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Ach was? – Der Poolfaktor — 16 Kommentare

  1. Angenommen ich habe 100.000 EUR Nennwert zum Kurs von 95% gekauft zu einem Zeitpunkt, an dem der Poolfaktor 1 war. Der Emittenten zahlt nun 30% zurück, d.h. der Poolfaktor geht auf 0,7 herunter und ich erhalte 30.000 EUR.
    Was bedeutet das steuerlich? Muss ich einen real. GV von 30.000 – 0.3*95.000 = 1.500 EUR versteuern?
    Wenn später der Rest (70.000) zurückgezahlt wird, wie ist es dann mit dem zu versteuernden GV?

    • Ja. Genau so würde ich das auch rechnen. Eigentlich ganz einfach: Die zurückgezahlten nominell 30.000 sind einmal für 95% gekauft worden. Werden sie jetzt zu 100% zurückgezahlt, ergibt sich ein Gewinn von 30.000 * 5% = 1.500 Euro. Und dieser ist zu versteuern.
      Wenn der Rest zurückgezahlt wird, ist es nicht anders. Was hat es gekostet? 70.000 * 95%. Zurück gibt es (wahrscheinlich) 70.000 * 100%.
      Gewinn ist 70.000 * 5% = 3.500 Euro. Wieder zu versteuern.
      In der Praxis ist es dann immer etwas komplizierter, weil a) die Kosten für Ankauf und ggfs. die Rückgabe zu berücksichtigen sind und b) es u.U. noch Stückzinsen (bei Kauf und Rückgabe) in die Rechnung mit einfließen.
      Trotzdem: Eigentlich eine keine so komplizierte Rechnung, für die aber meine Bank mehrere Anläufe gebraucht hat.

      Gruß, der Privatier

  2. Hallo,ich bin bewusst Risiko gegangen, 1000 St. einer Argentinien-Anleihe zu kaufen für 99%, 7,8% Kupon, Laufzeit 2005-2033. Von einem Poolfaktor war nichts im Prospekt zu finden. Die Abrechnung war dann wesentlich höher als erwartet, denn darin tauchte dieser Poolfaktor in Höhe von 1,37 auf. statt 990 € betrug der Kaufwert satte 1370 €. Wie muss ich es deuten, dass der Poolfaktor höher als 1 ist? Wurden Kupons nicht ausgezahlt? Was noch viel wichtiger ist, wie erfahre ich den aktuellen Poolfaktor zum Zeitpunkt des Verkaufes?

    • Ich habe selber nie Argentinien-Anleihen besessen, kann also nur von „Hören-Sagen“ berichten. Soviel ich weiß, wurden die Anleihen nach der Staatspleite vor ein paar Jahren umgeschuldet/restrukturiert. Folge: Ein Teil der bis dahin nicht gezahlten Zinsen wurden kapitalisiert, d.h. zum Nennwert addiert. Das Ganze macht man dann über den Poolfaktor.
      Im Prinzip handelt es sich im den umgekehrten Fall, wie oben im Beitrag beschrieben. Dort wurde vorzeitig zurückgezahlt mit dem Ergebnis eines Poolfaktors kleiner 1.
      Bei den Argentinien-Anleihen sind Zahlungen ausgefallen mit dem Ergebnis eines Poolfaktors>1.

      Nach einer zuverlässiggen Quelle, wo man den Poolfaktor vorher erfährt, suche ich auch noch. Kann ich also nicht beantworten.

      Ich muss allerdings sagen, dass mir meine Bank (comdirect) vor dem Kauf immer in etwa die Gesamtbelastung des Kaufes anzeigt. Darin ist dann der Poolfaktor enthalten. Wenn sich bei dieser Summe also unerwartete Abweichungen ergeben, sollte man ggfs. noch einmal genauer recherchieren.

