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Kap. 9.3.2.2: Hinweise zum Dispositionsjahr: Vor- und Nachteile — 35 Kommentare

  1. Hallo Herr Privatier,

    wenn ich das so richtig verstehe, dann ist der Unterschied zwischen „Dispojahr“ (Mr. Excel) und kurzfristrigem „An- und Abmelden“
    zu Beginn der Arbeitslosigkeit (Privatier) wie folgt:

    Dispojahr: keine Ruhe- und Sperrzeiten, allerdings Risiko wenn gesundheitlich am Ende des Dispojahres etwas dazwischen kommt, wortscase = kein Arbeitslosengeld mehr.

    An- und Abmelden am Ende des Arbeitsverhältnisses: Sperrzeit unvermeidlich sofern Kündigungsfristen ausserhalb der gesetzlichen Fristen ggf. auch Ruhezeit.

    Jetzt stellt sich für mich folgende Frage:

    Wenn man während des Dispojahres feststellt, dass es zu gesundheitlichen Problemen am Ende des Dispojahres kommen könnte, dann wäre doch eine Arbeitslosmeldung
    z.B. nach 6 Monaten auch möglich. Damit würden, wie ich das sehe, auch die Warte- und Sperrzeiten zum Tragen kommen. Korrekt?

    Wenn ja, wie würde die Agentur für Arbeit dann das Arbeitslosengeld berechnen? Rückwirkend auf ein Jahr gesehen wären dann
    z.B. 6 Monate a‘ 5.000 Euro brutto plus 6 Monate a‘ 0 Euro = durchschnittlich 2.500 Euro als Basis für die Berechnung oder bleibt es bei den 5.000 Euro, da diese das letzte Gehalt innerhalb des letzten Jahres waren?

    Viele Dank schon mal für die Beantwortung.

    • Die Unterschiede und Folgen sind soweit korrekt verstanden.

      Bei der Berechnung des ALG-Anspruches werden immer nur die versicherungspflichtigen Zeiten berücksichtigt. Zeiten ohne Einkünfte bleiben daher ohne Wirkung.
      Anderenfalls wären nämlich alle, die ein vollständiges Dispojahr machen, ziemlich „gekniffen“, da diese ja immer auf ein ganzes Jahr ohne Einkünfte zurückblicken. 😉

      Gruß, Der Privatier

      • Hallo Privatier,
        ich stehe gerade vor der Entscheidung zum DispoJahr und bin trotz der vielen hilfreichen Informationen noch nicht schlüssig. In 3 Monaten (Oktober 2019) werde ich aus dem Unternehmen ausscheiden und habe jedoch weitere 9 Monate, bis zur eigentlichen Kündigungsfrist. Ich gehe also von 9 Monaten Ruhezeit aus. Da ich dann auch 50 werde, wollte ich eigentlich die Meldung beim Amt im Juli 2020 machen. Da ich bis mich bis dahin freiberuflich melden werde, ist mir nicht klar ob die minimalen Einnahmen während dieser Zeit als Basis für das Arbeitslosengeld herangezogen werden, oder meine bisherigen Einnahmen. Das wäre fatal. Gibt es hier etwas zu berücksichtigen? Meine Dispo Zeit währe dann kein volles Jahr, warum würde man Sperr und Ruhezeit nur umgehen bei einem vollen Dispo Jahr? (Laut Artikel) Ich würde erwarten, dass ich im Juli 2020 keine Ruhe oder Sperrzeit mehr habe?
        Danke für einen Tip.
        Wenn ich sicher gehen wollte, müsste ich mich erst Arbeitslos melden und dann abmelden, dann würde ich aber potentiell 3 Monate AL1 verlieren, wegen unter 50.

        • „… bis dahin freiberuflich melden „

          Was ist denn mit „freiberuflich melden“ gemeint??

          Wie dem auch sei: Einkünfte aus einer selbständigen Tätigkeit können nur dann Einfluss auf die ALG-Höhe haben, wenn während dieser Zeit freiwillige Beiträge zur Arbeitslosenversicherung bezahlt werden – ansonsten nicht.

