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Gastbeitrag: Erfahrungen mit dem Dispojahr — 43 Kommentare

  1. An dieser Stelle erst einmal „Herzlichen Dank“ an Blog-Leser Kawahu für diese doch recht ausführliche Schilderung und für das Muster-Dokument zur Vorlage bei der Arbeitsagentur!

    Mir ist bei der Aufbereitung des Textes für die Veröffentlichung hier im Blog aber noch eine Frage gekommen, die immer wieder im Zusammenhang mit dem Dispojahr gestellt worden ist und ich würde mich freuen, wenn Kawahu diesen Aspekt noch ergänzen könnte: Die Frage nach den Meldefristen.

    Also die Frage, wann welche Meldung (arbeitsuchend/arbeitslos) zu Beginn/Ende des Dispojahres abgegeben wurde und ob es dazu Absprachen/Aussagen der Agentur gegeben hat.

    Vielen Dank und Gruß,

    Der Privatier

    • Zu meinem Zeitablauf bei der Agentur für Arbeit:

      11.11.2013
      Persönliche Vorsprache beim Arbeitsamt, dabei habe ich mich arbeitslos gemeldet zum 01.01.2014. Weiterhin Klärung allgemeiner Fragen. Dispositionsrecht wurde kurz angerissen.

      28.11.2013
      Telefongespräch mit Hotline zum Thema Dispositionsrecht. Inhalt unbefriedigend, ich habe mich dann später aus anderen Quellen schlau gemacht.

      10.12.2013
      Persönliche Vorsprache beim Arbeitsamt, Abgabe Erklärung zum Dispositionsrecht.

      04.12.2014
      Persönliche Vorsprache beim Arbeitsamt, dabei habe ich mich arbeitslos gemeldet zum 01.01.2015.

      27.01.2015
      Auf Einladung: Persönliche Vorsprache beim Arbeitsamt in der Leistungsabteilung (dabei Abgabe des Antrags auf ALG 1) sowie in der Vermittlungsabteilung

      Viele Grüße
      Kawahu

  2. Hallo lieber Privatier,
    was wäre ich ohne Ihre informativen Seite, besten Dank hierfür.
    Trotz intensiver Suche habe ich auf eine Frage keine wirklich belastbare Antwort gefunden.
    Eckdaten
    offizieles Ausscheiden zum 31.12.2016 und Abfindungszahlung
    in 2017 Dispositionsjahr
    keine weiteren Einkünfte,kein Antrag auf ALG etc.
    Dieses meinem Arbeitgeber schriftlich mitgeteilt.

    Mein Arbeitgeber will nun aber die Abfindung entweder nach der bisherigen Steuerklasse 4 mit dem Dezembergehalt auszahlen oder im Januar 2017 mit Steuerklasse 6.jeweils unter Berücksichtigung der Fünftelregelung
    Wie kann ich Ihm klar machen das dies nicht richtig ist (EstG §39b sonstige Bezüge etc)

    Kann mir hier jemand helfen ? Beste Grüße Matthias

    • Hallo Matthias,

      Ich hatte bei ähnlicher Konstellation gerade auch eine solche Diskussion mit meinem AG. Steuerklasse 6 scheint für die Lohnverrechnung die Standardlösung für alle Zahlungen nach dem Austritt zu sein.

      Letztlich kommt es für die Höhe der Steuer auf den Zeitpunkt der Auszahlung an, also ist 2017 wegen der geringeren sonstigen Einkünfte deutlich günstiger als 2016. Die Steuerklasse bestimmt nur, was vorab schon einbehalten wird. Mit der Steuererklärung für 2017 bekommst Du zuviel gezahlte Beträge von FA erstattet, es ist also nur ein zinsloser Kredit, den Du dem FA gewährst.

      Hope this helps.

      Gruß,
      Dirk

    • Hallo Matthias,

      die Arbeitgeber machen die Abfrage der geltenden Steuerklasse über das ELStAM-Verfahren. Nur der „Hauptarbeitgeber“ darf auf die Steuerklassen 1-5 zugreifen.
      Dein AG setzt voraus, dass Du in 2017 ALG1 bekommen wirst; damit ist die Arbeitsagentur „Hauptarbeitgeber“. Für Deinen ehemaligen AG gilt damit Steuerklasse 6.
      Bei mir kam das Dispositionsjahr zum tragen. Mein ehemaliger AG hat sich von mir schriftlich bestätigen lassen, dass es keinen anderen AG geben wird und dann Steuerklasse 3 verwendet.

      Viele Grüße, Hardy

    • Die Fragestellung nach dem korrekten Steuerabzug durch den AG kommt regelmäßig zum Ende/Anfang eines neuen Jahres. Generell ist der AG verpflichtet, den Steuerabzug so vorzunehmen, dass er den tatsächlich vorliegenden Verhältnissen entspricht.

