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Kap. 3.3.1.4: Hinweise zur Fünftelregel: Mit ALG-Bezug — 27 Kommentare

  1. Toller Beitrag. Wichtig ist m.E. vor allem, dass man soweit beeinflussbar alles unternimmt, dass die 5tel Regelung greift. In Bezug auf die nicht Vorhersehbarkeit der Auswirkungen verschiedener Konstellationen bin ich voll bei Dir. Je nachdem, wie hoch die potentielle Ersparnis ist, lohnt ggf. auch der Gang zum Steuerberater.
    Beste Grüße
    Alexander

    • Ganz Deiner Meinung! Wir reden hier ja oftmals über Abfindungen in deutlich 6-stelliger Höhe. Und wie man an den Beispielen und an vielen anderen Beiträgen und Kommentaren sehen kann, sind dabei Einsparungen in 5-stelliger Höhe bei einer optimalen Steuergestaltung keine Seltenheit.
      Dafür lohnt es sich schon, sich umfassend zu informieren und sich ggfs. auch kostenpflichtige Beratungen zu holen.

      Gruß, Der Privatier

  2. Hallo,

    ein sehr interessanter Beitrag.
    Ist es auch bei Bezug von ALG möglich, diese Beiträge durch freiwillige Zahlungen in Riester etc. zu steuerlich minimieren?

    LG
    J-F

    • Naja, Riester ist jetzt gerade kein gutes Beispiel, aber eine Einzahlung in eine Rürup-Versicherung (oder gleichwertig auch in die gesetzl. Rentenversicherung) wäre gut geeignet, die ALG-Bezüge zu „neutralisieren“.
      Lesen Sie doch einmal den Beitrag „Die Rürup-Strategie“ , in dem der Zusammenhang von ALG-Leistungen und Einzahlungen in die Altersvorsorge im Hinblick auf die Steuern angesprochen wird.

      Gruß, Der Privatier

  3. Wie ist die Berechnung, wenn beide Sonderfälle -also negatives Einkommen plus Arbeitslosengeld- zusammenfällt ?
    Wie würde z. B. das Beispiel aus 3.3.1.3 ausschauen, wenn etwa noch 2000€ an Arbeitslosengeld bezogen worden wäre ?
    Vielen Dank schon im voraus

    • Ich habe mir diese Fall-Konstruktion hier mit Absicht erspart, weil sie mir doch etwas zu kompliziert erschien. 😉
      Ich möchte daher auch jetzt gerne darauf verzichten, ein konkretes Beispiel durchzurechnen, sondern stattdessen einen sehr guten Link auf das Amtliche Einkommensteuerhandbuch des BMF weitergeben. Dort sind zum §34 einige Beispiele aufgeführt und die obige Fragestellung ist unter H34.2 Beispiel 4 beantwortet.
      Als Fazit daraus könnte aber sagen: „Ist das ohne die außerordentlichen Einkünfte verbleibende zu versteuernde Einkommen (Basiseinkommen 1) auch unter Einberechnung der Lohnersatzleistung negativ, wird die Steuer ohne Progressionsvorbehalt berechnet. Die Lohnersatzleistung bleibt also vollständig außen vor.“ (Zitat: Steuernetz).

      Gruß, Der Privatier

  4. Vielen Dank für die schnelle und für wichtige Antwort, daß in diesem Fall ohne Progressvorbehalt gerechnet wird.
    Damit kann ich nun ein paar Berechnungen durchführen 🙂

    Es gibt einem wieder ein klein wenig am Glauben zurück, es könne doch so was wie Steuergerechtigkeit geben. Mit Progressionsvorbehalt würde ein Langzeitarbeitsloser, der eine hohe Abfindung bekommen hat, seine Arbeitslosengeld in Form von zusätzlicher Steuer im ersten Jahr selbst bezahlen (wenn nicht sogar schlimmer).