      Gruß, Der Privatier

      • Danke für die schnelle Antwort.
        Die Anleihe (WKN A0DUDG)habe ich bei comdirect geordert. Während und direkt nach Ausführung wurde nur der Kurs von 99% angezeigt und vorläufig der Betrag von etwas mehr als 1000,00 € inkl. Gebühren verbucht. Erst am Folgetag wurde der Poolfaktor in der Abrechnung angezeigt und der neue Gesamtbetrag + Stückzinsen abgebucht. Im Depot habe ich als Kaufpreis 137,51 Euro stehen und als aktuellen Netto-Kurs 98,4%. Das ergibt in der Depot-Anzeige ein vermeintliches Minus von 391,00 €. Der Poolfaktor wird nirgends angezeigt.
        Ich werde dann doch mal bei comdirect anfragen und die Antwort hier posten.
        Gruß kwifte

        • Tatsächlich! Habe es gerade mal ausprobiert. In dem vorläufigen Kaufbetrag ist der hier der Poolfaktor nicht enthalten. War damals bei meinem o.g. Beispiel definitiv anders.

          Dennoch bin ich (fast) sicher, dass deine Abrechnung korrekt ist. Der Poolfaktor ist bei verschiedenen Argentinien-Anleihen vorhanden.

          Gruß, Der Privatier

          • Ich denke auch, dass die Abrechnung stimmt. Aber solch ein Poolfaktor sollte zumindest im Datenblatt der Anleihe angezeigt werden. Als Käufer muss ich vorher den annähernden Investitionsbetrag wissen. Bei den 1000 St. war das kein Problem, das Depotkonto ausreichend gedeckt. Aber wenn man 10.000 oder 20.000 St. ordert, kommt da schon ein ansehnlicher Mehrbetrag zustande.
            Gruß kwifte

  3. Auf meine Mail an comdirect hin habe ich gestern einen Anruf von einem Mitarbeiter erhalten. Nach seiner Aussage entstand der Poolfaktor durch eine Umwandlung der Anleihe vor einigen Jahren und soll bis 31.12.2024 unverändert bei dem jetzigen Wert von ca. 1,37 bleiben. Ich gehe allerdings davon aus, dass ich das Papier nicht so lange halten werde. Dazu ist es mir dann doch zu heiß.
    Gruß kwifte

    • Danke für die Info. Bestätigt in etwa meine o.g. Vermutung.
      Nachteilig ist dieser Poolfaktor ja nicht – wäre halt nur schön, wenn man es vorher wüsste bzw. irgendwo verlässlich nachlesen könnte.
      Ich bin mir zwar (einigermassen) sicher, dass man dies aus den Anleihe- bzw. Umstrukturierungsbedingungen irgendwo heraus lesen kann, aber einfacher wäre eben die simple Angabe des Poolfaktors auf den entsprechenden Börsen-/Handels-Portalen.

      Gruß, Der Privatier

      • Gibt man auf boerse-stuttgart.de die WKN ein, erfährt man auch den Poolfaktor einer Anleihe. Habe dieselbe Erfahrung gemacht wie kwifte, frage mich nun aber, auf welche Summe sich die Zinsen berechnen. Es ist doch ein Unterschied, ob man 7,8% von 1000 (Nominale) oder von 1370 (tatsächlich bezahlter Preis mit Poolfaktor) bekommt. Bekomme ich nun für meine 1370 bezahlten Euro 78 Euro (7,8% von Tausend) Zinsen oder 106,86 (7,8% von 1370)?

        • Ich glaube, auf diese Frage gibt es keine allgemein gültige Antwort. Ich würde daher empfehlen, sich immer erst einmal vor Augen zu führen, wie der Pool-Faktor zustande gekommen ist.

