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Kap. 9.3.2.2: Hinweise zum Dispositionsjahr: Vor- und Nachteile — 17 Kommentare

  1. Hallo Herr Privatier,

    wenn ich das so richtig verstehe, dann ist der Unterschied zwischen „Dispojahr“ (Mr. Excel) und kurzfristrigem „An- und Abmelden“
    zu Beginn der Arbeitslosigkeit (Privatier) wie folgt:

    Dispojahr: keine Ruhe- und Sperrzeiten, allerdings Risiko wenn gesundheitlich am Ende des Dispojahres etwas dazwischen kommt, wortscase = kein Arbeitslosengeld mehr.

    An- und Abmelden am Ende des Arbeitsverhältnisses: Sperrzeit unvermeidlich sofern Kündigungsfristen ausserhalb der gesetzlichen Fristen ggf. auch Ruhezeit.

    Jetzt stellt sich für mich folgende Frage:

    Wenn man während des Dispojahres feststellt, dass es zu gesundheitlichen Problemen am Ende des Dispojahres kommen könnte, dann wäre doch eine Arbeitslosmeldung
    z.B. nach 6 Monaten auch möglich. Damit würden, wie ich das sehe, auch die Warte- und Sperrzeiten zum Tragen kommen. Korrekt?

    Wenn ja, wie würde die Agentur für Arbeit dann das Arbeitslosengeld berechnen? Rückwirkend auf ein Jahr gesehen wären dann
    z.B. 6 Monate a‘ 5.000 Euro brutto plus 6 Monate a‘ 0 Euro = durchschnittlich 2.500 Euro als Basis für die Berechnung oder bleibt es bei den 5.000 Euro, da diese das letzte Gehalt innerhalb des letzten Jahres waren?

    Viele Dank schon mal für die Beantwortung.

    • Die Unterschiede und Folgen sind soweit korrekt verstanden.

      Bei der Berechnung des ALG-Anspruches werden immer nur die versicherungspflichtigen Zeiten berücksichtigt. Zeiten ohne Einkünfte bleiben daher ohne Wirkung.
      Anderenfalls wären nämlich alle, die ein vollständiges Dispojahr machen, ziemlich „gekniffen“, da diese ja immer auf ein ganzes Jahr ohne Einkünfte zurückblicken. 😉

      Gruß, Der Privatier

  2. Hallo Herr Privatier,
    also würde in meinem beschriebenen Fall ein Arbeitslosengeld auf Basis der 5.000 Euro ermittelt werden obwohl der 12 monatige Zeitraum vor der Arbeitslosenmeldung nur 6 versicherungspflichtige Monate enthält? Das könnte dann ja bedeuten, dass ich mich nach 11 Monaten aus welchen Gründen auch immer doch noch gegen ein Dispojahr entscheiden kann ohne finanziell schlechter gestellt zu werden Höhe ders ALG).

    Damit wäre ich auch nicht schlechter gestellt wie beim Dispojahr (Zeitraum erweitert auf 24 Monate), nur mit dem Unterschied dass die Ruhe- und Sperrzeiten zum Tragen kommen würden.
    Oder habe ich Ihre Antwort falsch interpretiert?
    Viele Grüße Karl

    • Sie haben die Antwort richtig interpretiert. Sie können auch 11 Monate warten, ohne dass Sie einen Nachteil davon haben.
      Es wird immer zuerst ein Zeitraum von 12 Monaten rückwirkend betrachtet, sind hier nicht mindestens 150 Tage an abgerechneten Einkünften aus versicherungspflichtigen Zeiten vorhanden, wird der Zeitraum auf 2 Jahre verlängert. Erst wenn dann auch keine 150 Tage (also ca. 5 Monate) mehr zusammen kommen, gibt es ein Problem: Die fiktive Einstufung.