          Dass sich Sperr- und Ruhezeiten erst mit einem vollständigen Dispojahr (ggfs. länger ab 2020) vermeiden lassen, ergibt sich aus dem Zusammenwirken der unterschiedlichen Gesetze, was ich hier in zahlreichen Beiträgen bereits erläutert habe. Besser kann ich es nicht.
          Wird das Dispojahr nicht eingehalten, entfallen diese Zeiten nicht! Es kann aber natürlich sein, dass sie bereits abgelaufen sind. Wartet man solange, bis Sperr- und Ruhezeit abgelaufen sind, bekommt man sofort ALG. Darum geht es aber in der Regel nicht, sondern man möchte die Verringerung des Anspruches infolge einer Sperre und die u.U. hohen KV/PV-Beiträge während der Ruhezeit vermeiden.

          Eine sofortige Arbeitslosmeldung würde sowohl Sperrzeit, als auch Ruhezeit und lediglich den Anspruch für unter 50jährige festschreiben.

          Gruß, Der Privatier

          • Lieber Privatier,
            ich habe zwar viel in den Seiten geblättert, aber diesen Zusammenhang nicht erkannt. Danke für die Erläuterung.
            „Freiberuflich“ wollte ich mich beim Finanzamt melden, um ggf. einzelne Aufträge anzunehmen. (Dieses Jahr wären Einnahmen noch OK, nächstes Jahr sollte ich tunlichst nicht ins Plus kommen.) Ich möchte meine Kontakte möglichst aufrecht erhalten.
            Wenn ich mich erst Juli 2020 arbeitslos melde, würde ich immerhin die 3 Monate ALG1 mehr bekommen, die potentiell als Sperre wieder abgezogen werden. Die Ruhezeit sollte dann ausgesessen sein. Für das 3/4 Jahr werde ich nur Rente einzahlen.
            Leider werde ich um die massiv erhöhte Krankenkasse für diesen Zeitraum nicht herum kommen. Was mir nicht klar ist: Werden die erhöhten Krankenkassengebühren in dem Jahr der Abfindungsauszahlung starten, oder bereits im Oktober? Meine Gedanken: Die erhöhte Krankenkassengebühr fällt ab Oktober 2019 an und ich muss sie eh bis Juni 2020 zahlen, wegen Ruhezeit Arbeitslosengeld. Im Juli melde ich mich Arbeitslos, um das Arbeitslosengeld zu sichern und bleibe 3 Monate Arbeitslos, obwohl es im Jahr der Abfindung ist, um diese 3 Monate kein erhöhtes Krankenkassengeld zu zahlen. Im Anschluss sollten die Krankenkassengebühren doch dann entsprechend gemeldeter vielleicht 300€ monatlicher Einnahmen als Freiberufler auf niedrigem Satz sein.
            Liege ich mit den Gedanken falsch?

          • Ein paar kurze Anmerkungen dazu:

            * Ob die geplanten Tätigkeiten tatsächlich freiberuflich sind, sollte man im Vorfeld einmal prüfen. Dafür gibt es klare Kriterien, aber gelegentlich auch Grenzfälle.
            * Bei einer Sperre beim ALG bitte immer daran denken, dass es nicht nur die 3 Monate am Anfang sind! Insgesamt reduziert sich der Anspruch um 1/4.
            * Die Krankenkasse darf eine Abfindung erst nach der Auszahlung in den Beiträgen berücksichtigen. Und maximal so lange, wie die ordentliche Kündigungsfrist abgelaufen wäre.
            * Wenn man schon 3/4 Jahr ohne ALG plant, wäre zu überlegen, ob man dies nicht auf ein ganzes Jahr verlängern könnte (Dispojahr). Das ändert allerdings nichts an den KV-Beiträgen.

            Gruß, Der Privatier

        • Ich antworte mal zwei Ebenen höher, weil weiter unten keine Antwortmöglichkeit mehr besteht.

          Mir hat die TK auch schon vor dem Zeitpunkt der Abfindungszahlung den maximalen Beitragssatz in Rechnung gestellt. Von daher stimme ich dir zu, dass der max KK-Beitrag von 10/2019 – 06/2020 fällig ist. Danach der minimale Beitrag.
          Daher würde ich mich auch erst zum Oktober arbeitslos melden um die Anspruchsverkürzung zu umgehen. Ggfs danach gleich wieder abmelden damit 2020 möglichst wenig ALG1 progressionsmaximierend wirkt.

