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Mehr Arbeitslosengeld durch Steuerklassenwechsel — 24 Kommentare

  1. Hallo Herr Ranning,

    kurz vor Ende meines Aufhebungsvertrags wurde ich (62/M) langfristig krank.

    Die Krankenkasse zahlt Krankengeld.

    Ich bekomme im Jan/Febr 2019 eine Reha.

    Jedoch läuft mein Krankengeld Ende Dezember 2018 aus.

    Wie geht die Arbeitsagentur mit dem Einkommen aus Krankengeld um bei der Berechnung meines Arbeitslosengeld?

    Vielen Dank

    • Bei der Überprüfung, ob und wie lange ein Anspruch auf ALG1 besteht, werden die Zeiten von Krankengeld ebenfalls berücksichtigt.
      Bei der Berechnung der Höhe des ALG1 werden allerdings nur Zeiten mit Arbeitsentgelt berücksichtigt. Sind dies in den 12 Monaten vor ALG-Beginn weniger als 150 Tage, werden die letzten 24 Monate herangezogen. Sind es dann immer noch weniger als 150 Tage, erfolgt eine fiktive Einstufung, die sich dann nicht mehr nach dem letzten Gehalt, sondern nach der Ausbildung richtet (ist in der Regel weniger).

      Gruß, Der Privater

      • Hallo Herr Ranning,

        ich bedanke mich für die Auskunft.

        Bei voll ausgeschöpftem Krankengeld, also 78 Wochen, ist die Zeit vor ALG folglich null?

        Also ist es damit obsolet geworden, dass ich mehrere Jahrzehnte weit über der Beitragsbemessungsgrenze verdient habe?

        Das wäre ja bitter, wenn ich es so richtig verstanden habe.

        Danke sehr

        • „Bei voll ausgeschöpftem Krankengeld, also 78 Wochen, ist die Zeit vor ALG folglich null?“

          Ich bin ja im Kopfrechnen etwas schwach… 😉 Darum rechnen Sie das besser einmal selber aus! Oder sehen einmal in Ihren Gehaltsabrechnungen nach.
          Es müssten in den zwei Jahren vor ALG-Beginn mind. 150 Tage mit Arbeitsentgelt zusammenkommen.

          Und eine fiktive Einstufung bedeutet übrigens nicht, dass es nichts gibt, es ist nur in den meisten Fällen weniger, als wenn das letzte Gehalt zugrunde gelegt wird.

          Gruß, Der Privatier

        • @ Carlo Cantina
          „Also ist es damit obsolet geworden, dass ich mehrere Jahrzehnte weit über der Beitragsbemessungsgrenze verdient habe?“
          Aehem…ja, und zwar unabhängig davon, ob Du die 150 Tage erreichst, was ich Dir wuensche, ebenso wie eine baldige, vollständige Genesung.
          Zählen doch für die Höhe des Alg1 nur die GEZAHLTEN Beiträge BIS zur BBG.

          Gruesse
          ratatosk

  2. Ich werde ab 01.04.2019 ALG 1 beziehen (Dispojahr endet am 31.03.2019, Ende Arbeitsverhältnis war am 31.03.2018). Mein Mann wurde Rentner während meines Dispojahrs am 01.06.2018. Wir haben beide Steuerklasse 4, trotz stark voneinander abweichender Einkommen (Abfindung auch mit 4)
    1. Macht es Sinn daß zum
    01.01.2019 die Steuerklassen in 5 : 3 ändern, damit ich bei ALG-1 Bezug die Steuerklasse 3 habe?
    1. Ist der Wechsel jetzt für 2019 problemlos möglich beim Finanzamt? Wie wäre hier die Vorgehensweise, persönlich vor Ort oder durch Antrag Steuerklassenänderung per Post? Wäre sonst noch etwas zu beachten?
    Vielen Dank vorab und Grüße Maria

    • Ja, das macht auf jeden Fall Sinn und trifft genau den Sachverhalt, den ich oben im Beitrag beschrieben habe.
      Ob Sie nun persönlich zum Finanzamt gehen, oder dies per Post erledigen, ist dann Geschmacksache. Sie werden in beiden Fällen ein amtliches Formular ausfüllen müssen, welches beide Ehepartner unterschreiben müssen. Die Wirkung tritt immer im Folgemonat nach Antragstellung ein. Anfang Dez. reicht also für den gewünschten Wechsel ab 2019.

