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Kap. 1.2: Was bisher geschah – Studium und Beruf — 9 Kommentare

  1. Diese „Zweifel“, „ob mir nicht durch den Beruf der wichtigere und interessantere Teil des Lebens – nämlich der außerhalb der beruflichen Tätigkeit – vorenthalten wird“ sitzen bei mir fest im Kopf.

    Da bis zu meiner Altersteilzeit noch einige Jahrzehnte vergehen dürfen, habe ich einen anderen Weg gewählt – 4-Tages-Woche. Ich habe Mittwochs frei. Bei Bedarf kann ich natürlich Mittwoch gegen Freitag oder Montag tauschen, was insbesondere bei Brückentagen Sinn macht.

    Das Gehalt ist um 1/5 reduziert, Netto macht das noch weniger aus. Aber ich kann die Zeit mit meiner Frau verbringen, mit meinen Kindern, bin ehrenamtlich tätig, kann mir nebenbei kleinere Projekte erlauben.
    Sprich ich lebe schon Finanzielle Unabhängigkeit in Teilzeit. Die fehlenden ein paar hundert Euro bereue ich nicht im Geringsten.
    Dadurch wird der Weg zur Vollzeit-„Finanziellen Unabhängigkeit“ etwas länger. Dafür aber viel angenehmer – ich habe viel mehr von meinem Leben in jungeren Jahren.

  2. @Andi7: Deine Entscheidung, eine 4-Tages-Woche zu wählen, kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich kenne die 3-oder-4-Tages-Woche aus einer Phase der Kurzarbeit in den letzten Jahren meiner Berufstätigkeit. Ich habe diese 1 oder 2 Tage in der Woche immer sehr genossen. Und dabei gab es ja auch noch Kurzarbeitergeld, so dass sich die Einbußen in Grenzen hielten. Eine schöne Zeit (für manche Kollegen allerdings nicht – das sollte man dazu sagen).

    Meine Arbeitszeit hatte ich da schon seit einigen Jahren aus eigenem Antrieb von vorher 40Std. auf dann 35Std./Woche reduziert (bei entsprechendem Gehaltsverzicht). Auch das war eine sehr gute Entscheidung.

    Dazu noch eine nette Anekdote: Damals war ich noch ledig und für überschlägige Rechnungen hatte ich einen Spitzensteuersatz von ca. 50% (inkl. KSt./Soli) fest in meinem Hirn. Und so war ich es gewohnt, von einer Gehaltserhöhung von sagen wir mal 4% Brutto maximal 2% Netto übrig zu halten.
    Und so habe ich dann auch im Vorfeld gerechnet: Eine Reduzierung von 40 Std. auf 35 Std. entspricht 12,5%. Wird mein Brutto-Gehalt also um 12,5% reduziert, verliere ich ungefähr 6% vom meinem Nettogehalt. Sechs Prozent Verlust für jeden Tag eine Stunde früher zu Hause – da musste ich nicht mehr länger nachdenken.

    Hätte ich vielleicht mal besser machen sollen, denn die Überraschung kam mit der ersten Gehaltsabrechnung:
    Soo geht die Prozentrechnung nämlich nicht! Wer auf 12,5% vom Brutto verzichtet, hat auch (in etwa) 12,5% weniger Netto-Gehalt.
    Das musste ich aber erst 5mal nachrechnen. In diesem Falle war meine anfängliche Milchmädchen-Rechnung tatsächlich eine solche.

    Aber bereut habe ich das trotzdem nicht.

