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Kap. 4.6.2: Lebenserwartung und Finanzplan — 14 Kommentare

  1. Ich (61) habe mich mit diesen Fragen auch beschäftigt (ausgehend von 200k Altersersparnissen bei 0.00% Zins auf Tagesgeldkonto und der Überlegung, „das müsste auch besser möglich sein“).
    10j.Bundesanleihen bringen 0.5% Kupon, 30j. immerhin 1.25%, aber auch das ist kein Ausgleich für min. 2% Inflation.

    Konsequenzen:
    (1) sparsam/frugal/einfach leben, Konsum sanft reduzieren – das hat rund die Hälfte der Ersparnisse erst angehäuft. Mit der 2019 fälligen Rente könnte ich heute schon gut leben.
    (2) ertragreicher investieren, also in Wertpapiere, inkl. ETFs. Wie mehrfach hier berichtet 🙂
    (3) klare Verhältnisse: das Depot ist ein „Sondervermögen“, in das ich einzahle, aus dem ich aber nichts entnehme. Einzige Zweckbestimmung: Erbmasse für meine Töchter.
    (4) Ich verwalte das Depot also quasi für die Nachwelt, mehr aus sportlichem Interesse – wieviel Rendite erwirtschafte ich? 2% sollte sein, mehr ist erwünscht. Mit allem „Hedging“: Anleihen, REITs, Xetra-Gold, ausländische Nebenmärkte ausser DAX/S&P500…

    Das erleichtert meinen Finanzplan erheblich. Planen kann man an der Börse eh nichts. Also: ich lerne intensiv das praktische Wertpapiergeschäft und bemühe mich um „best effort“.

    Die Abschlussbilanz ist der Erbschein, den werde ich aber nicht mehr sehen. Obwohl ich gespannt wäre 😀

    • „Mit der 2019 fälligen Rente könnte ich heute schon gut leben.“

      Da wir uns ja hier schon eine Weile „kennen“, gehe ich davon aus, dass Du das schon richtig ausgerechnet hast.

      Und die meisten „normalen“ Rentner werden ja gar keine andere Wahl haben, als mit ihrer Rente irgendwie auszukommen. Notfalls eben durch Einschränkungen in der bisher gewohnten Lebensführung. Wer aber vor der Entscheidung steht, freiwillig vorzeitig seinen Job aufzugeben, sollte sich die Konsequenzen schon sehr gründlich und sorgsam ausrechnen.

      Ich selber habe zwar auch den Eindruck, dass ich keine überflüssigen Luxusausgaben tätige, auf gewisse Annehmlichkeiten und Komfort möchte ich aber auch nicht verzichten. Ein „frugales“ Leben möchte ich nicht führen. Aber das muss natürlich selber wissen und das soll auch keine Kritik sein.

      Gruß, Der Privatier

      • Der „Punkteplan“ oben hat sich halt historisch entwickelt. Etwas sparsam war ich zeitlebens, aber zugleich auf Mündelsicherheit fixiert.
        Vor rund 10 Jahren kamen dann mehrere Sachen zusammen:
        – Scheidung, Versorgungsausgleich bei der Rente
        – Krise in der Firma, Sozialplan im Entwurf… ALG-2 in Sicht 🙁
        – Radionachricht, dass das Rentenniveau ab 2030 auf 43% fallen würde
        Da habe ich dann mit verschärftem Sparen angefangen. 10 Jahre * 12 Monate * 1000 = 120000.

        Die Krise hat sich erstmal gegeben, kam vor 3 Jahren wieder. Da war ich dann „alt genug für ATZ“, und habe sie nach vielem Rechnen beantragt, und für 4 Jahre 4 Monate (bis 7.2019) bekommen. Das reduzierte Gehalt war für einen erfahrenen Sparer locker akzeptabel, die 1000 Sparrate habe ich weiter gehalten (aber kaum bis nicht verzinst auf Tagesgeldkonto).
        Seit der Freistellung 6.2017 bin ich mit 60+10 „Luxusprivatier“ mit der Hauptsorge, was ich mit der Zeit mache.

        Dieses Blog habe ich noch vor der ATZ entdeckt, und viel gelesen zu Themen, die damals in der Firma diskutiert wurden, wie Optionsjahr. Später wurde Rentenrecht interessant… und zuletzt halt Finanzwirtschaft. Alles da – vielen Dank für diese Informationsfülle 😀

    • Da muß ich Dich leider „enttäuschen“, der Erbschein ist nicht so spannend.
      Da stehen nur die Erben in der jeweiligen Beziehung zum Erblasser drauf (d.h. bei Dir die Töchter), natürlich ohne eine Auflistung der Erbmasse.
      Er d.h. seine Beantragung ist übrigens nur bei Immobilienbesitz verpflichtend, die meisten Banken verzichten auch darauf.

