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Kap. 7.3: Die Rürup-Rente – Prinzip und Förderung — 10 Kommentare

  1. Hallo,

    ich lese schon länger mit und habe viele interessante Anregungen bekommen.
    Mich würde mal ein Beispiel für die maximale Rürup-Ausnutzung bei einer höheren Abfindung interessieren; z.B. 150.000,- €. Besonders, wenn außer der Abfindung nur ein geringes Einkommen, z.B. der Ehefrau, die halbtags arbeitet, hinzukommt, beispielsweise 15.000,- €.

    Vielen Dank

    • Ich nehme einmal an, die Frage bezieht sich auf die steuerlichen Auswirkungen?

      Nun – wenn wir zunächst einmal annehmen, dass a) die Abfindung im Folgejahr nach dem Ausscheiden aus der Firma gezahlt wird und b) die Fünftelregel zur Anwendung kommt, dann sähe die Steuer (vereinfacht) zunächst einmal wie folgt aus:

      Einkommen ohne Abfindung: 15.000 €, Steuer darauf: 0 €
      Zuzüglich 1/5 Abfindung: 45.000 €, Steuer darauf: 6.730 €
      Differenz mal fünf: 6.730*5 = 33.650 € EkSt. zzgl.KiSt. und Soli

      Werden die von der Ehefrau bereits gezahlten Altersvorsorge-Beiträge aber mit einem Rürup-Vertrag auf max. 40.000 € aufgestockt, können in 2014 davon 78% (=ca. 31.000 €) als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden.
      Danach sieht die Rechnung wie folgt aus:

      Einkommen ohne Abfindung: 15.000 €, abzgl. Sonderausgaben i.H.v. 31.000, Ergibt negatives Einkommen, Steuer darauf: 0 €
      Einkommen mit Abfindung: 165.000 €, abzgl. Sonderausgaben i.H.v. 31.000, Ergibt zu verst. Einkommen v. 134.000 €,
      Nach Fünftelregel: 1/5 von 134.000€ = 26.800€, Steuer darauf: ca. 2.000 €, Differenz mal fünf: 2.000*5 = 10.000 € EkSt. zzgl.KiSt. und Soli

      Im Ergebnis fast 24.000 Euro Steuern gespart. Oder anderes herum: Es müssen „nur“ 16.000 Euro selber eingezahlt werden.

      Alle Angaben natürlich ohne Gewähr, vereinfacht und nur als allgemeines Beispiel zum Verständnis der Rechenschritte.

      Gruß, Der Privatier

  2. Ja, es ging genau um die steuerlichen Auswirkungen; die Annahmen stimmen auch. Bei dieser Konstellation geht meiner Meinung nach eigentlich kein Weg an einem Rürup-Vertrag vorbei.
    Vielen Dank für die Klärung.

    • Bei einer hohen Abfindung halte ich die Rürup-Versicherung in Kombination mir der Fünftelregelung für eine ideale Möglichkeit, die ansonsten schmerzhafte Steuer in die eigenen Altersvorsorge umzuwandeln.
      Aber im o.g. Fall bitte daran denken, dass die Beiträge der Ehefrau (inkl. AG-Anteil) zur Altersvorsorge ebenfalls mit zur Maximalgrenze von 40.000 € zählen!

      Gruß, Der Privatier

  3. Hallo Privatier,
    auf der Suche nach einer Optimierung von Steuern bin ich auf diesen Blog gestoßen.Mir wurde eine Abfindung von 200,000€ Brutto angeboten. Die interne Beratung hat mir nach der Fünftelreglung,Auszahlungstermin in Janauer und eine Einzahlung von 30000€ aus dem Bruttobetrag in meine Altersvorsorge einen Nettobetrag von 154000€ berechnet. Meine Frau verdient Ca.42000€ im Jahr. Kann ich den Riestervertrag meiner Frau in einen Rürup-Vertrag umwandeln und einen Betrag von 40000€ auf einmal einzahlen, um die Steuerlast zu verringern?

    Danke und viele Grüße,
    Achim

    • Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu einer ganzen Reihe guter Ausgangspositionen:
      1. Diese Seite gefunden! Sehr gut.
      2. Abfindung von 200T€. Super.
      3. Auszahlung im Folgejahr. Top.
      4. Fünftelregelung. Prima.

      Jetzt zur Frage: Einen Riester-Vertrag in einen Rürup-Vertrag „umwandeln“ wird ganz sicher nicht gehen. Das sind zwei völlig verschiedende Dinge. Umwandeln geht da ganz sicher nicht.
      Was natürlich immer geht: Den einen Vertag ruhen lassen und einen neuen abschliessen.