          Die massiven Krankenkassenbeiträge haben auch was Gutes, man kann sie steuerlich absetzen. Man kann als Privatier sogar das 2,5-fache des jährlichen KK-Beitrages vorauszahlen (sofern die KK da mitspielt) und auch diesen Betrag steuerlich absetzen.
          Also grob 6*800 + 6*200 = 6.000 für 2020 und 2,5*6.000 = 15.000 als Vorauszahlung. Macht 21.000 zum Absetzen (ganz grob und ohne Flinte, ähm Gewähr)
          Gegenrechnung ab 10/2020 ALG: 6*800 + 3*200 = 5.400, Vorauszahlung dann 13.500 machen in Summe noch 18.900.
          Damit kann man auf jeden Fall ALG „wegrechnen“, 3 Monate ALG wären also nicht steuerlich verheerend.
          Den Artikel zur Fünftelregelung kennst Du hoffentlich: https://der-privatier.com/kap-3-3-1-1-hinweise-zur-fuenftelregel-grundlegendes/

          • Puh. Sehr wertvolle Antworten. – Die natürlich weitere Fragen in mir wecken.

            Arbeitslosmeldung: Kling schlüssig, das auf Oktober 2020 zu verschieben. Ich habe aber nicht verstanden, welche Regel dann zieht, die die Sperrzeit umgeht und mir scheint das Risiko „Den Tag“ zu verpassen echt hoch.

            Krankenkasse: Die im Jahr anfallenden Gebühren kann ich doch auch ohne Vorauszahlung absetzen. Spätestens 2021 würde ich mich sowieso wieder Arbeitslos melden und hätte keine Krankenkassengebühren, daher sehe ich nicht, wie die Vorauszahlung für 2021 funktionieren soll.

            Freiberuflich: Das ist Neuland für mich. Mein Plan war: IT-Beratung, ggf. andere kleine Tätigkeiten durchführen, um meine potentiellen Partner nicht zu verlieren. Diese als Freiberufler entsprechend mit Ausgaben zu kompensieren (Konferenzen oder ähnliches) – um keine Gewinne einzufahren. Vielleicht bin ich hier zu unerfahren und naiv?

          • „Krankenkasse: Die im Jahr anfallenden Gebühren kann ich doch auch ohne Vorauszahlung absetzen. Spätestens 2021 würde ich mich sowieso wieder Arbeitslos melden und hätte keine Krankenkassengebühren, daher sehe ich nicht, wie die Vorauszahlung für 2021 funktionieren soll.“
            Das Absetzen von vorausbezahlten KK-Beiträgen im Jahr der Abfindung ist steuerlich meist deutlich „ertragreicher“ als wenn man die Beiträge in Privatiersjahren mit wenig zu versteuerndem Einkommen absetzt.
            Es braucht aber auch eine KK, welche die Beiträge auf mehrere Jahre hin vorträgt.

            Der für den Entfall der Sperrzeit zuständige Prargraf wurde in den Kommentaren schon mehrfach genannt, also mal eine Nächt lang das Forum durchkämmen 😉

          • Danke für die Info!
            Die Infos mit der Sperrzeit habe ich jetzt gefunden. Da ich leider noch 2019 das Unternehmen verlasse, wird es auch die knappe Sache auf den Tag. Wenn ich es richtig verstehe, müsste ich mich zum 1.Oktober arbeitslos melden und zwar genau dann.

            Scheint mir tatsächlich gewagt. Ansonsten im Juli, um die verlängerten Monate ab 50 mitzunehmen.

          • So wild ist das mit dem „knapp“ nun auch nicht. Ich habe Mitte Dezember beim AA persönlich vorgesprochen, eine Kundennummer und Online-Zugangsdaten erhalten und mich dann noch vor Weihnachten online zum 31. Dezember arbeitslos gemeldet. Am 2. Januar hatte ich dann auch schon einen ersten Termin mit meinem Vermittler.

            Die Entscheidung nimmt Dir aber keiner ab: Anspruchskürzung (um 3,75) auf 11,25 Monate oder das Risiko Anfang Oktober ernsthaft krank zu sein und den ganzen ALG-Anspruch zu verliergen.
            Ernsthaft krank meint sowas wie mit Vollgips im Krankenhaus zu liegen. Mit ein bisschen Rüsselpest oder Flitzka… (Seniorenwindel nicht vergessen) kann man sich ja durchaus zum Erstgespräch begeben.