  5. Zuerst einmal möchte ich meinen Dank an den Privatier aussprechen. Viele super Anregungen konnte ich schon mitnehmen, aber eine Frage ist noch offen.
    Ich werde im Januar 2021 meine Abfindung bekommen, habe negative Einkünfte aus Vermietung und Stelle mir die Frage, ob ich ALG beantragen soll und wie lange, um keine positiven Einkünfte in 2021 zu erzielen. Werden hier auch die Steuerfreibeträge für Alleinerziehende und andere berücksichtigt? Dazu finde ich im Internet nichts.

    • Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende beträgt normalerweise 1.908€/Jahr, wird aber für 2020 und 2021 wg. Corona auf 4.008€/Jahr aufgestockt (zzgl. 240€ für jedes weitere Kind).
      Der Entlastungsbetrag wird von der Summe der Einkünfte der Einkünfte abgezogen und senkt damit das zu versteuernde Einkommen (zvE) und damit am Ende auch die Steuerbelastung.
      Sowohl für die Berechnung der Fünftelregel als auch für den Progressionsvorbehalt wird immer das zvE als Basis verwendet, von daher lautet die Antwort:
      Ja, der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende wird in den Rechnungen berücksichtigt.

      Gruß, Der Privatier

      • Super, Dankeschön. Nach der Beispielrechnung H34.3 bedeutet das, dass meine Abfindung im hohen 6stelligen Bereich sich trotz Bezug von Arbeitslosengeld auf 10000 Euro Steuer runter rechnen lässt. Kann ich kaum glauben. Wenn dem so ist, müsste ich meinem Arbeitgeber ja fast noch dankbar sein😃. Vielen Dank für das Engagement, hier so komplexe Hilfe zu bekommen.

  6. Danke für diesen wieder einmal sehr aufschlussreichen Beitrag!

    Wie sähe denn die Lage in diesem Fall, der wohl viele betreffen wird, aus?

    Beispiel: Arbeitnehmer AN wird per Ende Sep 2020 gekündigt. Sein Jahresgehalt ist 60.000€, sodass er in 2020 Lohn i.H.v. 45.000€ erhalten hat. Mit seinem Arbeitgeber wurde eine 30.000€ Abfindung ausgehandelt. Würde es Sinn machen, die Abfindungszahlung ins Folgejahr zu verlegen? Wäre dann dennoch die Fünftelregel anwendbar? Von Okt bis Dez 2020 erhält AN Arbeitslosengeld 1 (Bei 60% vom Arbeitsgehalt macht das 9.000€). AN hat sonst keine weiteren Einkünfte (aus Vermietung, Kapital…). Bei einer Arbeitslosigkeit von einem Jahr würde AN im Jahr 2021 noch 9 Monate ALG1 bekommen (macht 27.000€). Nach Ablauf des ALG1 hat AN keine/nur sehr geringe Einkünfte, weil er gar keine Arbeit bzw. eine nur viel schlechter bezahlte Arbeit findet. Sollte sich AN die Abfindung lieber im Jahr 2021 auszahlen lassen? Gilt die Zusammenballung wenn sich AN die komplette Abfindung erst im Jahr 2021 auszahlen lässt?

    • Eine Zusammenballung der Einkünfte (und damit die Anwendung der Fünftelregel) ist nur dann gegeben, wenn durch die Zahlung der Abfindung insgesamt höhere Einkünfte in einem Veranlagungsjahr erzielt werden, als dies bei ungestörter Fortsetzung des Beschäftigungsverhältnisses der Fall gewesen wäre.

      Im genannten Beispiel also:
      Fall A (Auszahlung in 2020): Summe der Einkünfte beträgt: 45T€ Lohn + 30T€ Abfindung + 9T€ ALG1 = 84T€. Das ist eindeutig mehr als die „normalen“ 60T€ und daher liegt eine Zusammenballung vor.

      Fall B (Auszahlung in 2021): Summe der Einkünfte beträgt: 0€ Lohn + 30T€ Abfindung + 27T€ ALG1 = 57T€. Das ist weniger als die „normalen“ 60T€, daher keine Zusammenballung und somit keine Fünftelregel.