      VG,
      WobiInvest

    • Hallo Suchenwi, zum Glück brauchst Du
      dir dann bei zwei potentiellen Erben der Steuerklasse 1 mit je 400k € Freibetrag noch keine Sorgen über eine Doppelbesteuerung von Buchgewinnen durch Erbschaftssteuer zu machen. Es sei denn es läuft die nächsten 20 Jahre extrem gut, und das Depot knackt die 800 kann.

      • Genau, das beruhigt mich ja auch 🙂 Aber Steuerzahlen finde ich auch nicht schrecklich, das Geld wird halt gebraucht.

        Zum eigentlichen Thema dieser Seite: Lebenserwartung und Finanzplan. Letzteren „spare“ ich mir, wenn ich sicherstelle, dass ich immer weniger Geld brauche, als ich habe. Einziges Knockout-Risiko: stationärer Pflegefall…

        Lebenserwartung ist ein statistisches Mittel. Im Einzelfall kann ich morgen tot umfallen, oder in 39 Jahren die 100 erreichen (wobei meine Geschäftsfähigkeit ab 80 vermutlich stark abnehmen wird).
        Obwohl: unverwalteten Wertpapierdepots (z.B. von Toten) sagt man manchmal höchste Performance nach, weil Managementfehler nicht mehr möglich sind.

        Andererseits will ich meine Töchter auch nicht bis in deren Rentenalter warten lassen. Also muss ein Exit-Plan Finanzmarkt her – Schenkung „mit warmen Händen“, sobald ich nicht mehr will oder kann.

        • „Finanzplan… „spare“ ich mir, wenn ich sicherstelle, dass ich immer weniger Geld brauche, als ich habe.“

          Diese Aussage empfinde ich als etwas abenteuerlich! Denn wie stellt man so etwas denn sicher? Wenn man keinen Plan hat?

          Ich möchte eindringlich davor warnen, eine aktuelle Situation (z.B.: Meine Ausgaben werden zu 100% von der Rente gedeckt) einfach in die Zukunft fortzuschreiben.
          Ohne jetzt auf evtl. sich verändernde Gesetze eingehen zu wollen, sollte man aber auf keinen Fall die Inflation unterschätzen. Innerhalb eines Betrachtungszeitraumes von 2-3 Jahren spürt man das womöglich nicht. Über einen Zeitraum von 20 Jahren wirkt das aber spürbar.

          Als Beispiel nehme man einmal meinen eigenen Finanzplan:
          https://der-privatier.com/mein-eigener-finanzplan/

          Die dort zu sehende abfallende Kurve (bis hin zu Null) ist einzig und allein auf die Wirkung der Inflation zurückzuführen! Wenn ich einfach nur die Rechnung aufmachen würde: Ausgaben sind kleiner als Rente+Kapitalerträge, so würde die Kurve ständig ansteigen. Eine solche Rechnung ist zu einfach und kann ein böses Erwachen verursachen…

          Gruß, Der Privatier

          • Ich gebe zu, ich hatte den Begriff „Finanzplan“ anders verstanden – ich habe schon einen, bis 6.2022 (Regelrentenalter), basierend auf konkreten Werten: Entgeltpunkte, frw.Beiträge, Betriebsrentenzusagen usw.
            Danach hört für mich die Planbarkeit (im engeren Sinne) auf. Stillschweigend habe ich angenommen, dass Rentenerhöhungs- und Inflationsrate ungefähr gleiche Größenordnung haben.
            Das muss aber in der Tat nicht so sein.
            Bei angenommener Inflation von 2.5% und Rentenerhöhung von 0.5% ist natürlich eine deutliche Diskrepanz. Die würde aber alle Rentner treffen (und deren Anteil an den Wahlberechtigten wird weiter steigen…) – aber ich habe das Gefühl, dass ich so nicht „planen“ kann, allenfalls spekulieren. Tu ich inzwischen ja auch – in Wertpapieren… 🙂
            Bertolt Brecht, Dreigroschenoper:
            „Ja mach nur einen Plan,
            und sei ein großes Licht.
            Und mach noch einen zweiten Plan.
            Gehn tun sie beide nicht.“

            Oder der ganz generische Plan (zyklisch zu wiederholen):
            (1) Vorräte, Rücklagen usw. anlegen
            (2) Entwicklung beobachten
            (3) auf Entwicklung reagieren…

            Aber Vorhersagen auf z.B. 2038 (T+20) mit hoher Eintrittswahrscheinlichkeit traue ich mir einfach nicht zu.