      Sonst noch zu beachten ist, dass Sie eventuell damit rechnen müssen, dass Sie für 2018 (und 2019) eine Steuernachzahlung zu erwarten haben. Dies hat dann aber nichts mit der Stuerklassenänderung zu tun, sondern liegt einfach daran, dass Ihr Mann Rentner ist und Renten zwar steuerpflichtig sind, die Steuern aber nicht einbehalten werden. Dies ist aber erst ab einer gewissen Höhe der Fall, ist in solchen völlig normal und hat (noch einmal!) nichts mit der Steuerklassenänderung zu tun.

      Gruß, Der Privatier

  3. Hallo Herr Ranning,

    meines Wissens nach wird das Arbeitslosengeld bei einer gemeinsamen Steuerklärung als zusätzliches Einkommen gewertet und muss wie Einnahmen aus Vermietung versteuert werden. Deshalb wird empfohlen zu prüfen, ob Eheleute für das Jahr der Arbeitslosigkeit nicht besser getrennte Steuererklärungen abgeben. Wissen Sie hierzu näheres? Vielen Dank für Ihre Antwort.

    Mit freundlichen Grüßen Isabell

  4. Guten Abend Herr Ranning, ich habe von meinem Dispositionsrecht Gebrauch gemacht (gekündigt zum 1.5.18, dann auf den 1.1.2019 gelegt). Nun habe ich vergessen, den Wechsel der Steuerklasse (ursprünglich 3/5, aktuell seit Juli/18 5/3) wieder rückgängig zu machen und würde nun weniger Arbeitslosengeld bekommen. Einen Antrag auf Arbeitslosengeld (ALG) habe ich noch nicht gestellt. Nun könnte ich den Steuerklassenwechsel noch schnell beantragen (also gültig ab 1/Feb/19) und dann würde ich den Antrag auf ALG mit der neuen Steuerklasse 3 stellen (zB am 2.Feb.2019) – wäre das möglich?
    Bzw. kann man das Dispositionsrecht verlängern (hatte mich letzte Woche zum 1.1.19 arbeitslos gemeldet, also z.B. bis 1/Feb oder 1/Mar/19?)? Ich hatte zwar Ihren Blog gelesen, und gehe davon aus, dass es bis zu diesem Zeitpunkt möglich sein sollte, aber bin mir halt nicht ganz sicher? Mein Gedanke war, über die AFA einen neuen Beratungstermin der Leistungsstelle zu beantragen und den Beamten dort mitzuteilen, dass ich erst zum 1.2. bzw. 1.3. arbeitslos sein möchte (also auch meine aktuelle Arbeitslosenmeldung zu ‚widerrufen‘ und dann halt noch einmal das entsprechendes Formular auszufüllen?

    • Hallo Knut,

      Sie könnten durchaus versuchen, den Start Ihres ALG-Bezuges noch zu verschieben. Solange Sie den Antrag noch nicht abgegeben haben, kann ja auch noch nichts entschieden worden sein. Allerdings ist so eine Änderung sicher mit einigen Diskussionen, Rückfragen, Erklärungen verbunden und stösst sicher nicht gerade auf große Begeisterung bei den Agentur-Mitarbeitern.

      Aber, das Wichtigste: Es wird Ihnen nichts helfen! Denn die Agentur verwendet als Berechnungsgrundlage immer die Steuerklasse, die zu Beginn des Jahres gültig war!
      Nachträgliche Änderungen an der Steuerklasse akzeptiert die Agentur nur, wenn sich durch diese Änderung auch OHNE Berücksichtigung des ALG-Bezuges ein Vorteil für die Eheleute ergeben würde (und das ist selten der Fall). Von daher meine Einschätzung: Für dieses Jahr besteht da keine Chance.

      Falls es in Ihren Gesamt-Plan passen sollte, könnten Sie höchstens jetzt in diesem Jahr lediglich den Anspruch schriftlich feststellen lassen (und ggfs. kurze Zeit Leistungen beziehen), dann wieder abmelden und den Hauptteil der Leistungen auf das nächste Jahr verschieben. Ob sich das aber alles lohnt, müssten Sie dann selber überlegen.

