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Kap. 3.3.1.1: Hinweise zur Fünftelregel: Grundlegendes — 15 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Ranning,

    ich bin sehr erfreut darüber Ihre Internetseite gefunden zu haben. Einen riesen Dank an dieser Stelle für die Unterstützung die sie für all diese Menschen leisten. Sie gehören für mich zu jenen, die man Hoffnungsschimmer nennt.

    Leider bin ich ein wenig spät auf Ihre Seite gestoßen, nachdem ich mehr als ein halbes Jahr dutzende Internetseite besucht, und die unterschiedlchen Instanzen hoch und runter kontaktiert habe.

    Ich schildere Ihnen meinen Fall, und frage mich ob ich richtig damit liege, dass es eine Herausforderungen deluxe ist.

    Ich wurde nach 17 Jahre Beschäftigung sechs Monate freigestellt und bin zum 28.2.18 gekündigt. Die Abfindung die im Aufhebungsvertrgag vereinbart worden ist wurde Ende Januar 2018 ausbezahlt. Nach Unterzeichnung meinens Aufhebungsvertrages wurde ich schwanger. Unser Baby kommt Anfang Mai auf die Welt. Ich wurde vom Arbeitsamt nicht gesperrt, da es hierfür gute Gründe gab. Ein Lob an dieser Stelle ans Arbeitsamt. Da ich Teilzeit beschäftigt bin, hat man mir die Anrechnungstage von 30 Tage auf 20 Tage runtergeschraubt, wogegegen ich Einspruch eingereicht habe.
    Nun, ich bekomme auch wenn wirklich wenig ab dem 1.März Arbeitslosengeld, bin auch Krankenverischert etc. Mein Mutterschutz beginnt ca. Mitte März und ab Mai würde ich Elterngeld beziehen.
    Wie verhält sich das Ganze nun?
    a) Kann ich ab 15. März pausieren? Und dann nächstes Jahr in der gesamt errechneten Höhe den Rest-Anspruch auf Arbeitslosengeld weiter beziehen?
    b) Werden in der Einkommenssteuererklärung 2018 Mutterschaftgeld,Elterngeld und Arbeitslosengeld als Einkommen berechnet?

    MIr wurden von meinem Arbeitgeber bereits ca. 20% von der Abfindung als Lohnsteuer abgezogen. Die Fünftelregelung kann ich anwenden, da mein Einkommen dieses Jahr incl. Abfidnung höher liegt als letztes Jahr.

    • „Sie gehören für mich zu jenen, die man Hoffnungsschimmer nennt.“

      Leider gehöre ich in diesem Falle zu jenen, die keinen Schimmer haben… 😉

      Im Ernst: Die ganze Thematik rund um Mutterschaftsgeld und Elterngeld habe ich mir nie angesehen und das lässt sich auch nicht „mal eben“ in fünf Minuten nachgucken.

      Ich könnte jetzt hier ein paar Vermutungen aufstellen, aber das halte ich für wenig sinnvoll. Unabhängig davon kann ich aber dennoch ihre Fragen beantworten:

      Zu a) Sie können sich jederzeit aus der Arbeitslosigkeit abmelden und diese dann später wieder anmelden (innerhalb von vier Jahren). Allerdings werden Sie während dieser Zeit dann auch auf die bereits erwähnten Vorteile verzichten müssen (KV/PV, RV). Ich fürchte, dass das Mutterschaftgeld auch an den Status: „Beruftstätig oder Arbeitslos“ gebunden ist..

      Zu b) Mutterschaftgeld, Elterngeld und Arbeitslosengeld zählen zu den sog. Lohnersatzleistungen und sind zwar selber steuerfrei. Sie erhöhen aber über den Progresssionsvorbehalt den Steuersatz.

      Mutterschaftsgeld ist ja (soweit ich weiß) eine Leistung der Krankenkasse. Fragen Sie doch einfach dort einmal nach, ob die Zahlungen auch weiter erfolgen, wenn Sie nicht mehr arbeitslos gemeldet sind.

      Gruß, Der Privatier

  2. Hallo,

    ich verstehe es so, dass die Bruttoabfindung im Jahr der Abfindungszahlung über dem Bruttoeinkommen des Vorjahres liegen muss, z.B. Gehalt + Mieteinnahmen + Kapitalerträge etc., damit die Fünftelregelung greift. Beispiel: Einnahmen im Vorjahr der Abfindung: 100k€. Abfindung im Folgejahr: 105 k€ -> Fünftelregelung greift.
    Wären es 95k€, so würde Fünftelregelung nicht greifen. Ist das korrekt ?

