftig, weil es wohl auch keinen Sinn macht, nur einen Wert anzupassen (z.B. die Inflation). Erfahrungsgemäss ändern sich andere Werte in solchen Situationen dann eben auch. Wie z.B. die Kapitalrendite oder Rentenerhöhungen.

    Mein Fazit: Die Betrachtung eines unterschiedlichen Ausgabeverhaltens in Abhängigheit vom Alter halte ich für sehr wichtig. Vielleicht sollte ich noch einmal ein wenig Statistik-Recherche betreiben, um diese Thematik in einer Neuauflage meines Bestsellers (oder hier im Blog) noch einmal etwas fundierter betrachten zu können.
    Danke für Deinen Hinweis !

    Gruß, Der Privatier

  3. Alles richtig und bedenkenswert. Bisher habe ich zu den Konsumausgaben vs. Alter z.B. diesen Statistik-Bericht gefunden: http://www.statistik.sachsen.de/download/100_Berichte-O/O_II_5_5j08.pdf
    Ab Seite 26 sind die Zahlen gg. Alter sortiert, man sieht z.B. die steigenden Gesundheitsausgaben und den Peak bei den Reiseausgaben kurz nach Rentenbeginn 🙂 Auch auf destatis.de findet man Berichte, die einen leichten Rückgang zeigen. Es wäre aber sicher ein „bißchen“ Zeit und Arbeit nötig, diese Statistik umzusetzen in gute Annahmen für den Finanzplan.

    • Danke für die Links. Ich muss mir das mal in Ruhe anschauen.

      Allerdings werde ich mich nicht zur Reduzierung meiner prognostizierten Ausgaben im Alter verleiten lassen. Da bleibe ich lieber bei meinem vorsichtigen Ansatz.
      Aber vielleicht gibt es ja auch einen Hinweis auf steigende Ausgaben. Das wäre dann allerdings ein Grund, noch einmal nachzudenken.

      Gruß, Der Privatier

  4. Bzgl. Ausgabenplanung vs. Lebensalter habe ich noch einen interessanten Artikel im Knowhow-Magazin 11/2014 gefunden. Dort werden die Konsumausgaben in Japan, einem Land mit hoher Lebenserwartung, nach Altersgruppen analysiert. Für das Jahr 2013 ergeben sich folgende Werte, Gruppe unter 29 Jahre gleich 100% gesetzt: 30-39 Jahre 138%, 40-49 Jahre 164%, 50-59 Jahre 167%, 60-69 Jahre 148%, über 70 Jahre 114%. Man sieht also sehr schön, dass der „Durchschnitts-Haushalt“ ab 60 Jahren weniger ausgibt. Die Ursache könnte nun einerseits ein geringeres verfügbares Einkommen sein oder die bereits weiter oben diskutierte Änderung im Konsumverhalten mit dem Alter, die ich in meinem Finanzplan ebenfalls unterstelle. Im Einzelnen zeigen die Daten aus Japan rückläufige Ausgaben für Transport+Kommunikation ab 50, den Wegfall von Ausgaben für Bildung ab 60, reduzierte Ausgaben für Kleidung+Schuhe ab 60,
    gleichbleibende bis leicht fallende Ausgaben für Wohnen und Lebensmittel ab 50.
    Dem stehen zwar steigende Ausgaben für Gesundheit ab 40 gegenüber, aber dieser Effekt schlägt auf die Summe aller Ausgaben nicht durch (im Durchschnitt). Berücksichtigt wurden eigentlich alle Kategorien, die man sich denken kann: Lebensmittel, Wohnen, Heizung+Licht+Wasser, Möbel+HH-Gegenstände, Kleidung+Schuhe, Gesundheit, Transport+Kommunikation, Bildung, Kultur+Freizeit, andere Konsumgüter.

    P.S. Nach Registrierung ist das Knowhow Magazin bestellbar bzw. ca. 1 Monat nach Erscheinen auch Online abrufbar, siehe: http://www.gs.de/newsletter/magazin

    • Sehr interessante Statistik!

      Ich habe ja meinen Finanzplan auf Basis meiner aktuellen Ausgaben, also in der Altersgruppe von 50-59 Jahren und somit beim Maximum, erstellt. Wenn sich die Zahlen auf unsere Verhältnisse übertragen ließen, müsste ich jetzt mal langsam anfangen, Gas zu geben beim Geld-Ausgeben. Sonst bleibt am Ende noch zu viel übrig… 😉

      Gruß, Der Privatier

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.