  2. Hallo Herr Privatier,
    also würde in meinem beschriebenen Fall ein Arbeitslosengeld auf Basis der 5.000 Euro ermittelt werden obwohl der 12 monatige Zeitraum vor der Arbeitslosenmeldung nur 6 versicherungspflichtige Monate enthält? Das könnte dann ja bedeuten, dass ich mich nach 11 Monaten aus welchen Gründen auch immer doch noch gegen ein Dispojahr entscheiden kann ohne finanziell schlechter gestellt zu werden Höhe ders ALG).

    Damit wäre ich auch nicht schlechter gestellt wie beim Dispojahr (Zeitraum erweitert auf 24 Monate), nur mit dem Unterschied dass die Ruhe- und Sperrzeiten zum Tragen kommen würden.
    Oder habe ich Ihre Antwort falsch interpretiert?
    Viele Grüße Karl

    • Sie haben die Antwort richtig interpretiert. Sie können auch 11 Monate warten, ohne dass Sie einen Nachteil davon haben.
      Es wird immer zuerst ein Zeitraum von 12 Monaten rückwirkend betrachtet, sind hier nicht mindestens 150 Tage an abgerechneten Einkünften aus versicherungspflichtigen Zeiten vorhanden, wird der Zeitraum auf 2 Jahre verlängert. Erst wenn dann auch keine 150 Tage (also ca. 5 Monate) mehr zusammen kommen, gibt es ein Problem: Die fiktive Einstufung.

      Gruß, Der Privatier

  3. Hallo Herr Privatier,

    habe mit Interesse die vielen Informationen zum „Disposjahr“ durchgelesen. Ich bin zu dem Schluß gekommen, dass es für mich keinen Sinn macht. Die Situation: Ich habe w/Rationaliserungsmassnahmen meines AG ein Angebot gegen eine (kleine) Abfindung meinen Arbeitsvertrag aufzulösen – zum Ende diesen Jahres. Ich bin dann 62 und habe bereits jetzt die Wartezeit für eine Rente für besonders langjährig Versicherte erfüllt. D.h. ich kann mit 63 J. + 8 M. abschlagsfrei in Rente gehen und müsste noch 20 Monate überbrücken. Mein Anspruch auf ALG 1 wäre 24 Monate. Wenn ich ein Dispojahr „einlege“ könnte ich dann in 2020 noch für 8 Monate ALG 1 beziehen, muss mich aber für 2019 selbst krankenversichern und eventuell den Mindestbeitrag in die RV einzahlen w/EU-Rente. Wenn ich mich gleich zum 1.1.19 arbeitslos melde, würde ich sowohl eine Ruhenszeit als auch eine Sperrzeit durch die Agentur erhalten. Die Sperrzeit würde meinen Anspruch auf auf ALG um 1/4 auf 18 Monate verringern, würden aber einen Zeitraum von 17 Monaten bis 1.9.2020 abdecken. Im Ergebnis wären es aber auf jeden Fall mehr als 8 Monate nur für 2020. Sehe ich das richtig? Hätte auch den Vorteil, dass ich mich nicht freiwillig krankenversichern müsste. Bzgl. der KV die Frage: Den ersten Monat (Januar 2019) der Sperrzeit gibt es einen „Nachlauf“ bei der KV und ab dem zweiten Monat zahlt die Agentur? Ist diese Info richtig? Ich würde mich freuen, wenn Sie meine Überlegungen mal prüfen würden. Vielen Dank Horst

    • Zunächst einmal sehe ich auch keinen Sinn in einem Dispojahr.

      Ob Sie sich allerdings freiwillig krankenversichern müssen, hängt vor allen Dingen davon ab, ob und wie lange eine evtl. Ruhezeit sein wird. Während der Ruhezeit sind Sie NICHT über die Agentur versichert.
      Aber wenn Sie eine „kleine“ Abfindung bekommen haben, dürfte die Ruhezeit ja dementsprechend auch nicht sehr lang sein. Können Sie selber ausrechnen, siehe Beitrag über die Ruhezeit: https://der-privatier.com/kap-9-10-3-arbeitslosengeld-ruhezeit/