      Trotzdem kann die Variante B günstiger sein, da die Einkünfte insgesamt deutlich niedriger sind, als im Fall A. Das ist aber nur schwer abschätzbar, da hier andere Faktoren wie z.B. der Familienstand, evtl. Sonderausgaben etc. eine Rolle spielen.
      Eine konkrete Aussage kann man nur mit Hilfe eines Steuerprogrammes oder eines Steuerberaters (und mit sämtlichen Daten!) bekommen.

      Gruß, Der Privatier

      • Vielen Dank für die ausführliche Antwort!

        Da in Fall B die 60.000€ nur knapp verpasst wurden, würde es denn steuerlich grds. Sinn für AN machen zusätzliche Einkünfte (z.B. Aushilfsjobs von Okt bis Dez 2021) zu generieren, um so die 60.000€-Grenze zu überschreiten? Damit läge die Zusammenballung vor, aber die Steuer würde geringer ausfallen als in Fall A.

        Falls die Abfindung nicht ins Jahr 2021 transferiert werden kann, würde es doch steuerlich Sinn machen, das ALG1 erst ab Jan 2021 zu erhalten, oder?

        • Moin Nina,

          zu Deiner Frage, ja mit zusätzlichen Einkünften 10/2021 bis 12/2021 wäre es möglich die „Zusammenballung“ zu erreichen um damit die Fünftelregelgung anzuwenden. ABER! … zusätzliche Einkünfte führen zu einer höheren Steuerbelastung. Bei der Fünftelregelung mit Bezug von ALG1 muss der Progressionsvorbehalt beachtet werden, da ALG1 (Lohnersatzleistung) diesem unterliegt. Im Buch vom Privatier sind unter Kapitel 5.2.2 „Fünftelregel mit Arbeitslosengeld“ S.117 bis S.121 Beispiele dazu aufgeführt.

          Über das bessere Szenarium Auszahlung der Abfindung in 2020 oder 2021 möchte ich nicht spekulieren, dazu müssen alle Zahlen verfügbar sein wie Progressionsvorbehalt ALG1, Einzelveranlagung oder Splitting, Kinder, weitere Einkünfte 2021 … auch wenn Du schreibst … „Nach Ablauf des ALG1 hat AN … nur sehr geringe Einkünfte …“

          Gruß
          Lars

          • Hi Lars,

            danke für den Hinweis! Bei gleichbleibenden Verhältnissen (Steuerklasse 1, keine Kinder, GKV) könnte man der Logik nach doch einen „Break-Even-Point“ bestimmen, ab dem es mehr Sinn macht die Abfindung im nächsten Jahr zu kassieren, oder? In dem Bsp. oben hat AN in 2020 neun Monate lang Lohn bezogen + 3 Monate ALG1. Wenn er vermutlich in 2021 auch mind. 3 Monate ALG1 bezieht und danach einen schlechter bezahlten Job findet, sollte es sich doch steuerlich lohnen, sich die Abfindung erst in 2021 auszahlen zu lassen? Alles vorausgesetzt natürlich, dass man in 2021 die Zusammenballung erreichen kann.

            Außerdem recherchiere ich hier auf der Seite gerade die Möglichkeit, ob es Sinn macht für das Jahr, in dem die Abfindung versteuert werden soll, ein Dispojahr/-monate einzulegen…

        • Ich möchte meine Aussage von oben noch einmal wiederholen:
          „Eine konkrete Aussage kann man nur mit Hilfe eines Steuerprogrammes oder eines Steuerberaters (und mit sämtlichen Daten!) bekommen.“

          Gruß, Der Privatier

    • Moin Nina,

      „Außerdem recherchiere ich hier auf der Seite gerade die Möglichkeit, ob es Sinn macht für das Jahr, in dem die Abfindung versteuert werden soll, ein Dispojahr/-monate einzulegen…“