      Da er diese aber in der Regel nicht kennt, neigen manche AG zur „vorsichten“ Variante und nehmen an, der Ex-AN könnte ja nahtlos einen vergleichbaren Job mit einem Gehalt in alter Höhe annehmen.

      Um es kurz zu machen: Es ist dringend zu empfehlen, ein „nettes und freundschaftliches“ Gespräch mit dem EX-AG zu suchen und ihm die eigene Situation/Pläne (kein ALG, keine Einkünfte, etc.) darzulegen und auch anzubieten, dies schriftlich zu bestätigen. Ziel sollte dabei sein, dass ausschließlich die Abfindung (und kein fiktives Gehalt) unter Berücksichtigung der Fünftelregel und der aktuellen Steuerklasse (eins o. drei) zur Berechnung verwendet wird.

      Gelingt einem dies nicht, so bleibt der Trost auf die Rückzahlung im Rahmen der Steuererklärung.

      Gruß, Der Privatier

  3. Hallo lieber Privatier, Dirk und Hardy, besten Dank für die Antworten.Bitte seht nochmal auf meine Daten
    letzter Arbeitstag der 31.12.2016
    Auszahlung der Abfindung im Januar 2017
    In 2017 Dispositionsjahr(Arbeitsamt hat hierzu einen Vordruck und sich dies schriftlich bestätigen lassen)
    Arbeitslosengeld ab 02.01.2018

    Dies dem Arbeitgeber schriftlich mitgeteilt.
    Mein Steuerberater und mein Finanzamt sagen, Abrechnung nach Steuerklasse 4

    Arbeitgeber beharrt darauf das er in Steuerklasse 6 abrechnen muss!!!
    Zitat vom Arbeitgeber :
    Im Januar 2017 sind wir nicht mehr Ihr Haupt-Arbeitgeber, damit müssen wir Sie nach Steuerklasse 6 versteuern. Das bedeutet für Sie im Januar einen höheren Abzug, den Sie im Rahmen Ihrer Jahreseinkommenssteuererklärung aber wieder korrigieren können. Eine Versteuerung nach einer anderen Steuerklasse belässt das Risiko, dass zu wenig Steuern abgeführt wurden, weil Sie in 2017 doch noch anderes Einkommen erzielen, beim Unternehmen.
    Ich habe keinen Grund, Ihrer Aussage, dass Sie in 2017 keine anderen Einkünfte haben werden, nicht zu glauben, kann aber nicht das Unternehmen in ein Risiko setzen
    Zitatende….

    Natürlich wäre dies nur ein Darlehen an Vater Staat und ich bekomme es in 2018 wieder aber obwohl mein arbeitgeber ein Konzern ist und sich extra schlau gemacht hat ,kommt er zu diesem ergebnis.
    meine Frage zielte daher eher darauf ab ,wie kann ich Ihn daran hinder, Umgang ist freundlich aber ist er einfach nur inkompetent ? kann ich mir bei der Größe nicht vorstellen, wisst Ihr noch Rat wie ich Ihn überzeugen kann ??
    beste Grüße Matthias

    • Hallo Matthias,

      ich war bei einem großen Versicherungskonzern beschäftigt. Dort gab es das Problem nicht. Die Personalabteilung war wohl geübter im gesamten Ablauf.
      Schlag Deinem AG doch vor, er soll im Januar, zum Zeitpunkt seines Lohn-Laufes, als Haupt-Arbeitgeber die ELSTAM-Abfrage machen. Dann müsste er doch sehen, dass dort kein anderer, z.B. die Arbeitsagentur, gemeldet ist.

      Viel Glück, Hardy

    • Hallo Matthias,

      ich bin (noch) bei einer großen Bank beschäftigt und die Antworten waren nahezu die gleichen. Ich denke, dass gerade in Großkonzernen alles standardisiert ist und die Mitarbeiter zur Risikovermeidung erzogen werden, d.h. möglichst nicht vom vorgegebenen Pfad abweichen. (siehe Dein Zitat)

      Kein Mitarbeiter bekommt eine bessere Beurteilung, eine Beförderung oder mehr Bonus, wenn er sicht für Dich (der die Firma verlässt) aus dem Fenster lehnt. Aber wenn etwas schief geht, kann es jede Menge Ärger geben. Das ist dann erstmal weniger eine Frage der Kompetenz, sondern der Incentives.

      Hast Du mit dem eigentlichen Sachbearbeiter, der die Lohnverrechnung macht, gesprochen oder bist Du von einem anderen „Manager“ abgeblockt worden? Vielleicht lohnt es sich, noch tiefer in die Organisation vorzudringen bis zum echten Kompetenzzentrum zu dem Thema.