      Gruß, Der Privatier

  4. Hallo Herr Privatier,
    vielen Dank für die interessanten Tipps zum Dispojahr. Ich bin allerdings ein wenig verunsichert, was die Berechnung des ALG betrifft. Meine Situation ist folgendermaßen. Ich habe einen Aufhebungsvertrag mit Wirkung zum 31.12.2018 unterschrieben. In diesem Vertrag steht, dass, sollte ich diesen nicht unterschreibe, es zu einer betriebsbedingten Kündigung käme. Somit sollte ich um eine Sperrfrist „rumkommen“. Ich bin 57 Jahre alt und bereits arbeitssuchend gemeldet. Da ich im Januar eine Abfindung erhalte, möchte ich aus steuerlichen Gründen ein Sabattjahr einlegen und quasi ab dem 01.01.2020 ALG beziehen.Außerdem bin ich dann 58 und hätte ein Anrecht auf 24 Monate ALG. Nun wird es problematisch: Ich habe in diesem Jahr 6 Monate Krankengeld bezogen und bin vom 01.10.-31.12. freigestellt bei vollem Gehalt, abzüglich aller Sozialabgaben. Da für die Berechnung des ALG das Jahr 2018 Grundlage ist, frage ich mich, ob der Krankengeldbezug und die Freistellung ganz normal berücksichtigt werden oder ob es da Einschränkungen gibt. Wenn es Einschränkungen gibt, gelten diese dann nur für das Sabatical? Ich würde mich freuen, wenn Sie mir hierzu eine Antwort geben könnten.
    Vielen lieben Dank!
    Barbara

    • Ich möchte Ihnen anstelle einer direkten Antwort einmal einen Link auf einen Kommentar geben, in dem ich die Zusammenhänge (auch bzgl. Krankengeld und Freistellung) kürzlich erst erläutert habe.

      Ich denke, mit diesen Angaben sollten Sie in der Lage sein, die Folgen einmal für Ihren Fall selber auszurechnen.

      Gruß, Der Privatier

  5. Hallo Barbara,
    in Deinem Fall hängt die Entscheidung für ein Dispojahr von den konkreten Zahlen, d.h. von der Höhe der Alg1-Zahlung ab. Ohne Dispojahr schaffst du die 58-er Altersstufe nicht und erhältst ohne Sperrfristen 6 Monate weniger Alg1. Mit Dispojahr verlängert sich die Bezugsdauer, aber da keine 150 Arbeitstage vorliegen verringert sich die Höhe. Evtl. spielen auch 6 zusätzliche Monate Krankenversicherung eine Rolle. Im Netz habe ich keinen Alg1-Rechner oder Infos bekommen, wie hoch die Alg1-Leistung bei weniger als 150 Arbeitstagen ausfällt. Daher kann ich nur empfehlen, dass die Leistungsstelle vom AA das für Dich ausrechnen soll.
    Gruß
    Holger

    • Grundsätzlich ist der Hinweis auf eine Abwägung anhand der konkreten Zahlen zwar richtig, unklar ist aber, inwieweit bei einem Dispojahr mehr oder weniger als 150 Tage mit Arbeitsentgelt vorliegen.
      Die Zeiten des Krankengeldbezuges zählen definitiv nicht dazu. Das ist soweit klar. Ob allerdings die Monate der Freistellung eingerechnet werden oder nicht, dürfte davon abhängen, nach welcher Rechtsauffassung die Agentur vorgeht. Wenn sie die aktuell noch gültige Dienstanweisung anwenden sollte (s. dazu Beitrag „Agentur erfindet neue Regeln“ , so bleibt die Freistellung bei der Berechnung der ALG-Höhe ebenfalls unberücksichtigt und es dürften daher in den zwei Jahren vor Arbeitslosigkeit weniger als 150 Tage mit Arbeitsentgelt vorliegen. Folge: Fiktive Einstufung.

      Richtet sich die Agentur jedoch bereits nach dem kürzlich ergangenen Urteil des BSG zu Freistellungen (. Beitrag „Arbeitslosengeld nach Freistellungen“ , so würde es wahrscheinlich ausreichen. Das sollte Barbara dann aber besser einmal anhand der exakten Zahlen selber einmal nachrechnen.

      Die Ungewissheit wird aber wohl noch eine Weile bestehen bleiben (es sei denn, man kalkuliert Widerspruch und Klage mit ein). Insofern muss man diese Ungewissheit ebenfalls bei einer Abwägung mit berücksichtigen.