      Ich empfehle Dir das Buch vom Privatier „Per Abfindung in den Ruhestand“, da findest Du alles zum Thema Abfindung, Zusammenballung (ja/nein) damit Anwendung der Fünftelregelung, Dispositionsjahr (Verlängerung ALG1 Anspruchsdauer + Vermeidung Sperr- u. Ruhezeiten) und viele andere nützliche Tipps mit diversen Rechenbeispielen untersetzt. Damit sparst Du Zeit, es ist alles kompakt zusammengefasst und man kann schnell einzelne Themen nachschlagen. Beispiele mit folgender Situation: Gehalt + Abfindung + ALG1-Bezug findest Du auf S.115-121

      Die Strategie bezieht sich aber direkt vor allem auf den Personenkreis, die vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden wollen. Man kann aber auch einzelne „Bausteine“ verwenden, um z.B. steuerliche Situationen zu optimieren oder Rentenabschläge minimieren …

      Falls wie geschrieben wieder eine „abhängige“ Beschäftigung aufgenommen werden soll, kann sich ein Dispositionsjahr negativ im Lebenslauf auswirken, dass solltest Du bedenken.

      Natürlich kann man den „Break-Even-Point“ berechnen, die max. ALG1 Werte liegen (monatliche Beitragsbemessungsgrenze 6900€/West und 6450€/Ost) bei Ledigen (GKV) ohne Kind:

      *West =2200,80€ ALG1/Monat (für 2020)
      *Ost = 2096,70€ ALG1/Monat (für 2020)

      Wer weniger als die Beitragsbemessungsgrenze verdient, hat damit auch weniger ALG1-Anspruch.

      *(offizieller ALG-Rechner der Agentur für Arbeit – vom Privatier gestern eingestellt)

      Gruß
      Lars

  7. Das ALG 1 ist gedeckelt, so dass die Rechnung mit 3000€ pro Monat nicht passt. In den neuen Bundesländern beträgt der max. Bezug ca 1800€, in den alten Bundesländern und Berlin/ West ca. 2000€.
    VG

    • Das halte ich für ein Gerücht, dass das die aktuell korrekten, maximalen Beträge für’s ALG I sein sollen. Kann ganz sicher so nicht stimmen!

    • Der Hinweis ist nur zur Hälfte richtig.
      Richtig ist, dass die Höhe des ALG1 mit einer Obergrenze versehen ist und die oben angenommenen 3.000€ derzeit nicht erreicht werden können.
      Allerdings hängt die tatsächlich mögliche Höhe u.a. vom Wohnort (Ost/West), der Steuerklasse und der Frage, ob Kinder berücksichtigt werden können, ab.
      Aktuell liegen die max. Grenzen bei ca. 2.650€ / 2.800€ (Ost/West).

      Gruß, Der Privatier
      P.S.: Kann man hier mal selber ausrechnen: https://www.brutto-netto-rechner.info/arbeitslosengeld-I-rechner.php

  8. Naja, die die hier unterwegs sind und über eine Vorruhestandsregelung den Weg zum Privatier anstreben und in der PKV sind, die sind sicherlich länger als 5 Jahre so versichert und meist auch über 55. Wenn ich mich richtig informiert habe, allerdings auch nur bis zu 80% vom Höchstsatz.

    • Nun ja, es gibt auch „freiwillig KK-Versicherte“ die mit „Absicht“ nicht PKV-Versicherte sind und die demnächst „Privatier“ sind oder das entsprechend anstreben.

      • Das war kein Plädoyer für die PKV nur ein Hinweis, dass diejenigen, die sich im Übergang befinden und privat versichert sind, i.d.R. auch die Voraussetzungen für den Zuschuß erfüllen. Das ist eine Entscheidung, die wohl die meisten (zumindest im Angestelltenverhältnis) zwischen Mitte 20 und Mitte 30 treffen.
        Sollte auch keine Wertung/Bewertung über die Art der Versicherung sein, hat wohl beides Vor- und auch Nachteile.

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