      Viel Erfolg,
      Dirk

    • Hallo Matthias,

      „Eine Versteuerung nach einer anderen Steuerklasse belässt das Risiko, dass zu wenig Steuern abgeführt wurden, weil Sie in 2017 doch noch anderes Einkommen erzielen, beim Unternehmen.“

      Ich frage mich, wann dieses „Risiko“, und zu wessen Lasten, eintritt.
      Meiner Ansicht nach trägt das Risiko der Steuerpflichtige; also Du. Im Endeffekt wird das Finanzamt, allerdings um ein Jahr versetzt, sagen, was der richtige Steuerbetrag ist.

      Wie weiter unten gesagt wird, scheint es sich um ein Kompetenzproblem zu handeln.

      Viele Grüße, Hardy

  4. Moin,

    ich bin zum 31.12.2017 mit einer Abfindung dran. Unsere Gehaltsabteilung (grosse Versicherung in Hamburg) hat mir versichert dass die Abfindung in der bisherigen Steuerklasse versteuert wird wenn ich (z. B. per eMail) bestätige dass im Folgejahr kein Arbeitsverhältnis angestrebt wird (sonst STK 6).
    Demnach hat der AG Handlungsspielraum.

    Gruss
    Ossi

  5. @Matthias,

    eigentlich ist das Verfahren für den Lohnsteuerabzug im §39b EStG eindeutig geregelt. Dort ist u.a. festgelegt, dass die Fünftelregel angewandt werden muss und auch, dass die aktuellen Steuerklasse verwendet werden muss: „Für die Lohnsteuerberechnung ist die als Lohnsteuerabzugsmerkmal mitgeteilte Steuerklasse maßgebend.“

    Vielleicht hilft ja ein (nochmaliger) Hinweis auf die gesetzliche Regelung?
    Wenn nicht, sehe ich aber wenig Chancen, denn in einem solchen Fall mit einem Gerichtsprozess zu drohen, halte ich für wenig hilfreich. Dann wird wohl nur das Abwarten auf den Steuerbescheid bleiben.

    Ich selber war übrigens auch in einem internationalen Konzern mit ca. 130.000 Mitarbeitern angestellt und bei mir waren sowohl die Anwendung der Fünftelregel, als auch die „normale“ Steuerklasse (bei mir: drei) ohne jede Zweifel. Und das sogar quasi automatisch, also ohne spezielle Nachfrage oder Forderung von mir.
    Es hat also mit „Größe“ oder „Konzern“ nichts zu tun.

    Gruß, Der Privatier

  6. zunächst erstmal für das Feedback meinen Dank an die Herren Privatier,Hardy,Ossy und Dirk.
    Kurzer zwischenstand, nach einem freundschaftlichem Telefonat mit meinem Arbeitgeber wende ich mich ans Finanzamt, Huíntergrund, der AG hat von einer führenden wirtschaftsberatung seinen Kenntnisstand und geht dann natürlich den sicheren Weg.Ich will mal versuchen ob das Finanzamt mir und damit dem AG was schriftliches zukommen assen kann worauf der AG sich dann stützen kann.
    Übers Ergebnis werde ich berichten.

    Nun noch zum Thema Erfahrungen mit dem Dispositionsjahr,
    von meinem Arbeitsamt habe ich einen Vordruck zugesendet bekommen in dem ich per Unterschrift erkläre das :

    Mein Anspruch auf Arbeitslosengeld am 01.01.2018 entstehen.

    Damit ist für das Arbeitsamt die Sache bearbeitet,natürlich übernimmt das AA keinerlei Leistungen wie Kranken,-Renten und Pflegeversicherung

    also recht easy…

    Beste Grüße und echt gutes Forum

  7. Hallo liebe Forumteilnehmer,insbesondere der Privatier Herr Ranning,Ossi,Hardy und Dirk

    das Thema der Steuerklasse hat nun ein gutes Ende gefunden, das Finanzamt hat mir die ELSTAM Daten also die aktuellen Lohnsteuerabzugsmerkmale zugesendet, diese nebst den anderen Fakten in diesem Forum zusammengetragen meinem Arbeitgeber mitgeteilt führten zu der Einsicht und Lernerfahrung auf seiner Seite.
    Meinen herzlichen Dank und ein gesundes neues Jahr 2017 als Privatier an alle
    Matthias

    • Wow! Sehr gut. Freut mich zu hören.