      Gruß, Der Privatier

      • Bei meinem ansonsten ganz gut geplanten Übergang ins Privatier-Dasein ist mir die Sache mit der Steuerklasse und dem ALG1 leider durchgerutscht. Wir sind IV/IV und das jetzt gerade vom AA errechnet ALG verwendet natürlich die Steuerklasse IV.
        Allerdings mache ich es ähnlich wie Sie, Herr Ranning, und habe mich sofort wieder abgemeldet und plane, mich erst Anfang/Mitte nächsten Jahres zurückzumelden (Abfindungsversteuerung).
        Stellt sich die Frage, ob wenn ich zum 1.1.2020 auf Steuerklasse III wechsel, das AA nach meiner Rückmeldung das ALG sowieso neu berechnet und dann ungefragt die neue Steuerklasse verwendet?
        Haben Sie oder jemand hier im Forum damit Erfahrung?

        • Moin, No Deadlines
          Naja, „ungefragt“ wohl nicht, schließlich muss dann, auch bei Hinweis auf den „alten“ Anspruch ein neuer Leistungsantrag gestellt werden.
          Dabei wird dann auch nach der Stkl.(von Anfang des Jahres) gefragt.
          Also den Stkl.-Wechsel zum 01.01.20 nicht zu „knapp“ beantragen und durch FA vorab bestätigen lassen (ELstam-Ausdruck).
          Dann hat man eben auch schon einen Nachweis fuer den neuen Leistungsantrag, wenn’s denn der 01.01.20 als 1.Tag der AL sein soll.

          Gruesse
          ratatosk

        • Wie ratatosk schon geschrieben hat: In 2020 ist ein neuer ALG-Antrag erforderlich. Dort sollte sowohl der Hinweis auf den bestehenden Alt-Anspruch, als auch die dann gültige Steuerklasse nicht fehlen.
          Und dann habe ich keine Zweifel, dass das ALG entsprechend neu berechnet wird.

          Anmerkung: „neu berechnet“ heisst in solchen Fällen immer: Das im alten Anspruch festgestellte Bemessungsentgelt bleibt unverändert! Ein inzwischen höheres Alter hat also keine Wirkung.
          Aber die Umrechnung des Bemessungsentgeltes in das am Ende auszuzahlende Leistungsentgelt wird neu durchgeführt. Und dabei spielen dann solche Dinge wie Lohnsteuerklasse und Anzahl der Kinder eine Rolle.

          Gruß, Der Privatier

          • Wenn ich explizit auf die neue Steuerklasse hinweise, wird dann nicht möglicherweise unterstellt, dass ich sie nur zur ALG Maximierung gewechselt hätte? Wird bei Neuberechnung die Steuerklasse nicht automatisch beim Finanzamt abgefragt?
            Viele Dank für Eure Antworten.
            Dieses Forum ist super!

  5. Vielen lieben Dank Herr Ranning!

    Wäre es sinnvoll einen Wechsel in IV anzustreben? Meine Frau könnte diesen ja einfach beantragen und ich sollte dann automatisch entsprechend in IV eingestuft werden?

    Nochmals vielen Dank.

    Knut

    • Ich kann nur noch einmal wiederholen, was ich bereits oben im Beitrag geschrieben habe:
      „Nachträgliche Änderungen der Steuerklasse sind meistens ein Problem, denn die Arbeitsagentur muss diese nur dann anerkennen, wenn die Änderung „zweckmäßig“ ist. Und „zweckmäßig“ ist ein Steuerklassenwechsel dann, wenn er zum geringstmöglichen gemeinsamen Steuerabzug führt. Das ist allerdings oftmals nicht der Fall“

      Nachlesen können Sie diese Regeln übrigens auch im Merkblatt der Agentur für Arbeit: „Merkblatt für Arbeitslose“ . Dort hauptsächlich das Kapitel 4.2 (ab Seite 47).

      In diesem Merkblatt wird auch noch einmal auf eine erforderliche Beratung durch die Agentur hingewiesen. Vielleicht sollten Sie diese in Anspruch nehmen…

      Gruß, Der Privatier
      P.S.: Ob die oben als Bedingung genannte „Zweckmäßigkeit“ gegeben ist, kann man nur anhand konkreter Zahlen feststellen. Die von „Behrendt“ weiter unten genannte Kombination IV/IV mit Faktor ist aber tatsächlich meistens die Kombination mit den geringsten Abzügen.