      Gruß, Der Privatier

  3. Hallo Herr Privatier,

    habe mit Interesse die vielen Informationen zum „Disposjahr“ durchgelesen. Ich bin zu dem Schluß gekommen, dass es für mich keinen Sinn macht. Die Situation: Ich habe w/Rationaliserungsmassnahmen meines AG ein Angebot gegen eine (kleine) Abfindung meinen Arbeitsvertrag aufzulösen – zum Ende diesen Jahres. Ich bin dann 62 und habe bereits jetzt die Wartezeit für eine Rente für besonders langjährig Versicherte erfüllt. D.h. ich kann mit 63 J. + 8 M. abschlagsfrei in Rente gehen und müsste noch 20 Monate überbrücken. Mein Anspruch auf ALG 1 wäre 24 Monate. Wenn ich ein Dispojahr „einlege“ könnte ich dann in 2020 noch für 8 Monate ALG 1 beziehen, muss mich aber für 2019 selbst krankenversichern und eventuell den Mindestbeitrag in die RV einzahlen w/EU-Rente. Wenn ich mich gleich zum 1.1.19 arbeitslos melde, würde ich sowohl eine Ruhenszeit als auch eine Sperrzeit durch die Agentur erhalten. Die Sperrzeit würde meinen Anspruch auf auf ALG um 1/4 auf 18 Monate verringern, würden aber einen Zeitraum von 17 Monaten bis 1.9.2020 abdecken. Im Ergebnis wären es aber auf jeden Fall mehr als 8 Monate nur für 2020. Sehe ich das richtig? Hätte auch den Vorteil, dass ich mich nicht freiwillig krankenversichern müsste. Bzgl. der KV die Frage: Den ersten Monat (Januar 2019) der Sperrzeit gibt es einen „Nachlauf“ bei der KV und ab dem zweiten Monat zahlt die Agentur? Ist diese Info richtig? Ich würde mich freuen, wenn Sie meine Überlegungen mal prüfen würden. Vielen Dank Horst

    • Zunächst einmal sehe ich auch keinen Sinn in einem Dispojahr.

      Ob Sie sich allerdings freiwillig krankenversichern müssen, hängt vor allen Dingen davon ab, ob und wie lange eine evtl. Ruhezeit sein wird. Während der Ruhezeit sind Sie NICHT über die Agentur versichert.
      Aber wenn Sie eine „kleine“ Abfindung bekommen haben, dürfte die Ruhezeit ja dementsprechend auch nicht sehr lang sein. Können Sie selber ausrechnen, siehe Beitrag über die Ruhezeit: https://der-privatier.com/kap-9-10-3-arbeitslosengeld-ruhezeit/

      Gruß, Der Privatier

  4. Hallo Herr Privatier,
    vielen Dank für die interessanten Tipps zum Dispojahr. Ich bin allerdings ein wenig verunsichert, was die Berechnung des ALG betrifft. Meine Situation ist folgendermaßen. Ich habe einen Aufhebungsvertrag mit Wirkung zum 31.12.2018 unterschrieben. In diesem Vertrag steht, dass, sollte ich diesen nicht unterschreibe, es zu einer betriebsbedingten Kündigung käme. Somit sollte ich um eine Sperrfrist „rumkommen“. Ich bin 57 Jahre alt und bereits arbeitssuchend gemeldet. Da ich im Januar eine Abfindung erhalte, möchte ich aus steuerlichen Gründen ein Sabattjahr einlegen und quasi ab dem 01.01.2020 ALG beziehen.Außerdem bin ich dann 58 und hätte ein Anrecht auf 24 Monate ALG. Nun wird es problematisch: Ich habe in diesem Jahr 6 Monate Krankengeld bezogen und bin vom 01.10.-31.12. freigestellt bei vollem Gehalt, abzüglich aller Sozialabgaben. Da für die Berechnung des ALG das Jahr 2018 Grundlage ist, frage ich mich, ob der Krankengeldbezug und die Freistellung ganz normal berücksichtigt werden oder ob es da Einschränkungen gibt. Wenn es Einschränkungen gibt, gelten diese dann nur für das Sabatical? Ich würde mich freuen, wenn Sie mir hierzu eine Antwort geben könnten.
    Vielen lieben Dank!
    Barbara

    • Ich möchte Ihnen anstelle einer direkten Antwort einmal einen Link auf einen Kommentar geben, in dem ich die Zusammenhänge (auch bzgl. Krankengeld und Freistellung) kürzlich erst erläutert habe.

      Ich denke, mit diesen Angaben sollten Sie in der Lage sein, die Folgen einmal für Ihren Fall selber auszurechnen.