      Es zeigt aber eben auch, dass neben dem Wissen und den Tipps (die wir hier alle gerne vermitteln) auch immer ein gewisses Maß an Eigeninitiave, Hartnäckigkeit und ein unbedingter Wille, sich auch gegen Widerstände von sogenannten Fachleuten (z.B. in der Personalabteilung) durchzusetzen, erforderlich sind. Gut gemacht!

      Gruß, Der Privatier

  8. Hallo Privatier und alle anderen Beteiligten, die absolut hilfreiche Informationen geben. Vorab herzlichen Dank dafür!!
    Sehr wahrscheinich stehe ich auch vor dem „Problem“ mit einer Abfindung aus dem Beschäftigungsverhältnis zu scheiden. Bin 55 1/2 Jahre alt und schwerbehindert (was für den frühestmöglichen Renteneintritt wichtig ist der demnach der 01.01.2023 wäre).
    Wenn möglich möchte ich das Dispositonsjahr nutzen.
    Derzeit bin ich aber noch arbeitsunfähig geschrieben, Krankengeldbezug dann ab Mitte Januar 2017. Wie verhält es sich da?
    Arbeitslosmeldung sofort, dann Beginn des Dispositionsjahres? Oder Beginn des Dispositionsjahres erst nachdem ich wieder arbeitsfähig bin und solange Krankengeldbezug?
    Als wenn alles nicht schon so kompliziert genug wäre 🙂

    • Ich würde zu diesem Thema ganz gerne auf eine Diskussion verweisen, die vor einiger Zeit Leser „Ralf“ angestossen hat: „Dispojahr nach Krankengeldbezug„.

      Ich habe damals auch einiges lernen können und daher sind diese Kommentare vielleicht zum Nachlesen ganz hilfreich. Am Ende übrigens auch noch mit einem Hinweis auf die Auswirkungen der ALG1-Höhe.

      Gruß, Der Privatier

  9. Hallo Privatier,

    vielen Dank für die umfangreichen Anregungen und auch meinerseits die Bestätigung, dass die beschriebene Vorgehensweise bzgl. Zeitpunkt der Abfindungszahlung und vorteilhafte Nutzung eines Dispositionsjahres funktioniert. Ergänzen möchte ich noch den Hinweis, dass sich auch die Krankenkassenbeiträge noch während des Dispositionsjahres wieder massiv senken lassen.

    Nachstehend meine Aktivitäten in chronologischer Aufstellung:

    Allgemein:
    Jahrgang 1957, seit 1990 Mitarbeiter in einem großem deutschen Industrieunternehmen, 2015 bereitwilliges „Opfer“ einer umfangreichen Personalanpassungsmaßnahme

    09.04.2015 Aufhebungsvertrag zum 31.12.2015 unterschrieben mit Abfindungszahlung im Januar 2016
    29.01.2016 Abfindung erhalten, korrekt versteuert nach 5tel-Regelung

    Arbeitsamt:
    29.09.2015 Telefongespräch mit Agentur für Arbeit, Zentrale:
    – Info über Aufhebungsvertrag
    – Ankündigung der Arbeitslosigkeit ab Januar 2016
    01.10.2015 Terminvereinbarung durch „persönlichen Betreuer“ im Arbeitsamt
    26.10.2015 Gespräch mit persönlichem Betreuer im Arbeitsamt:
    – grundlegende Infos über Arbeitslosigkeit
    – Datenerfassung
    28.10.2015 Telefongespräch mit Agentur für Arbeit, Leistungsstelle:
    – Detailinfos über die Nutzung, Vor- und Nachteile eines Dispositionsjahres
    – Bestätigung der korrekten Wahrnehmung eines Dispositionsjahres bei Arbeitslosmeldung spätestens zum 01.01.2017
    06.11.2015 Telefongespräch mit Agentur für Arbeit, Servicestelle:
    – Arbeitslosmeldung zum 01.01.2017 angekündigt

    31.10.2016 Antragsunterlagen für Arbeitslosengeld ab 01.01.2017 online ausgefüllt
    02.12.2016 Bewilligungsbescheid über 24 Monate Arbeitslosengeld erhalten

    16.01.2017 Gespräch mit persönlichem Betreuer im Arbeitsamt:
    – Korrektur der gespeicherten Daten
    – Hinweise bzgl. erwarteter Bewerbungsbemühungen
    – Auswahl möglicher Stellenangebote in der Datenbank der Agentur für Arbeit
    30.01.2017 erstes Arbeitslosengeld erhalten

    Krankenkasse:
    27.11.2015 Meldung über Aufhebungsvertrag an Krankenkasse (TK)
    17.12.2015 Info der TK über Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung ab Januar 2016 auf Basis der Abfindung (=> Höchstsatz mit 735€ pro Monat)
    12.11.2016 Meldung über aktuelle Einkommenssituation an TK
    16.11.2016 Info der TK über Reduzierung der Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung rückwirkend ab September 2016 auf 168€ pro Monat
    16.01.2017 Info der TK über Übernahme der Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung ab Januar 2017 durch Agentur für Arbeit

    Beste Grüße.
    Jürgen

    • Danke für die ausführliche Schilderung eines nahezu perfekten Ablaufs.