          • Naja, ich habe auch nicht den Anspruch, dass mein Plan die nächsten 20 Jahre ohne Änderung übersteht. Und natürlich beinhaltet er eine Menge Unsicherheiten (von mir aus, nenne es: Spekulation).

            Ebenso natürlich ist es, dass jeder ein eigenes Bedürfnis von Plan/Sicherheit entwickelt. Es gibt durchaus (auch hier im Blog) andere Meinungen, die einen noch viel detaillierteren Plan gemacht haben, als ich es gemacht habe. Weil die einen noch höheren Grad an Sicherheit haben möchten.

            Und wenn es jemand einfacher haben will, ist das auch okay. Ich halte es nur für meine Pflicht, eine Warnung auszusprechen, wenn ich das Gefühl habe, das eine Rechnung womöglich zu einfach sein könnte. Es besteht immer die Gefahr, dass das jemand nachmacht…

            Gruß, Der Privatier

          • Gut, da können wir uns wieder einigen. Lineare Extrapolation der Gegenwart passt nicht unbedingt für die Zukunft; mit pessimistischen Annahmen erhöht man die Chance, angenehm überrascht zu werden…
            Als „zweiten Plan“ habe ich natürlich noch das steigende „Sondervermögen“ (Wertpapiere, aktuell 111k), aus dem ich nichts entnehmen will, sondern es soll in die Erbmasse gehen.
            In existentieller Not kann ich aber auch diese „Geschäftsbedingungen“ ändern, und doch soviel entnehmen, wie ich brauche.
            Insofern ist eine Rückfallebene vorhanden. Aber mit meiner noch recht kurzen Erfahrung im Wertpapiergeschäft will und kann ich da nichts planen.
            Ich lerne halt das G’schäft weiter und bemühe mich um „best effort“…
            Auch ein Plan, nur nicht in Excel präsentabel 🙂

          • „Insofern ist eine Rückfallebene vorhanden.“

            Jaja. Ich habe das Thema hier auch nur deshalb noch einmal aufgegriffen, weil ich weiter oben gelesen habe, dass Du u.U. eine „Schenkung ‚mit warmen Händen'“ ins Auge fasst. Damit verschenkst Du dann die Rückfallebene…

            Gruß, Der Privatier

          • Stimmt.. das war widersprüchlich.
            Der nicht unwahrscheinliche Fall von Geschäftsunfähigkeit und Pflegebedürftigkeit kann natürlich schwer geplant werden.
            Eine Planvariante, die ich überlege, ist massive GRV-Überversicherung.. also jeweils bis Grenzwert freiwillig einzahlen, solange möglich (und mit Flexirente 99 kann man das auch noch nach Regelrentenalter).
            Wirtschaftlich eigentlich blöd, denn man zahlt Beiträge aus versteuertem und SV-verbeitragtem Einkommen, um die Rente (weit über Bedarf) zu erhöhen, auf die wiederum Steuern und SV-Beiträge anfallen.
            Bei der Pflegeversicherung gibt es ja auch leider keine „Entgeltpunkte“..
            Andererseits reduzieren frw. GRV-Beiträge das zvE, das in der Rente eh nicht mehr so üppig ist, so dass ESt+Soli+KiSt dann gegen 0 gehen sollten.
            Aber für Pflegeheimkosten wird zunächst die Rente herangezogen. (Größenordnung derzeit 3k/mo, habe ich gelesen – da muss man schon verdammt viele, knapp 100 Entgeltpunkte sammeln…)
            Vielleicht gibt es dann z.B. aus der Ukraine günstigere Angebote.
            Schwierig, das alles… 🙁

          • Ich habe übrigens vor einiger Zeit hier auch ein paar Beiträge zum Thema „Pflegeversicherung“ geschrieben. Die Beiträge sind zwar inzwischen schon etwas veraltet und konkrete Zahlen und Einstufungen inzwischen etwas anders – aber die grundsätzlichen Überlegungen haben sicher immer noch Gültigkeit.

            Gruß, Der Privatier

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