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Endgültige Ausfälle von Kapitalforderungen kein steuerlicher Verlust — 10 Kommentare

  1. Vielen Dank an den Privatier.
    Es steckt aber noch eine weitere Verschlechterung drin.

    > Kapitalertragsteuerabzug bei Kapitalanlage über eine Internet-Dienstleistungsplattform
    Der neue § 43 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 Buchst c EStG-E soll regeln, dass die Einkommensteuer auf Zinsen auch dann durch Abzug vom Kapitalertrag erhoben wird, wenn die Zinsen aus einer Forderung stammen, die über eine Internet-Dienstleistungsplattform erworben wurde (z.B. Crowdlending). Ergänzend hierzu soll nach § 44 Abs. 1 Satz 4 Nr. 1c EStG-E der inländische Betreiber einer Internet-Dienstleistungsplattform oder die inländische Zweigniederlassung eines ausländischen Betreibers die für den Kapitalertragsteuereinbehalt verantwortliche auszahlende Stelle sein.

    Folge:
    Beim Crowfunding haben es die Anbieter bisher unterschiedlich gehandhabt, ob Sie sofort KapSteuer/Soli/Kirche abgezogen haben oder nicht.
    So haben z.B. Bergfürst (tlw.), Exporo, iFunded, Zinsbaustein brutto für netto ausbezahlt (= Liquiditätsvorteil), andere aber mit Abzug, z.B. Bergfürst (tlw.), ZINSLAND.
    Bei brutto für netto waren halt dann die entsprechenden Eintragungen in der Anlage KAP der Steuererklärung zu machen.
    Wer ein wenig mehr anzulegen hat, kommt bei Diversifikation um die Anlage KAP ohnehin nicht rum.
    Für Banken aus der EU, die in D nur eine Betriebsstelle unterhalten (dafür braucht man keine BaFin-Genehmigung) oder z.B. über Weltsparen laufen gilt letztlich das gleiche.

    • Das ist eine weitere Änderung – richtig. Aber dass es eine „Verschlechterung“ sein soll, kann ich zumindest für mich selber nicht erkennen. Gut, man hat bisher bei den Plattformen, die keine Abgeltungssteuer abführen, einen gewissen Liquiditätsvorteil. Das hält sich aber doch arg in Grenzen und ist für mich persönlich zumindest kein entscheidender Faktor.

      Trotzdem Danke für den Hinweis. Es ist gut zu wissen, dass sich in diesem Bereich auch etwas ändern wird.

      Gruß, Der Privatier

  2. Ich halte es in der Bewertung mit Peters letztem Absatz. Wenn ich Kapital mit Gewinnerzielungsabsicht anlege und den Gewinn versteuern muss, dann sollte ein (Total-)Verlust selbstverständlich absetzbar (und verrechenbar) sein. Für mich ist das Kirschenpickerei: wenn es gut läuft bekommt der Staat die Steuer, wenn es schlecht läuft bleibt der Betreffende auf dem Schaden sitzen. Ist bei Gewerbeneugründung genauso: bei Erfolg Steuerlast, bei Misserfolg Rückforderung der Steuervorteile.

    • Aber grundsätzlich kann man ja bei Kapitaleinkünften Verluste mit Gewinnen verrechnen. Das ist ja nicht das Problem und das ist auch in Ordnung so.

      Ich kann nur nicht nachvollziehen, warum es einen (gravierenden!) Unterschied zwischen einem Verlust von z.B. 99% und einem von 100% geben soll. Das ist unlogisch, nicht systemkonform und meiner Meinung nach auch auf lange Sicht nicht haltbar.

      Gruß, Der Privatier

      • Natürlich ist das unlogisch und eigentlich nicht haltbar. Bei Optionen auch noch aus einem anderen Grund: Wenn ich eine Option halte (long) und die verfällt wertlos, soll der Totalverlust steuerlich unbeachtlich sein. Wenn ich dieselbe Option aber als Stillhalter short bin, sollte ich den gesamten Gewinn versteuern.

        Als das vor einigen Jahren noch so war, habe ich in der Steuererklärung die verfallenen Stillhalterpositionen brav separat angeführt (in einer Anlage), dann den Passus mit der steuerlichen Unbeachtlichkeit zitiert und sie nicht zu den Einkünften addiert. Das liebe FA hat mir Recht gegeben …

        • DAS finde ich allerdings mehr als erstaunlich! Denn es war auch in der Vergangenheit immer so, dass zwar der Verfall einer Option strittig war (steuerlich relevant oder nicht), aber die Einkünfte aus dem Verkauf bei der Eröffnung einer Stillhalterposition immer steuerpflichtig waren!