      „Nahezu“ deshalb, weil ich nicht so ganz nachvollziehen kann, warum der Beitrag für die KK erst so spät reduziert wurde? Gab es beim Ex-AG einen erhöhten Kündigungsschutz? Wurden also Kündigungszeiten nicht eingehalten?

      Aber ansonsten: Perfekt!

      Gruß, Der Privatier

      • Besten Dank für die Blumen!

        Und die „späte“ Reduzierung des Krankenkassenbeitrages war rein durch mich verschuldet: Ich bin davon ausgegangen, dass ich für das ganze Jahr 2016 den Höchstsatz bezahlen müsste. Erst durch ein Telefongespräch mit der KK in anderer Sache im November 2016 bin ich auf die Reduzierungsmöglichkeit aufmerksam geworden – und die KK (TK) hat dann ja auch noch rückwirkend zu meinen Gunsten gehandelt.

        Besser wäre es gewesen, gleich zu Beginn von 2016 bei der KK nach zu fragen, wie lange denn der Höchstsatz gezahlt werden muss.

        Beste Grüße.
        Jürgen

  10. Besten Dank an Privatier aber auch Kawahu,
    für mich ist bis dato noch unklar, ob das Dispojahr zwingend 12 Monate haben muss oder ob auch ein kürzerer Zeitraum z.B. 6 Monate vereinbart werden kann. Wenn ich am .1.04.2017 aus der Altersteilzeit ALG1 beantrage, muss ich mit eine Sperre von 3 Monaten rechnen und die ALG-Zahlungen reduzieren sich auf 18 Monate. Wenn ich dann – falls möglich – 6 Monate „Dispozeit“ nehme, könnte ich das wegdrücken. Damit bekäme zwar 6 Monate später, dafür aber 24 Monate ALG. Hat da jemand Erfahrung

    • Hallo WiBu,

      es gibt gar kein „Dispositionsjahr“.
      Man kann den Beginn der Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung bestimmen (disponieren). Die maximale Länge der Verschiebung beträgt ein Jahr; daher kommt der Begriff. Kürzere Zeiten sind auch möglich.
      Nach genau einem Jahr verfallen auch alle Sperrzeiten; deswegen wird das „Dispositionsjahr“ häufig genutzt.

      Die andere sinnvolle Anwendung einer Dispositionszeit ist, über eine Altersgrenze zu kommen und einen längeren ALG1-Anspruch zu haben. Z.B. 24 Monate, wenn man älter als 58 ist.

      Viele Grüße, Hardy

      • Hallo WiBu,

        die Konstruktion des „Dispositionsjahres“ kannst Du in Kapitel 9.3.2 nachlesen.
        Dort steht auch der Verweis auf den grundlegenden § 137 Abs. 2 SGB III.

        Viele Grüße, Hardy

    • Hardy hat hier eigentlich schon alles gesagt, deshalb nur ganz kurz:
      * Eine Dispozeit wird nicht „vereinbart“, sondern ist immer einzig und allein die eigene Entscheidung.
      * Nur wenn exakt ein Jahr eingehalten wird, entsteht der Vorteil hinsichtlich Sperr- und Ruhezeiten.
      * Nachzulesen sind die Zusammenhänge im Beitrag über das Dispojahr.

      Ich finde allerdings die Hintergründe zu der geschilderten Situation sehr viel interessanter. Denn Arbeitslosigkeit nach Altersteilzeit ist ja eher ungewöhnlich. Normalerweise sollte sich da ja die Rente anschließen, oder?
      Wenn dies hier offensichtlich nicht der Fall ist, schließe ich daraus, dass aufgrund einer geänderten Lebensplanung oder auch aufgrund von geänderten Gesetzen (Rente mit 63) der ursprünglich geplante Rentenbeginn nun aufgeschoben wurde.

      In einem solchen Fall muss man nicht zwingend mit einer Sperre rechnen! Es gibt zwar durchaus unterschiedliche Rechtsauffassungen (und auch unterschiedliche Urteile), ich bin aber der Meinung, dass die Chancen je nach Lage der Dinge doch recht gut aussehen, ohne eine Sperre davonzukommen. Womit sich dann andere Konstruktionen erübrigen dürften.

      Eine recht gute und umfangreiche Erläuterung zur aktuellen Rechtslage kann man beim DGB Rechtsschutz nachlesen.