      Gruß, Der Privatier

  6. Hallo Herr Privatier, hallo Holger,

    vielen Dank für eure hilfreichen Antworten. Ob nun die Zeit der Freistellung mit eingerechnet wird oder nicht, wird mir hoffentlich das AA beantworten. Habe jedoch nicht so viel Vertrauen in die Kenntnisse der Mitarbeiter, denn z. T. wissen diese nicht einmal, was ein Sabatical ist. Auf jeden Fall werde ich euch mitteilen, was „die Experten“ in meinem Fall entschieden haben.

    Beste Grüße
    Barbara

    • “ z. T. wissen diese nicht einmal, was ein Sabatical ist“

      Das müssen die auch nicht wissen! Genau so wie es in den Sozialgesetzbüchern keine Definition von „Dispojahr“ gibt, gibt es auch keine für „Sabbatical“. Letztlich sind dies frei erfundende Begriffe, unter denen im Zweifel jeder etwas anderes versteht.

      Gruß, Der Privatier

  7. Hallo zusammen,
    am 30.11.2018 wurde vom Bundestag das „Qualifizierungschancengesetz“ beschlossen. Bestandteil des Gesetzes ist die Verlängerung der „Rahmenfrist“ nach §142f. SGB III von bisher 2 Jahren auf künftig 30 Monate (gültig ab 01.01.2020).
    Nun meine Frage mit Bezug auf das Dispositionsjahr: nach allem, was ich bisher in diesem sehr informativen Forum gelesen habe, bedeutet dies, dass das „Dispositionsjahr“ von bisher exakt 12 Monaten Dauer auf künftig bis zu 18 Monaten Dauer ausgeweitet werden kann. Und dies, ohne die Vorteile bezüglich Sperr-/Ruhezeit usw. zu verlieren.
    Ist meine Annahme richtig? Ich freue mich auf bestätigende bzw. klärende Kommentare.

    • Moin, Stefan
      Im Prinzip ja, ABER:

      Wer nach seinem 58ten Geburtstag die maximale Alg1-Bezugsdauer (24 Monate) erreichen will, benötigt auch nach der zu erwartenden Neuregelung WIE BISHER 48 Monate Versicherungspflichtverh. innerhalb der letzten 5 Jahre (60 Monate)!
      Hier bleibt es demnach bei 12 Monaten Dispojahr (60-12=48)!!!

      AUSSERDEM MUSS zur Inanspruchnahme der neuen Rahmenfrist am 01.01.2020 noch ein VersicherungsPFLICHTverhaeltnis in der ALV bestehen.
      UND: Der(erweiterte) Bemessungszeitraum von 24 Monaten mit 150 Tagen „normalem“ Gehalt (zur Berechnung der ALG1-Hoehe nach dem tatsächlichen Verdienst) bleibt unverändert!
      Also wie immer: Planung muss passen!

      Gruesse
      ratatosk

    • Hallo Stefan,

      „ratatosk“ hat schon alle wichtigen Punkte aufgelistet, die ggfs. übersehen werden könnten.

      Ergänzen möchte ich noch zwei Punkte:
      * Mein aktueller Kenntnisstand bezieht sich noch auf den Entwurf des Gesetzes, den tatsächlich verabschiedeten Gesetzestext habe ich noch nicht gelesen.
      * Wir haben dieses Gesetz und die möglichen Folgen bereits an anderer Stelle (ab hier) diskutiert. Dort gibt es ggfs. weitere Informationen und wir sollten die Diskussion (falls erforderlich) nach Möglichkeit dort fortsetzen.

      Gruß, Der Privatier

  8. Hallo Privatier,
    eine guten Rutsch und ein erfolgreiches 2019.
    Ich habe mit viel Interesse Deine Seiten gelesen.

    Erst dadurch bin ich auf das „Dispositionsjahr“ aufmerksam geworden. Ich habe, da mein Arbeitgeber eine amerikanische Firma übernommen wurde und der neue Eigentümer weltweit über 40% der MitarbeiterInnen entlassen hat, nach über 19 Jahren im IT Vertrieb einen Abwicklungsvertrag unter Mitwirkung meines Anwaltes unterschrieben.

    Das ordentliche Kündigungsende wäre der 31. Mai 2019 gewesen. Es gab aber die Möglichkeit jeweils zum 15. bzw. Ende des Monats vorzeitig zu kündigen und die restlichen Monate bis zur ordentlichen Kündigung erhöhten dann die Abfindung. Für dieses Modell habe ich mich entschieden und werde mit Wirkung zum 15. Januar 2019 mein Arbeitsverhältnis beenden.