          Wenn wir das Beispiel aus dem obigen Beitrag nehmen (also Teiltilgung von 20%), so heisst das eben, dass der Schuldner bereits 20% der Anleihe zurückgezahlt hat und auf diesen Teil wird er wohl kaum weiterhin Zinsen zahlen wollen (theoretisch alles denkbar, aber unwahrscheinlich). In diesem Falle würde die Formel also lauten:
          Zinszahlung = Nominalwert * Poolfaktor * Kupon

          In anderen Fällen, in denen der Poolfaktor z.B. dadurch zustande gekommen ist, dass fällige Zinszahlungen nicht erfolgt sind und diese stattdessen mittels Poolfaktor kapitalisiert wurden, wird der Schuldner in der Regel weiterhin nur auf den ursprünglichen Nominalbetrag Zinsen zahlen, nicht jedoch zusätzlich auf die aufgelaufenen Zinsen. Hier müsste mal daher rechnen:
          Zinszahlung = Nominalwert * Kupon

          In der Praxis sind aber durchaus weitere Konstellationen denkbar. Bei den Argentinien Anleihen war ja wohl auch ein Schuldenschnitt und Umwandlung alte/neue Anleihen involviert. In solchen Fällen müsste man sich jeweils die Vereinbarungen genau ansehen, was dort im Einzelnen vorgesehen ist. Ein konkrete Aussage kann ich hier nicht machen, da ich die Anleihen nicht selber verfolgt habe.
          Vielleicht gibt es andere Kommentatoren, die aus eigener Erfahrung berichten können?

          Gruß, Der Privatier

    • Ganz herzlichen Dank!

      Wenn es so wäre, wäre das toll. Leider kenne ich aktuell nur eine Anleihe, die mit Poolfaktor berechnet wird, nämlich A1ZJZB (3W Power). Dort steht aber leider nichts bei den Besonderheiten. 🙁

      Gruß, Der Privatier

        • Ich habe mir die A1ZJZB mal näher angeschaut:
          Briefkurs 3.25 %, Nominal 500, fällig 29.8.2019.
          Heißt das, wenn ich nominal 1000 kaufe, kostet mich das 6.50 + Stückzinsen + Spesen (auch 6.50 bei onvista-Bank), und in 1.5 Jahren werden 1000 zurückgezahlt? Kann ich gar nicht glauben.
          Aber hier genau wäre der Pool-Faktor interessant…

          Der Emittent 3W Power S.A. ist ja auch ein echter Penny Stock: 0,0158 EUR nach https://www.finanzen.net/aktien/3W_Power-Aktie

          In der Ad-hoc-Meldung vom 25.1.2018 steht, dass die Gläubigerversammlung der Anleihe dem Restrukturierungskonzept mehrheitlich zugestimmt hat, aber nicht, was in dem Konzept steht…
          Weitere Suche: „Der Schuldenschnitt / Verlust ist sogar gestaffelt: 99% für Anleihegläubiger, 99,9% für Wandelanleihegläubiger und 100% für EK-Geber.“
          http://forum.finanzen.net/forum/Sind_andere_damit_nicht_bereits_durchgekommen-t503469?search=3w%20power&pnr=23912006#pst_23912006

        • Ich würde die 3W Power Anleihe mal lieber ganz schnell vergessen. Ich habe die vor einiger Zeit mal gehabt, aber auch schon länger wieder verkauft (mit Verlust).

          Ich habe deshalb die letzten Entwicklungen nicht mehr so im Detail verfolgt, aber wie Du schon geschrieben hast, gab es da wohl einen Schuldenschnitt von 99% (oder so ähnlich). Der Rest wird irgendwann in Aktien getauscht, die dann aber von der Börse genommen werden. Irgendwas in dieser Richtung. Wie gesagt: Nicht mehr so genau verfolgt.

          Wenn Du etwas lernen willst (und solche Fälle haben ja einen gewissen Unterhaltungswert) findest Du die relevanten Informationen (fast) immer auf den Homepages der entsprechenden Unternehmen. Also in diesem Fall z.B. da Restruktuierungskonzept, dem die Gläubiger zugestimmt haben.

          Gruß, Der Privatier
          P.S.: Der Pool-Faktor ist der Restrukturierung wahrscheinlich auch zum Opfer gefallen.

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