      Gruß, Der Privatier

  11. Danke an alle Feedback-Geber, ich lerne täglich dazu. Es ist wohl evident, dass die Ruhe- oder Sperrzeit nur dann nicht greifen, wenn das Dispojahr auf den Tag genau mindesten ein Jahr beträgt. Terminlich betrachtet schon etwas haarig. Demnach erscheint es aussichtsreicher, sich auf eine schlüssige Darlegung der „wichtigen“ Gründe zu konzentriern, die eine geänderte Lebensplanung plausibel machen. Hier würden mich Erfahrungen interessieren, wo medizinische aber auch psychologische Hintergründe eine Rolle spielen. Ich bitte darum

  12. Auch ich stehe vor der Entscheidung, in absehbarer Zeit mit einer Abfindung das Unternehmen zu verlassen und recherchiere seit einigen Wochen in der Richtung.

    Dabei bin ich hier über die sehr interessante Idee eines Dipositionsjahres gestolpert und finde das in der Tat eine sehr interessante Möglichkeit, die Sperrfrist zu umgehen.

    Hier wurde ja bereits mehrfach erwähnt und davor gewarnt, dass eine Arbeitsunfähigkeit am Stichtag den gesamten Anspruch auf ALG1 verwirken kann.
    Gilt das denn wirklich nur für den Stichtag? Ich meine, dann ist das Risiko doch überschaubar; denn dann müsste ich ja schon wirklich sehr krank sein (Krankenhaus oder so) und würde ansonsten einfach nicht angeben, dass ich gerade eine Bronchitis oder sowas habe.

    Wenn ich erstmal im ALG1 Bezug stehe, hat es doch keine Auswirkungen mehr auf meinen Leistungsbezug, wenn ich arbeitsunfähig erkranke, oder?

    Wie ist denn das eigentlich mit dieser Sperrfrist? Die entfällt erst nach 12 Monaten, richtig? Nehmen wir an, ich will jetzt bezüglich Krankheitsrisiko auf Nummer sicher gehen und melde mich nicht erst nach einem Jahr, sondern schon nach 11 Monaten arbeitslos. Dann kann ja noch immer eine Sperrfrist zur Anwendung kommen. Bekäme ich dann die gesamten 12 Wochen aufgebrummt oder nur noch die restlichen 4 Wochen, die an der Jahresfrist fehlen?

  13. Hallo lieber Privatier, das passt ja wunderbar, vielen Dank. In den letzten Tagen schnüffle ich fast in jeder freien Minute in deinem Blog herum.
    Mir ist aber dazu noch ein anderer Aspekt eingefallen:
    Was ist denn wenn ich im letzten Jahr meines Anstellungsverhältnis durch eine Erkrankung ins Krankengeld falle. Bricht dann nicht das schöne Konstrukt für das Dispojahr zusammen? Ich bekomme dann ja nicht mehr die 12 Monate zusammen? Oder wird die Zeit des Krankengeldbezugs aus der Berechnung der Anwartschaft herausgerechnet und diese entsprechend verlängert oder mit fiktiven Daten aufgefüllt?

    Hat dazu jemand Erfahrungen? Ist meine Frage nachvollziehbar, oder sollte ich mit Beispieldaten aufwarten?

    Gruß, Sylvia

    • Zum Thema Krankengeld würde ich ganz gerne auf eine Diskussion verweisen, die vor einiger Zeit Leser „Ralf“ angestossen hat: „Dispojahr nach Krankengeldbezug“ .

      Ich habe damals auch einiges lernen können und daher sind diese Kommentare vielleicht zum Nachlesen ganz hilfreich. Am Ende übrigens auch noch mit einem Hinweis auf die Auswirkungen der ALG1-Höhe.

      Gruß, Der Privatier

  14. Hey danke, genau danach habe ich gesucht. Bei mir ist der Fall zwar etwas anders gelagert, da ich nicht „plane“, im Anschluss an mein Arbeitsverhältnis eine Krankheit auszukurieren, aber mein Gesundheitszustand lässt befürchten, dass ich in den letzten Arbeitsmonaten auch mal länger als 6 Wochen ausfallen könnte.
    Die Infos passen aber trotzdem.

      • Ja, den hatte ich beim Hangeln von Link zu Link inzwischen auch entdeckt.
        Was ich noch nicht gefunden habe, sind Erfahrungsberichte über die Alg1-Zeit, was Vermittlungsbemühungen betrifft und wie realistisch es ist, dass ich tatsächlich mit 58+ am Ende noch eine wesentlich schlechter bezahlte Stelle antreten muss.

        Gibt es dazu auch schon eine Diskussion?