    Ich habe mich im November 2018 arbeitssuchend gemeldet und alle Daten im Portal der Arbeitsagentur hinterlegt.

    Heute am 03.01.2019 hatte ich mein Beratungsgespräch bei einer Vermittlerin bei der AfA in Wiesbaden.

    Durch die tollen Informationen, Anregungen und Beiträge war ich bestens informiert.
    Das Gespräch dauerte 15 Minuten.
    Die Vermittlerin wusste, nachdem ich ihr meine Situation und meinen Wunsch eines Dispositionsjahres geschildert hatte, über das Dispostionsjahr Bescheid und sagte dass sie dies in der letzten Zeit häufiger von ihren Kunden gehört hätte, dass diese das Dispositionsjahr in Anspruch nehmen würden.
    Sie sagte dass ich ja bestens präpariert sein und druckte dann eine Erklärung für das „Dispostionsjahr“ aus, in der ich erklärte über die leistungsrechtlichen Konsequenzen, dass ich solange ich über die Agentur für Arbeit kein Arbeitslosengeld erhalte nicht kranken-, renten- und pflegeversichert bin, informiert wurde.

    Sie hat in der eAkte einen scan der unterschriebenen Erklärung hinterlegt, mir das Original ausgehändigt, und mir noch den Tipp gegeben mich am besten drei Monate vorher, also Mitte Oktober 2019 zum 16.01.2020 arbeitslos zu melden.
    Total entspannt bin ich nach Hause gefahren. Nochmals Dank für die super Informationen.
    Beste Grüsse
    Mercator11
    den Arbeistlosne bezug ab dem 16.01.2020 und die restlichen Monate auf die Abfindung

    • Es freut mich, wenn die Informationen hier Erfolg zeigen. Selbst in den Arbeitsagenturen scheinen sich manche Ideen zu verbreiten 😉 .
      Ich würde sagen, die Entspannung ist berechtigt. Prima, dass es so gut gelaufen ist!

      Als nächstes wäre jetzt die Krankenkasse an der Reihe… Mit einem Dispojahr kann man zwar Sperr- und Ruhezeiten der Agentur vermeiden, nicht jedoch die Anrechnung der Abfindung bei den KV/PV-Beiträgen. Es sei denn, man wäre privat versichert oder hat die Chance, in der Familienversicherung unter zu kommen.

      Gruß, Der Privatier

  9. Bringt das Dispositionsjahr nicht auch einen Vorteil beim ALG1 für alle die über der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) RV verdienen?
    Bei der Berechnung des ALG1 wird das anrechenbare Einkommen ja bei der BBG RV gekappt. Allerdings steigt die BBG RV üblicherweise auch jedes Jahr an, sodass nach einem vollständigen Dispositionsjahr auch mehr ALG1 herauskommen müsste.

    Ist dem so, oder wird stattdessen die BBG RV aus dem Jahr der Arbeitsaufgabe angesetzt?

    • Hallo J,
      das Dispojahr bringt leider keinen Vorteil bei der Alg1-Höhe. Es berechnet sich auf Basis des geringeren gekappten Höchstbetrages des Bruttoverdienstes aus dem Vorjahr, d.h. der aktuelle Höchstbetrag beim Alg1 ist mit Dispojahr nicht zu erreichen, aber ohne Dispojahr hätte es den ja auch nicht gegeben.
      Gruß Holger

    • Auch wenn Holger hier schon die richtige Antwort gegeben hat, möchte ich das noch ein bisschen präzisieren:
      Die Höhe des ALG-Anspruches richtet sich immer nur nach den eigenen Beitragszahlungen und hat daher mit der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) nur indirekt etwas zu tun.
      Entscheidend für die Höhe des ALG ist das beitragspflichtige Einkommen der letzten 12 Monate vor Beginn der Arbeitslosigkeit (innerhalb von 2 Jahren).

      Gruß, Der Privatier

      • Schade – wäre nett gewesen 🙂
        Wie ermittelt die Agentur für Arbeit eigentlich das relevante Bemessungsentgelt? Theoretisch würde es ja reichen, die von ihr erhaltenen Beiträge zur Arbeitslosenversicherung (2,5%) mit 40 zu multiplizieren. Damit wäre ja – wie von Euch geschrieben – automatisch die BBG RV des jeweils relevanten Jahres mit berücksichtigt.