    Wie verhält es sich, wenn nun im Jahr der Abfindung von der Abfindungszahlung sagen wir 30 T€ in die Rürup-Rente eingezahlt wird, dann müsste ja dieser Betrag zur Berechnung der Fünftelregelung von der Bruttoabfindung abgezogen werden.
    Beispiel: wie oben. Abfindung 105 k€ – 30k€ = 75 k€. Greift nun die Fünftelregelung, weil die 105 k€ höher sind als die 100k€ im Vorjahr oder zählen die 70 k€ und die
    Fünftelregelung greift nicht ?

    • Die Fünftelregel kann auch angewandt werden, wenn höhere Sonderausgaben das zu versteuernde Einkommen reduzieren. Das ist kein Problem.
      Erklärung: Umgangssprachlich werden die Begriffe „Einnahmen“, „Einkünfte“ und „Einkommen“ meistens nicht streng getrennt (so auch z.B. in obiger Frage). Im Steuerrecht besteht da aber in großer Unterschied!
      Und bei der Fünftelregel geht es aber um eine Zusammenballung der Einkünfte, hier im Beispiel also um die Zusammenballung der Einkünfte aus nicht selbständiger Arbeit.
      Das zu versteuernde Einkommen (welches sich nach Abzug der Sonderausgaben ergibt) spielt dabei keine Rolle.

      Gruß, Der Privatier

  3. Hallo,
    Top Seite, besser geht es nicht!
    Frage: Wenn die Fünftelregelung angewandt wird, führt der Arbeitgeber bereits nach der Fünftelregelung die Versteuerung durch oder muss ich das Geld beim Finanzamt über die Einkommensteuererklärung wieder zurückholen?

    Thomas

  4. Hallo zusammen!
    Der AG hat bei mir die Fünftelregelung angewendet. Die Kriterien für die Zusammenballung der Einkünfte habe ich verstanden. Jetzt wollte ich nur noch mal sicher gehen, dass es nicht irgendeinen Mindestbetrag gibt, um den die Abfindung bzw. die Einkünfte im Folgejahr höher sein müssen als im Vorjahr. Da habe ich einfach mal bei meinem FA angerufen….ha ha!!! Ich glaube, ich könnte da locker arbeiten! Die Dame hatte null Ahnung und hat das auch zugegeben! Sie „glaubt“ nicht an einen Mindestbetrag, aber ganz ehrlich, da hätte ich auch beim Friseur nachfragen können! Hat jemand womöglich schon mal die leidige Erfahrung gemacht, dass die Anwendung der Fünftelregelung vom FA abgelehnt wurde, aufgrund der Tatsache, dass die Überschreitung der Vorjahreseinkünfte nicht hoch genug war? Denn jetzt könnte ich das noch steuern mit der Abmeldung von ALG I. Vielen Dank für eine Rückmeldung! VG Patrick

    • Ich „glaube“ auch nicht an einen Mindestbetrag. 😀 😀

      Nein, im Ernst: Die Regelung heisst einfach, dass die Einkünfte inkl. Abfindung „höher“ sind müssen, als es bei ungestörter Fortsetzung des Arbeitsverhältisses der Fall gewesen wäre.

      Für den Normalfall sehe ich da auch keine Gefahren. Was natürlich immer zu Diskussionen führen kann, sind Fälle, in denen unregelmäßige Zahlungen (wie Provisionen, Boni u.ä.) eine Rolle spielen. Das führt aber eigentlich regelmäßig zu Diskussionen, nur kann es dann kritisch werden, wenn die Art der Berücksichtung mal zu Unter- oder Überschreitung führt.

      Aber einen Mindestabstand gibt es nicht.

      Gruß, Der Privatier

  5. Vielen Dank für die Einschätzung! Die Boni-Diskussionen hätte ich auch führen können, da in 2017 Bonuszahlungen für 2 Kalenderjahre drin sind, die ja normal nicht in einem KJ angefallen wären, wenn das Arbeitsverhältnis fortgesetzt worden wäre. Aber da mir das zu riskant und nervig ist, habe ich dafür gesorgt, dass die Einkünfte in 2018 (Abfindung plus ALG) den Betrag aus 2017 (inkl. Bonuszahlungen) übersteigen. Vielen Dank noch mal!!! VG Patrick

  6. Hallo Privatier,

    danke für die hilfreichen Hinweise.

    Frage: Kann ich durch Einmalzahlung in eine Versicherung (z.B. Riesterrente) max. Betrag 32.000 € Steuern sparen?

    Über ein kurzes feedback würde ich mich freuen.