        • Leider nicht. Ich habe auch schon mal die Leserschaft darum gebeten von Erfahrungen mit der AA in der ALG1-Zeit zu berichten, aber leider quasi ohne Erfolg.
          Deine Frage „… wie realistisch es ist, dass ich tatsächlich mit 58+ am Ende noch eine wesentlich schlechter bezahlte Stelle antreten muss“ verstehe ich nicht. Meinst du damit eigentlich, dass du eine Stelle ablehnen „musst“ und damit temporär kein ALG1 aufgrund einer Sperrzeit erhältst?
          Gruß, BigMac

          • Ich meine damit, dass ich ja mit dem Bezug von ALG1 meine Arbeitskraft dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stelle, auch wenn ich nicht allzu enttäuscht bin, wenn sich für mich kein passendes Stellenangebot finden sollte.
            Das bedeutet aber auch, dass ich grundsätzlich bereit sein sollte, eine entsprechende Stelle anzutreten.
            Ich muss doch sicher auch eine Stelle in Erwägung ziehen, die schlechter bezahlt ist, als meine bisherige.

            Eigentlich gehört diese Überlegung aber in den Beitrag zur Arbeitsagentur.

            @Privatier, es tut mir Leid, dass ich das Thema jetzt falsch platziert habe. Kannst du das irgendwie verschieben?

            Gruß, Sylvia

        • Also, ich lasse die Frage hier mal so stehen. Verschieben möchte ich immer ungern.

          Zur Frage der Erfahrungen: Ich denke, die sind SEHR unterschiedlich. Hin und wieder haben einzelne Kommentatoren schon einmal etwas berichtet. Das geht von mehreren „Maßnahmen“ bis hin zur „gar nichts“ (nicht einmal Bewerbungen…).

          Es liegt wohl sehr in der Hand der entsprechenden Mitarbeiter, was sie jeweils einfordern. Und darum wäre es sicher auch immer ratsam, sich um ein gutes Verhältnis zu bemühen.

          Ich selber habe an einer 2-wöchigen Maßnahme teilgenommen (Existenzgründung), habe in der Summe vielleicht max. 10 Vorschläge von der Agentur bekommen (eher weniger), wurde zwischendrin zu keinen Terminen eingeladen, nur jeweils am Anfang und am Ende.

          Gruß, Der Privatier

  15. Lieber Privatier und Leser dieses Blogs,
    erstmal vielen herzlichen Dank für diese Seite !! und ganz großes Kompliment!! Ohne Ihre Hilfe und Informationen auf dieser Seite wäre ich über viele Fallstricke gestolpert.

    Aber eine Frage hätte ich noch: meine Situation, seit 1.5. beziehe ich nach vielen Monaten Dispositionsjahr nun ALG 1.

    Jetzt würde ich gerne im Herbst eine Auszeit vom ALG 1 nehmen, so ca. 4-6 Wochen. D.h. ich müßte mich abmelden, in dieser Zeit meine KK-Beiträge und Rentenbeiträge selber zahlen, soweit denke ich alles klar.

    Aber wie genau funktioniert die ganze Prozedur, vor allem die des wieder anmeldens??
    Wie weit im voraus kann ich mich abmelden, d.h. kann ich z.B. am 10. August sagen ich melde mich zum 1. September ab, oder geht das nur ganz kurzfristig?

    Oder kann ich mich z.B. abmelden wenn ich mich gerade in einer Weiterbildungsmaßnahme vom Arbeitsamt befinde?

    Wenn ich mich dann nach den 6 Wochen meiner Auszeit wieder arbeitslos melde, muss ich wieder alles von vorne anfangen, sprich Antrag einreichen, Arbeitsbescheinigung vom letzten Arbeitgeber einreichen usw.

    Vielleicht könnt Ihr bitte meine Fragen beantworten und mir eine „Anleitung“ dieser Situation darstellen, vielleicht auch interessant für andere Leser dieses Blogs.

    Schon mal im Voraus ganz herzlichen Dank, ich bin ein begeisterter Leser dieser Seite!!
    Die besten Grüße

  16. Hallo Neues Leben,

    bitte mal lesen ab Seite 21: https://www3.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/groups/public/documents/webdatei/mdaw/mtm3/~edisp/l6019022dstbai377607.pdf

    Das bedeutet, die AfA kann Sie auf Antrag bis zu 6 Wochen „frei stellen“ ohne eine erneute komplette Antragsprozedur.
    Bis zu 3 Wochen im Jahr dürfen Sie eine „Ortsabwesenheit“ beantragen. Während dieser Zeit erhalten Sie weiterhin das ALG. Vielleicht reicht Ihnen sogar dieser Zeitraum, das wäre ganz unkompliziert. Meist wird ein kurzfristiger (ca 2 Wochen vorher) schriftlicher formloser Antrag zur „Zustimmung zur Ortsabwesenheit“ erwartet. Sprechen Sie ggf beim nächsten Termin mit Ihrem Sachbearbeiter bei der AfA, in der Regel sind die Bearbeiter nicht „weltfremd“.
    Hoffe, das hilft Ihnen schon mal.