          Für mich kann die oben beschriebene Erfahrung nur bedeuten, dass die Steuererklärung entweder gar nicht geprüft wurde oder die Zusammenhänge nicht verstanden worden sind. Letzteres halte ich für durchaus denkbar, denn Stillhaltergeschäft mit Optionen gehören sicher nicht zum Alltagsgeschäft eines Finanzbeamten.

          Gruß, Der Privatier

  3. ACHTUNG – Wichtiger Hinweis:

    Am 7.Nov.2019 hat der Bundestag das Jahressteuergesetz 2019 verabschiedet. Der Bundesrat muss zwar noch zustimmen, ich gehe aber davon, dass der entscheidende Punkt nicht mehr verändert wird.

    Und der entscheidenden Punkt ist (ÜBERRASCHUNG 🙂 ):
    Die oben im Beitrag beschriebene Ergänzung des §20 Abs.2 EStG, mit der im ursprünglichen Entwurf zukünftig geregelt werden sollte, dass Verluste durch den Ausfall einer Kapitalforderung oder durch die Ausbuchung einer wertlosen Aktie steuerlich unbeachtlich sein sollten, ist nicht mehr enthalten! 🙂

    Wer dies einmal genau nachlesen möchte, kann dies im „Gesetz zur weiteren steuerlichen Förderung der Elektromobilität und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften“ einmal selber überprüfen. Insbesondere hier auf Seite 36 unter Pkt.11:
    „§ 20 Absatz 2 wird wie folgt geändert:“ Entfällt!

    Das ist eine sehr gute Nachricht für alle, die ohnehin schon unter Verlusten aus den unterschiedlichsten Bereichen leiden, sei es bei „normalen“ Anleihen, Crowdinvesting oder Optionsgeschäften.

    Ggfs. werde ich noch einmal gesondert auf diese Neuigkeit eingehen. Dieser Hinweis ist erst einmal als „Eilmeldung“ gedacht.

    Gruß, Der Privatier

      • Naja, FAZ.NET,
        so langsam faellt es mir wirklich schwer, noch irgendeinen logischen Zusammenhang in den steuerlichen Regelungen zu erkennen.
        Ich bin ja,gezwungenermaßen ungern bereit auf GEWINNE Steuern zu zahlen….
        Aber nicht auf Umsaetze…
        Vielleicht ist die Methode „Gurkenglas“, zumindest für den Grundbedarf doch nicht so verkehrt.
        Um jetzt noch polemischer zu werden, ich kann nicht anders…:

        Regulieren, rationieren, sanktionieren, liquidieren…

        Kopfschuettelnde Gruesse
        ratatosk

      • Ja, den Beitrag von FAZ.net habe ich auch gelesen. Habe ich allerdings hier nicht geteilt, weil mir einige wichtige Informationen gefehlt haben. So fehlt mir in erster Linie eine offizielle Quelle und ohne diese kann ich schlecht einordnen, ob es sich hier um eine Stammtischidee eines SPD-Ortsverbandes handelt oder um eine Gesetzesinitiative der Fraktion? Gibt es einen Gesetzes-Entwurf? Für ein neues Gesetz? Oder soll das gerade vom Bundestag beschlossene Jahressteuergesetz gekippt werden? Vermittlugsausschuss? Alles völlig unklar!

        Und inhaltlich? Ja – ich könnte auch damit leben. Weil meine aktuellen Probleme damit gelöst würden. Aber absonsten finde ich die Idee grottenschlecht! Das empfinde so ziemlich als den größten Unfug, den ich in letzter Zeit gelesen habe.

        Man bedenke immer, das jede Sonderregelung immer sofort gravierende rechtliche Bedenken zur Folge hat (Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes). Und davon gibt es hier gleich eine ganze Reihe. Einmal ganz abgesehen von dem Aufwand, den das auslöst: Noch eine weitere Unterscheidung von Einkunftsarten! Überprüfung von Grenzen, Verlustvorträge etc.. Und als Krönung noch eine Überprüfung der Regelung nach zwei Jahren?

        Ich hoffe nur, dass es noch ein paar vernünftige Leute gibt, die das zu verhindern wissen. Wenn es denn überhaupt ernst gemeint ist. Denn falls das ein Gesetz werden sollte, müsste man sich dann mal langsam etwas beeilen. Eigentlich kann es schon aus diesem Grund nichts werden.

        Gruß, Der Privatier

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