      Gruß, Der Privatier

  5. Hallo Barbara,
    in Deinem Fall hängt die Entscheidung für ein Dispojahr von den konkreten Zahlen, d.h. von der Höhe der Alg1-Zahlung ab. Ohne Dispojahr schaffst du die 58-er Altersstufe nicht und erhältst ohne Sperrfristen 6 Monate weniger Alg1. Mit Dispojahr verlängert sich die Bezugsdauer, aber da keine 150 Arbeitstage vorliegen verringert sich die Höhe. Evtl. spielen auch 6 zusätzliche Monate Krankenversicherung eine Rolle. Im Netz habe ich keinen Alg1-Rechner oder Infos bekommen, wie hoch die Alg1-Leistung bei weniger als 150 Arbeitstagen ausfällt. Daher kann ich nur empfehlen, dass die Leistungsstelle vom AA das für Dich ausrechnen soll.
    Gruß
    Holger

    • Grundsätzlich ist der Hinweis auf eine Abwägung anhand der konkreten Zahlen zwar richtig, unklar ist aber, inwieweit bei einem Dispojahr mehr oder weniger als 150 Tage mit Arbeitsentgelt vorliegen.
      Die Zeiten des Krankengeldbezuges zählen definitiv nicht dazu. Das ist soweit klar. Ob allerdings die Monate der Freistellung eingerechnet werden oder nicht, dürfte davon abhängen, nach welcher Rechtsauffassung die Agentur vorgeht. Wenn sie die aktuell noch gültige Dienstanweisung anwenden sollte (s. dazu Beitrag „Agentur erfindet neue Regeln“ , so bleibt die Freistellung bei der Berechnung der ALG-Höhe ebenfalls unberücksichtigt und es dürften daher in den zwei Jahren vor Arbeitslosigkeit weniger als 150 Tage mit Arbeitsentgelt vorliegen. Folge: Fiktive Einstufung.

      Richtet sich die Agentur jedoch bereits nach dem kürzlich ergangenen Urteil des BSG zu Freistellungen (. Beitrag „Arbeitslosengeld nach Freistellungen“ , so würde es wahrscheinlich ausreichen. Das sollte Barbara dann aber besser einmal anhand der exakten Zahlen selber einmal nachrechnen.

      Die Ungewissheit wird aber wohl noch eine Weile bestehen bleiben (es sei denn, man kalkuliert Widerspruch und Klage mit ein). Insofern muss man diese Ungewissheit ebenfalls bei einer Abwägung mit berücksichtigen.

      Gruß, Der Privatier

  6. Hallo Herr Privatier, hallo Holger,

    vielen Dank für eure hilfreichen Antworten. Ob nun die Zeit der Freistellung mit eingerechnet wird oder nicht, wird mir hoffentlich das AA beantworten. Habe jedoch nicht so viel Vertrauen in die Kenntnisse der Mitarbeiter, denn z. T. wissen diese nicht einmal, was ein Sabatical ist. Auf jeden Fall werde ich euch mitteilen, was „die Experten“ in meinem Fall entschieden haben.

    Beste Grüße
    Barbara

    • “ z. T. wissen diese nicht einmal, was ein Sabatical ist“

      Das müssen die auch nicht wissen! Genau so wie es in den Sozialgesetzbüchern keine Definition von „Dispojahr“ gibt, gibt es auch keine für „Sabbatical“. Letztlich sind dies frei erfundende Begriffe, unter denen im Zweifel jeder etwas anderes versteht.

      Gruß, Der Privatier

  7. Hallo zusammen,
    am 30.11.2018 wurde vom Bundestag das „Qualifizierungschancengesetz“ beschlossen. Bestandteil des Gesetzes ist die Verlängerung der „Rahmenfrist“ nach §142f. SGB III von bisher 2 Jahren auf künftig 30 Monate (gültig ab 01.01.2020).
    Nun meine Frage mit Bezug auf das Dispositionsjahr: nach allem, was ich bisher in diesem sehr informativen Forum gelesen habe, bedeutet dies, dass das „Dispositionsjahr“ von bisher exakt 12 Monaten Dauer auf künftig bis zu 18 Monaten Dauer ausgeweitet werden kann. Und dies, ohne die Vorteile bezüglich Sperr-/Ruhezeit usw. zu verlieren.
    Ist meine Annahme richtig? Ich freue mich auf bestätigende bzw. klärende Kommentare.

    • Moin, Stefan
      Im Prinzip ja, ABER:

      Wer nach seinem 58ten Geburtstag die maximale Alg1-Bezugsdauer (24 Monate) erreichen will, benötigt auch nach der zu erwartenden Neuregelung WIE BISHER 48 Monate Versicherungspflichtverh. innerhalb der letzten 5 Jahre (60 Monate)!
      Hier bleibt es demnach bei 12 Monaten Dispojahr (60-12=48)!!!