  3. Hallo Privatier
    Andi wird das wohl nicht mehr mitlesen, der Beitrag liegt ja schon Jahre zurück – aber das Thema Arbeitszeitreduzierung und die Besteuerung in Deutschland ist ein hochaktuelles poitisches Thema.
    (siehe auch gerade von heute: https://www.welt.de/wirtschaft/article173902739/Hochqualifizierte-Warum-viele-Deutsche-ihren-Job-an-den-Nagel-haengen.html.
    Viele Gutverdiener in Deutschland reduzieren ihre Arbeitszeit, manche wandern gleich aus, weil sie sich steuerlich ungerecht behandelt fühlen.
    Eine Reduktion oder gleich der vorzeitige Ausstieg ist kann dann auch als persönliche Steuerreform angesehen werden.
    Um nicht falsch verstanden zu werden. Ich bin sehr für das Sozialstaatsmodell und halte z.B. die private Krankenvollversicherung für einen Fehler. Allerdings hat die Belastung in Deutschland ein Niveau erreicht, das für viele angestellte Gutverdiener eine zusätzliches Argument für den Ausstieg liefert. Es wird sich wohl auch mit der „GroKo“ nichts verbesseren, eher im Gegenteil.
    In meinem Fall, ähnlich wie es auch der Privatier erzählt hat, ist aber eine Reduktion unter 35 Stunden kaum machbar.

    • Na dann hoffe ich mal, dass es keine Massenbewegung der gut verdienenden Boomer Generation wird. Ansonsten befürchte ich sehr schnell eine politische Reaktion,die Steuertöpfe und Sozialkassen müssen schließlich gefüllt werden.

      • Die Massenbewegung der gut verdienenden Boomer-Generation ist bereits seit mehreren Jahren im Gange. Die Daten werden de facto von der Regierung verschleiert, aber der Abgang z.B. in Richtung Schweiz ist gewaltig.

    • Nun habe ich den verlinkten Beitrag der WELT auch nicht lesen können, aber ich möchte doch kurz etwas klarstellen:

      Ich habe meinen Job nicht an den Nagel gehängt, weil ich mich ausgebeutet gefühlt habe!
      Denn das würde ja im Umkehrschluss bedeuten, bei weniger Abgaben wäre ich gerne noch länger geblieben. Nein – das war bei mir nicht der Fall.

      Bei mir war und ist es einfach so, dass ich der Meinung bin, dass meine Lebenszeit unbezahlbar ist und da kommt es mir nicht darauf an, ob ich 10% oder 20% mehr oder weniger Steuern bezahle. Was auf der anderen Seite aber wiederum nicht bedeutet, dass ich nicht trotzdem versuche, die Abgabenlast möglichst gering zu halten.
      Aber das sind eben aus meiner Sicht „zwei Paar Schuhe“. 😉

      Gruß, Der Privatier

    • Hallo Robert und Hallo Privatier,

      ich lese immer noch mit, auch wenn „der Beitrag ja schon Jahre zurückliegt“!
      Allerdings melde ich mich letzte Zeit kaum. Denn es gibt inzwischen viele Blogs. Viele Diskussionen. Man kann nicht überall mitmachen. Mit der Zeit will man auch nicht mehr.
      Jeder findet seinen Weg. Ich präferiere Immobilien. Wenn alles wie bisher läuft, bleiben mir noch 6 Jahre bis zum Ziel (Finanzielle Freiheit). Und ich wäre immer noch unter 50.

      Die Erfahrung mit „größten Mühen und Anstrengungen“ wurde auch mir nicht erspart. Man wundert sich wie leicht ein Unternehmen einen Mitarbeiter nach 14 Dienstjahren gehen lässt. Dabei ist Knowhow fast das einzige, was in unserer Branche bzw. insbesondere in alter Firma zählt.

      Da ich von meinem Angestellten-Job wirklich ausgelaugt bin, werde ich wahrscheinlich echter Privatier (keine Jobs mehr).

      Die 4-Tages-Woche hat sich gut bewährt. Bei neuem Arbeitgeber gab es zunächst lange Gesichter, als ich Teilzeit erwähnt habe. Sobald aber geklärt war, dass es sich dabei lediglich um 4-Tage-Woche geht, waren alle erleichtert.

      Auch in der neuen Firma habe ich schon einen Nachahmer gewonnen. Ein Stück Freiheit ohne viel Verzicht gibt dem Leben einen neuen Schwung.

      Gruß, Andi7

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