        • Bestandteil eines jeden (vollständigen) ALG-Antrages ist eine Verdienstbescheinigung des/der letzten AG über die in Frage kommenden Zeiten. Hier bescheinigt der/die AG die beitragsrelevanten Zahlungen.

          Gruß, Der Privatier

  10. Hallo Privatier und Mitleser,

    Vielen Dank Privatier für die hervorragenden Infos zu diesen komplexen Themen.
    Mal schauen ob ich das in Summe richtig verstanden habe.

    -> Durch ein Dispojahr verringert sich automatisch die Anspruchsdauer des ALG – um 6 Monate- da von der Beschäftigungsdauer 12 Monate abgezogen werden.
    >> Das wäre dann auch den Risiken/Nachteilen des Dispojahres zuzurechnen(!)

    -> Bei einem Aufhebungsvertrag und Beantragung von ALG1 innerhalb eines Jahres entsteht eine Sperre von 3 Monaten.

    -> Ergebnis:
    Von der Abfindung werden also „immer“ mindestens 3 Monate der Anspruchsdauer abgezogen. Entweder in Form der Sperre oder als Kürzung des Anspruchs beim Dispojahr (sogar 6 Monate).

    Ausnahmen:
    Reduzierung der Sperre wegen besonderen Gründen.
    Durch erreichen der nächst höheren Altersgrenze im Dispojahr können 3 Monate davon kompensiert werden.

    -> Vorsicht: das heißt für alle unter 50-jährigen, beim Dispojahr bleibt lediglich ein Anspruch von 6 Monaten ALG1-Bezug übrig

    Da wird die persönliche Sicht relevant was besser passt. Eine Abfindung mit: „einem Jahr Auszeit“ (mit evtl. KV-Beiträgen -evtl. erhöht-) und 6 Monaten möglicher ALG1-Bezug,
    oder mit 9 Monaten möglichem ALG1-Bezug (außer bei besonderen Gründen, dort 12 Monate).


    Dauer der Beschäftigung Anspruch auf Arbeitslosengeld
    12 Monate 6 Monate (180 Tage)
    16 Monate 8 Monate (240 Tage)
    20 Monate 10 Monate (300 Tage)
    24 Monate 12 Monate (360 Tage)
    30 Monate n.V. 50. Lj 15 Monate (450 Tage)
    36 Monate n.V. 55. Lj 18 Monate (540 Tage)
    48 Monate n.V. 58. Lj 24 Monate (720 Tage)

    § 147 SGB III
    https://dejure.org/gesetze/SGB_III/147.html § 147 SGB III

    Die Zusammenfassung des Themas Anspruch finde ich ungemein praktischPrivatier sagte am 11.Sep.2018 um 10:41

    Herzliche Grüße
    Udo

    • Du hast das falsch verstanden, bitte nochmal genauer lesen!

      Ein korrekt durchgeführtes Dispojahr führt dazu, dass keine Sperr- und Ruhezeiten (wegen Arbeitsaufgabe / Abfindungsvertrag) verhängt werden. Es findet keine Anspruchsreduzierung wegen dem Dispojahr statt.

      • Ahhh, Danke. Stolperstein gefunden 🙂

        Ich habe fälschlicherweise für die Anspruchsdauer eine Rahmenfrist von lediglich 2 Jahren angenommen.

        Richtig ist:
        ————
        1. bei der Anwartschaftszeit beträgt die Rahmenfrist 2 Jahre
        2. bei der Anspruchsdauer beträgt die Rahmenfrist 5 Jahre (Es werden 3 Jahre addiert. Behördendeutsch: „innerhalb der um drei Jahre erweiterten Rahmenfrist“)

        Durch die Erweiterung kommen dann die weiteren Monate mit Beiträgen zur AV hinzu.

        Danke und VG. So wird ein Schuh draus 🙂

    • Selbst im Extremfall (Anspruch auf 24 Monate ALG nach 48 Monaten Versicherungspflicht) blieben doch auch nach einem Dispojahr (12 Monate) die vollen 48 Monate „innerhalb der um drei Jahre erweiterten Rahmenfrist“ (60 Monate) (§147 SGB III Abs 1, Satz 1).
      Warum sollte da also was gekürzt werden?

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