      AUSSERDEM MUSS zur Inanspruchnahme der neuen Rahmenfrist am 01.01.2020 noch ein VersicherungsPFLICHTverhaeltnis in der ALV bestehen.
      UND: Der(erweiterte) Bemessungszeitraum von 24 Monaten mit 150 Tagen „normalem“ Gehalt (zur Berechnung der ALG1-Hoehe nach dem tatsächlichen Verdienst) bleibt unverändert!
      Also wie immer: Planung muss passen!

      Gruesse
      ratatosk

    • Hallo Stefan,

      „ratatosk“ hat schon alle wichtigen Punkte aufgelistet, die ggfs. übersehen werden könnten.

      Ergänzen möchte ich noch zwei Punkte:
      * Mein aktueller Kenntnisstand bezieht sich noch auf den Entwurf des Gesetzes, den tatsächlich verabschiedeten Gesetzestext habe ich noch nicht gelesen.
      * Wir haben dieses Gesetz und die möglichen Folgen bereits an anderer Stelle (ab hier) diskutiert. Dort gibt es ggfs. weitere Informationen und wir sollten die Diskussion (falls erforderlich) nach Möglichkeit dort fortsetzen.

      Gruß, Der Privatier

  8. Hallo Privatier,
    eine guten Rutsch und ein erfolgreiches 2019.
    Ich habe mit viel Interesse Deine Seiten gelesen.

    Erst dadurch bin ich auf das „Dispositionsjahr“ aufmerksam geworden. Ich habe, da mein Arbeitgeber eine amerikanische Firma übernommen wurde und der neue Eigentümer weltweit über 40% der MitarbeiterInnen entlassen hat, nach über 19 Jahren im IT Vertrieb einen Abwicklungsvertrag unter Mitwirkung meines Anwaltes unterschrieben.

    Das ordentliche Kündigungsende wäre der 31. Mai 2019 gewesen. Es gab aber die Möglichkeit jeweils zum 15. bzw. Ende des Monats vorzeitig zu kündigen und die restlichen Monate bis zur ordentlichen Kündigung erhöhten dann die Abfindung. Für dieses Modell habe ich mich entschieden und werde mit Wirkung zum 15. Januar 2019 mein Arbeitsverhältnis beenden.

    Ich habe mich im November 2018 arbeitssuchend gemeldet und alle Daten im Portal der Arbeitsagentur hinterlegt.

    Heute am 03.01.2019 hatte ich mein Beratungsgespräch bei einer Vermittlerin bei der AfA in Wiesbaden.

    Durch die tollen Informationen, Anregungen und Beiträge war ich bestens informiert.
    Das Gespräch dauerte 15 Minuten.
    Die Vermittlerin wusste, nachdem ich ihr meine Situation und meinen Wunsch eines Dispositionsjahres geschildert hatte, über das Dispostionsjahr Bescheid und sagte dass sie dies in der letzten Zeit häufiger von ihren Kunden gehört hätte, dass diese das Dispositionsjahr in Anspruch nehmen würden.
    Sie sagte dass ich ja bestens präpariert sein und druckte dann eine Erklärung für das „Dispostionsjahr“ aus, in der ich erklärte über die leistungsrechtlichen Konsequenzen, dass ich solange ich über die Agentur für Arbeit kein Arbeitslosengeld erhalte nicht kranken-, renten- und pflegeversichert bin, informiert wurde.

    Sie hat in der eAkte einen scan der unterschriebenen Erklärung hinterlegt, mir das Original ausgehändigt, und mir noch den Tipp gegeben mich am besten drei Monate vorher, also Mitte Oktober 2019 zum 16.01.2020 arbeitslos zu melden.
    Total entspannt bin ich nach Hause gefahren. Nochmals Dank für die super Informationen.
    Beste Grüsse
    Mercator11
    den Arbeistlosne bezug ab dem 16.01.2020 und die restlichen Monate auf die Abfindung

    • Es freut mich, wenn die Informationen hier Erfolg zeigen. Selbst in den Arbeitsagenturen scheinen sich manche Ideen zu verbreiten 😉 .
      Ich würde sagen, die Entspannung ist berechtigt. Prima, dass es so gut gelaufen ist!

      Als nächstes wäre jetzt die Krankenkasse an der Reihe… Mit einem Dispojahr kann man zwar Sperr- und Ruhezeiten der Agentur vermeiden, nicht jedoch die Anrechnung der Abfindung bei den KV/PV-Beiträgen. Es sei denn, man wäre privat versichert oder hat die Chance, in der Familienversicherung unter zu kommen.

      Gruß, Der Privatier

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