      Ich möchte allerdings ein paar Dinge zu bedenken geben:
      a) Die maximale Summe in Rürup einzahlen wäre schlecht. Denn zum Maximum zählen auch die Beiträge der Frau zur gesetzl. RV. Die müsste man vorher schon einmal abziehen.
      b) Bei der betriebl. AV wird es etwas schwierig, da es oft unterschiedliche Behandlungen der versch. Durchführungswege gibt, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass diese Beiträge auch bei dem Maximum für Rürup berücksichtigt werden!
      Und wenn dann schon 30T€ in die bAV gehen und die Beiträge der Ehefrau – da bleibt nichts mehr übrig.
      c) Ich habe grundsätzliche Bedenken, was die Kombination von (Teil-)Abfindung in eine bAV und Fünftelregel angeht!
      Voraussetzung für die 5tel-Regel ist nämlich, dass die Abfindung in einer Summe ausgezahlt wird. Bei einer bAV sieht das FA den Zufluss aber (wieder unterschiedlich je nach Durchführung) u.U. erst bei der Zahlung der Rente. Damit: Nicht in einer Summe. Und damit keine Fünftelregel.
      Zur Frage des Zuflusses siehe auch: BMF Schreiben vom 04.02.2000

      Ich habe aber selber mit der bAV so gut wie keine eigene Erfahrung. Rede also hier nur theoretisch. Ich kann daher immer wieder nur empfehlen, im Zweifelsfalle einen Steuerberater zu fragen. Bei der o.g. Summe sollte das drin sein.

      Gruß, Der Privatier

  4. Hallo,

    ich möchte mal wissen was ich in die Rürup einzahlen müsste von meine Abfindung um die max. Steuerentlasstung zu bekommen.

    Eckdaten:
    115.000.-p.a. Einkommen Abfindung 90.000.-€ und im Jahr der Abfindungszahlung Einkommen 112.000.-p.a. Frau 39.000.-p.a
    Bei Abschluß der Rürup – Vertrag wie hoch muss die Einmalzahlung sein und muss der Vertrag vo dem Ausscheiden aus der alten Firma erfolgen.(Austritt 31.03.2016)

    Herzliche Dank für Ihre Mühe

    Peter

    • Der Höchstbetrag für die steuerliche Berücksichtigung einer Altersvorsorge (z.B. Rürup-Rente) beträgt für 2016: 22.766 Euro.
      Der maximale Steuervorteil (2016: 82%) beläuft sich damit auf 18.668 Euro. Für Verheiratete gilt jeweils die doppelte Summe. Sie können also bis zu 37.336 Euro von der Steuer absetzen.
      Aber Vorsicht: Wenn Sie (und Ihre Frau) für 2016 Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit haben, werden davon ja in der Regel bereits AG-/AN-Anteile für die gesetzliche Rentenversicherung einbehalten. Diese Beiträge (alle) müssten Sie vorher von der maximalen Summe abziehen! Da bleibt dann leider oft nicht mehr allzu viel übrig.
      Wann Sie den Vertrag abschließen spielt dabei keine Rolle.

      Wenn Rürup aus o.g. Gründen evtl. nicht so attraktiv ist, könnten Sie auch überlegen, etwas in die gesetzliche RV einzuzahlen. Die o.g. Einschränkungen bleiben allerdings dieselben. Falls das für Sie in Frage kommen sollte, bitte unbedingt vorher mit der RV einen Beratungstermin vereinbaren.

      Rürup wird aus meiner Sicht nur dann wirklich interessant, wenn man auch wirklich eine möglichst hohe Summe einzahlen kann.

      Gruß, Der Privatier

  5. Lieber Privatier,
    Zur Verknüpfung des Rürupeffektes mit dem Einkommen/den Altersvorsorgebeiträgen der Ehefrau: könnte es nicht helfen, statt einer gemeinsamen Veranlagung im Jahr der Abfindungszahlung eine Einzelveranlagung zu wählen?

    Der geplante Fall:
    meine Frau und ich verdienen jeder ca. 100.000 p.a.; dazu nur Kapitalerträge unter 10K. Derzeit gemeinsame Veranlagung.
    Plan: Abfindungszahlung ca. 240.000 im Januar 2017, Fünftelregelung und ich mache maximale Einmalzahlung in Rürup. Zusammen mit den PKV Beiträgen müßte der Effekt stark sein. Der Schaden des Verzichts auf Zusammenveranlagung wird dadurch gemildert, dass meine Frau über doppelte Haushaltsführung die Steuerlast reduzieren kann.

    Danke für die sehr interessanten Seiten, bin erst am Anfang und werde sicher das Buch erwerben

    • Eine Einzelveranlagung sollte man auf jeden Fall immer einmal überprüfen (lassen).
      Die Faustregel lautet: Eine Einzelveranlagung ist normalerweise nachteilig, außer in speziellen Sondersituationen.
      Und eine Abfindung zählt ganz klar zu diesen Sonderfällen!

      Eine Prognose ist schwierig bis unmöglich, daher sollte man die Zahlen einfach einmal durchrechnen. Kann man selber mit einem geeigneten Steuerprogramm oder auch mit der kostenlosen Elster-Software. Oder einmal einen Steuerberater fragen.
      Zu bedenken ist natürlich, dass bei der Einzelveranlagung dann auch nur der einfach Rürup-Betrag angesetzt werden kann.

      Ein paar weitere Überlegungen zur Einzelveranlagung habe ich in einem gesonderten Beitrag „Die Einzelveranlagung“ veröffentlicht.

      Gruß, Der Privatier

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