  6. Guten Abend, ein Wechsel in die Steuerklasse 4 Faktor müsste m.E. möglich sein und darf vom Arbeitsamt nicht abgelehnt werden. Ist zwar nicht so günstig wie 3, aber besser als 5. Viele grüße Isabell

  7. @ No Deadlines
    Sehen wir’s doch einfach mal vom praktischen Ablauf:
    Du moechtest ab dem 01.01.2020 Deinen Anspruch auf Alg1 (wieder) geltend machen.
    Dabei soll die Agentur die Stkl. berücksichtigen, die Du ebenfalls ERST seit dem 01.01.2020 innehaben WIRST.
    Sinnvollerweise wirst Du ja Deinen neuen Leistungsantrag einige Tage vorher stellen ?
    Zu diesem Zeitpunkt gilt fuer Dich aber noch die alte Stkl., also ist es doch ebenfalls sinnvoll, denn bevorstehenden Stkl.-Wechsel gegenüber der Agentur nicht nur anzugeben, sondern auch gleich nachzuweisen.
    Normalerweise dient dazu die Arbeitsbescheinigung des Arbeitgebers, was Dir aber nichts nuetzt, jedenfalls nicht in Bezug auf die Stkl..
    Wenn Du also die neue Stkl. berücksichtigt haben willst, wirst Du auch „explizit“ darauf hinweisen müssen…
    Ich kenne jetzt zwar nicht Deine Agentur und kann auch nicht sagen, inwieweit die Agentur berechtigt ist,auf Deine ELstam-Daten zuzugreifen, bin mir aber ziemlich sicher, dass MEINE Agentur zunächst von MIR einen Nachweis über Art und Datum des Wechsels verlangen würde.
    Schließlich ist die Agentur dazu da, Dir Arbeit zu verschaffen, nicht umgekehrt:-))
    Darauf, dass irgendetwas „automatisch“ geschieht, wuerde ich mich nicht verlassen wollen.
    Und nur keine Sorge, die Agentur wird schon ganz genau erkennen, was Du mit dem Wechsel bezweckt hast, nur daran „machen“ kann’se nix.
    Ist halt (bei korrekter Durchfuehrung) eine voellig gesetzeskonforme und nicht zu beanstandende Gestaltungsmöglichkeit.

    Gruesse
    ratatosk

  8. Nach kurzfristigem Bezug von ALG1 in 2016 habe ich mich wieder abgemeldet und in 2017 die Abfindung ohne weiteren ALG1-Bezug oder Beschäftigung verbraucht. Die Steuerklasse wurde nach Zahlung der Abfindung 2017 von 3/5 auf 5/3 gewechselt. In 2018 erfolgte erneut eine „arbeitslos“ Meldung. Für mich überraschend wurde automatisch die immer noch gültige Steuerklasse V im neuen Bescheid angewandt und das ALG1 somit gegenüber 2016 um ca. 27% reduziert festgelegt. Nach panikartiger Abmeldung haben wir wieder den Zustand von 2016, also 3/5 hergestellt. Obwohl ich ohne Einkünfte bin wurde dies vom FA ohne Probleme vorgenommen. Nach meiner Erwartung sollte ein erneuter ALG-Antrag die am 01.01.2019 gültige Steuerkl. III berücksichtigen, oder liege ich da falsch?

    Beste Grüße
    Markus

    • Guten Abend, Markus
      Mit Deiner Erwartung liegt Du vollkommen richtig, die Agentur wird die Stkl. berücksichtigen, die zu Anfang 2019 fuer Dich gueltig ist.
      Da dann auch wieder ein neuer Leistungsantrag erforderlich ist, wird man Dich auch unter Frage 5a danach fragen, ebenso, ob die Stkl. evtl. zwischenzeitlich geändert wurde.
      Zu „automatisch“:
      Lt.“ Merkblatt f. Arbeitslose“ Seite 47 werden u.a. Stkl.-Änderungen zumindest „durch andere Stellen“ NICHT automatisch der Agentur mitgeteilt…
      Was natürlich nicht heissen muss, dass ein SB nicht nachfragen kann/darf, bzw. von Dir einen entsprechenden Nachweis fordern „koennte“.

      Gruesse
      ratatosk

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