    • Danke Penalty für die Hinweise, da kann ich mich kurzfassen und stichwortartig bestätigen:
      * Ortsabwesenheit muss beantragt werden, ALG1 läuft in dieser Zeit weiter.
      * Echte Unterbrechung (ohne ALG-Bezug) bis zu 6 Wochen ohne neuen Antrag.
      * Bei mehr als 6 Wochen neuer Antrag erforderlich, aber in jedem Fall auf den bestehenden Anspruch hinweisen!

      – Eine Abmeldung ist unkompliziert und kann jederzeit und auf unterschiedlichen Wegen erfolgen (persönlich, Mail, Telefon). Ich würde aber einen Weg bevorzugen, der auch nachweisbar ist.
      – Eine Abmeldung kann auch für einen späteren Zeitpunkt erfolgen. Das ist ja z.B. auch erforderlich, wenn man einen Arbeitsvertrag zum Anfang des folgenden Monats unterschrieben hat.
      – Eine Abmeldung kann sicher auch während einer Maßnahme gemacht werden. Halte ich aber für sehr ungeschickt und würde das nach Möglichkeit vermeiden. In diesem Falle ist ggfs. auch mit Sanktionen zu rechnen.

      Gruß, Der Privatier

  17. Liebe Penalty und Privatier,
    vielen herzlichen Dank für Ihre umfassende und prompte Antworten. Dies hat mir wieder mal sehr weitergeholfen !!

    Vor allem im Dschungel der deutschen „Beamtensprache“ bin ich immer wieder sehr froh, dass diese Dinge in diesem Forum in einer für den deutschen Durchschnittsmenschen verständlichen Sprache ausgedrückt werden.

    Vielen Dank und die allerbesten Grüße

  18. Hallo Privatier,
    auch von mir einen ganz herzlichen Dank für diese Website, die mir schon so einige interessante Tipps und Denkanstöße geliefert hat.
    Auch für mich wird die Idee des Privatiers so langsam interessant und das „Dispositionsjahr“, das ich vorher überhaupt nicht auf dem Schirm hatte, klingt verlockend.
    Im Unterschied zu den meisten Schreiberinnen und Schreibern hier liegt der „Fall“ bei mir etwas anders: ich werde selbst kündigen, eine Abfindung wird es nicht geben. Insofern stellt sich die Frage, ob auch in meinem Fall zwingend die exakt einjährige Pause zwischen Kündigung und Arbeitslosmeldung erforderlich ist, da außer der dreimonatigen Sperre des ALG I keine weiteren Ruhezeiten auftreten sollten. Oder habe ich was übersehen?
    Zweite Frage: Im letzten halben Jahr war ich aus eigenem Wunsch teilzeitbeschäftigt, davor drei Jahre Vollzeit. Bastelt die AFA zur Beitragsbemessung einen Mix aus Teil- und Vollzeitgehalt oder wie wird das gehandhabt?
    Praktischerweise werde ich dieses Jahr noch 55, so dass sich der Bezugsanspruch von 15 auf 18 Monate erhöhen wird…
    Herzliche Grüße
    Thomas

    • Hallo Thomas,

      neben der Sperre von drei Monaten kommt ggf. bei Eigenkündigung parallel noch die Kürzung der Bezugsdauer um ein Viertel noch hinzu …
      Vermutlich wissen Sie das schon bzw. haben Pläne wie Sie diese Kürzung vermeiden können.

      LG FÜR2012

    • „…stellt sich die Frage, ob auch in meinem Fall zwingend die exakt einjährige Pause zwischen Kündigung und Arbeitslosmeldung erforderlich ist…?“

      Die exakt einjährige Pause ist immer erforderlich, wenn Sperr- und/oder Ruhezeiten vermieden werden sollen. Ansonsten kann das jeder machen, wie er will (ich selber habe übrigens auch kein Dispojahr gemacht). Für weitere Überlegungen zum Dispojahr hinsichtlich Motive, Vorteile und Risiken möchte ich gerne auf die „Hinweise zum Dispojahr“ verweisen.

      Die Frage der Berechnung des ALG in Verbindung mit einer Teilzeittätigkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab. Unter bestimmten Bedingungen kann auch ein früheres Vollzeitgehalt berücksichtigt werden. Näheres dazu findet man im §150 SBG III, speziell Satz 2, Nr.5.

      Gruß, Der Privatier

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