    Gruß Thomas

    • Eine Einzahlung in die Altersvorsorge (nicht in eine Versicherung!) ist ein gutes Mittel, die Steuerbelastung zu senken. Riester ist aber am ungeeignesten, da es hier sehr enge Grenzen gibt. Deutlich besser sind die sog. Basis-Versicherungen wie: Gesetzl. Rente, Rürup-Rente oder berufsständische Versicherungen.

      Wieviel man aber am Ende dann an Steuern spart, hängt sehr vom Einzelfall ab und lässt sich nur anhand konkreter Zahlen berechnen.

      Zu den Einzahlungsmöglichkeiten und deren steuerlicher Wirkung gibt es hier eine ganze Reihe von Beiträgen. Am besten einmal oben rechts die Suchfunktion benutzen.

      Gruß, Der Privatier

  7. Hallo Privatier,

    bin zufällig auf Ihre Internetseite gestossen, welche ich mit Interesse verfolgt habe.

    Bin persönlich dadurch betroffen, dass ich zum Jahresende ausscheide (werde im Dezember 56) und dann im Januar meine Abfindung erhalte. Im Vorfeld hatte ich einen Termin mit einem Beratungsunternehmen welches von meinem AG iniziert wurde.

    Die auf die errechnete Abfindung zu zahlende Steuer (5tel-Regelung) übernimmt vollständig mein AG – Auf das Dispositionsjahr wurde ich auch seitens des Beraters hingewiesen. Es wurde auch ein STB hinzugezogen, welcher mich darauf hingewiesen hat für 2019 eine Einzahlung in die Rentenkasse zu leisten (Altervorsorgeaufwendung, da meine Frau ja auch noch ein laufendes EK bezieht.
    Alles in Allem decken sich die Informationen seitens des Beratungsteams mit den von Íhnen und den vielen Gastkommentaren.
    Bin gespannt wie die weitere Betreuung verläuft wenn es in die „Heiße Phase“ geht.

    VG Alex

    • „Alles in Allem decken sich die Informationen seitens des Beratungsteams mit den von Íhnen und den vielen Gastkommentaren.“

      Dann haben Sie ein gutes Beratungsteam! 😉
      Ganz im Ernst: Die Themen hier auf der Seite sind schon sehr speziell und noch lange nicht jeder „Fachmann“ kennt sich mit den Fragestellungen aus. Und das gilt sowohl für die Personalabteilungen in den Unternehmen, für evtl. konsultierte Anwälte und Steuerberater, als auch die Mitarbeiter in Ämtern und Behörden.
      Falls es daher mal nicht so läuft, wie gedacht: Hartnäckigkeit ist oberstes Gebot!

      Gruß, Der Privatier

  8. Guten Tag Herr Ranning, ist es nicht so, dass als weitere wichtige Voraussetzung zur Anwendung der Fünftelregelung der Arbeitnehmer das „schadenstiftende Ereignis“ (-> sprich Aufhebungsvertrag) nicht selbst herbeigeführt haben darf bzw. er unter nicht unerheblichen rechtlichen, wirtschaftlichen oder tatsächlichen Druck gestanden haben muss? Das Finanzgericht Münster entschied mit Urteil vom 17.03.17, 1 K 3037/14 E zu Gunsten des Klägers mit der Begründung, dass es bereits ausreiche, dass zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine gegensätzliche Interessenlage bestand (z.B. auferlegtes Einsparprogramm?). Leider ist die Beklagte in Revision gegangen und das Verfahren (IX R16/17) ist noch am Bundesfinanzhof anhängig. Bei einem Aufhebungsvertrag ist ja eine Mitwirkung beider Parteien notwendig, was ja auch unter anderem die Sperrzeit bei Beantragung des ALG1 rechtfertigt. Mich würde nun interessieren wie generell die Erfahrungswerte sind bei Anwendung der Fünftelregelung in Zshg. mit einem einvernehmlichen Aufhebungsvertrag. Vielen Dank. MfG Steini

    • Tja, interessante Rechtsauffassung, die da von dem FA vertreten wird. Ich glaube kaum, dass die vor dem BFH Bestand haben wird.

      Ich empfinde die Auffassung auch schon deshalb als abwegig, da aus meiner Sicht am Ende ein Aufhebungsvertrag ja immer einvernehmlich unterzeichnet wird. Nach etwaigen langen Verhandlungen oder sogar Gerichtsprozessen sind sich dann beide Parteien einig, den Arbeitsvertrag unter bestimmten Kondition zu beenden. Einvernehmlich.

      Mir sind jedenfalls keine weiteren Fälle bekannt, bei denen die Anwendung der Fünftelregel mit einer ähnlichen Argumentation verweigert wurde.

      Gruß, Der Privatier

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