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Kap. 7.3: Die Rürup-Rente – Prinzip und Förderung — 48 Kommentare

  1. Hallo,

    ich lese schon länger mit und habe viele interessante Anregungen bekommen.
    Mich würde mal ein Beispiel für die maximale Rürup-Ausnutzung bei einer höheren Abfindung interessieren; z.B. 150.000,- €. Besonders, wenn außer der Abfindung nur ein geringes Einkommen, z.B. der Ehefrau, die halbtags arbeitet, hinzukommt, beispielsweise 15.000,- €.

    Vielen Dank

    • Ich nehme einmal an, die Frage bezieht sich auf die steuerlichen Auswirkungen?

      Nun – wenn wir zunächst einmal annehmen, dass a) die Abfindung im Folgejahr nach dem Ausscheiden aus der Firma gezahlt wird und b) die Fünftelregel zur Anwendung kommt, dann sähe die Steuer (vereinfacht) zunächst einmal wie folgt aus:

      Einkommen ohne Abfindung: 15.000 €, Steuer darauf: 0 €
      Zuzüglich 1/5 Abfindung: 45.000 €, Steuer darauf: 6.730 €
      Differenz mal fünf: 6.730*5 = 33.650 € EkSt. zzgl.KiSt. und Soli

      Werden die von der Ehefrau bereits gezahlten Altersvorsorge-Beiträge aber mit einem Rürup-Vertrag auf max. 40.000 € aufgestockt, können in 2014 davon 78% (=ca. 31.000 €) als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden.
      Danach sieht die Rechnung wie folgt aus:

      Einkommen ohne Abfindung: 15.000 €, abzgl. Sonderausgaben i.H.v. 31.000, Ergibt negatives Einkommen, Steuer darauf: 0 €
      Einkommen mit Abfindung: 165.000 €, abzgl. Sonderausgaben i.H.v. 31.000, Ergibt zu verst. Einkommen v. 134.000 €,
      Nach Fünftelregel: 1/5 von 134.000€ = 26.800€, Steuer darauf: ca. 2.000 €, Differenz mal fünf: 2.000*5 = 10.000 € EkSt. zzgl.KiSt. und Soli

      Im Ergebnis fast 24.000 Euro Steuern gespart. Oder anderes herum: Es müssen „nur“ 16.000 Euro selber eingezahlt werden.

      Alle Angaben natürlich ohne Gewähr, vereinfacht und nur als allgemeines Beispiel zum Verständnis der Rechenschritte.

      Gruß, Der Privatier

  2. Ja, es ging genau um die steuerlichen Auswirkungen; die Annahmen stimmen auch. Bei dieser Konstellation geht meiner Meinung nach eigentlich kein Weg an einem Rürup-Vertrag vorbei.
    Vielen Dank für die Klärung.

    • Bei einer hohen Abfindung halte ich die Rürup-Versicherung in Kombination mir der Fünftelregelung für eine ideale Möglichkeit, die ansonsten schmerzhafte Steuer in die eigenen Altersvorsorge umzuwandeln.
      Aber im o.g. Fall bitte daran denken, dass die Beiträge der Ehefrau (inkl. AG-Anteil) zur Altersvorsorge ebenfalls mit zur Maximalgrenze von 40.000 € zählen!

      Gruß, Der Privatier

  3. Hallo Privatier,
    auf der Suche nach einer Optimierung von Steuern bin ich auf diesen Blog gestoßen.Mir wurde eine Abfindung von 200,000€ Brutto angeboten. Die interne Beratung hat mir nach der Fünftelreglung,Auszahlungstermin in Janauer und eine Einzahlung von 30000€ aus dem Bruttobetrag in meine Altersvorsorge einen Nettobetrag von 154000€ berechnet. Meine Frau verdient Ca.42000€ im Jahr. Kann ich den Riestervertrag meiner Frau in einen Rürup-Vertrag umwandeln und einen Betrag von 40000€ auf einmal einzahlen, um die Steuerlast zu verringern?

    Danke und viele Grüße,
    Achim

    • Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu einer ganzen Reihe guter Ausgangspositionen:
      1. Diese Seite gefunden! Sehr gut.
      2. Abfindung von 200T€. Super.
      3. Auszahlung im Folgejahr. Top.
      4. Fünftelregelung. Prima.

      Jetzt zur Frage: Einen Riester-Vertrag in einen Rürup-Vertrag „umwandeln“ wird ganz sicher nicht gehen. Das sind zwei völlig verschiedende Dinge. Umwandeln geht da ganz sicher nicht.
      Was natürlich immer geht: Den einen Vertag ruhen lassen und einen neuen abschliessen.

      Ich möchte allerdings ein paar Dinge zu bedenken geben:
      a) Die maximale Summe in Rürup einzahlen wäre schlecht. Denn zum Maximum zählen auch die Beiträge der Frau zur gesetzl. RV. Die müsste man vorher schon einmal abziehen.
      b) Bei der betriebl. AV wird es etwas schwierig, da es oft unterschiedliche Behandlungen der versch. Durchführungswege gibt, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass diese Beiträge auch bei dem Maximum für Rürup berücksichtigt werden!
      Und wenn dann schon 30T€ in die bAV gehen und die Beiträge der Ehefrau – da bleibt nichts mehr übrig.
      c) Ich habe grundsätzliche Bedenken, was die Kombination von (Teil-)Abfindung in eine bAV und Fünftelregel angeht!
      Voraussetzung für die 5tel-Regel ist nämlich, dass die Abfindung in einer Summe ausgezahlt wird. Bei einer bAV sieht das FA den Zufluss aber (wieder unterschiedlich je nach Durchführung) u.U. erst bei der Zahlung der Rente. Damit: Nicht in einer Summe. Und damit keine Fünftelregel.
      Zur Frage des Zuflusses siehe auch: BMF Schreiben vom 04.02.2000

      Ich habe aber selber mit der bAV so gut wie keine eigene Erfahrung. Rede also hier nur theoretisch. Ich kann daher immer wieder nur empfehlen, im Zweifelsfalle einen Steuerberater zu fragen. Bei der o.g. Summe sollte das drin sein.

      Gruß, Der Privatier

  4. Hallo,

    ich möchte mal wissen was ich in die Rürup einzahlen müsste von meine Abfindung um die max. Steuerentlasstung zu bekommen.

    Eckdaten:
    115.000.-p.a. Einkommen Abfindung 90.000.-€ und im Jahr der Abfindungszahlung Einkommen 112.000.-p.a. Frau 39.000.-p.a
    Bei Abschluß der Rürup – Vertrag wie hoch muss die Einmalzahlung sein und muss der Vertrag vo dem Ausscheiden aus der alten Firma erfolgen.(Austritt 31.03.2016)

    Herzliche Dank für Ihre Mühe

    Peter

    • Der Höchstbetrag für die steuerliche Berücksichtigung einer Altersvorsorge (z.B. Rürup-Rente) beträgt für 2016: 22.766 Euro.
      Der maximale Steuervorteil (2016: 82%) beläuft sich damit auf 18.668 Euro. Für Verheiratete gilt jeweils die doppelte Summe. Sie können also bis zu 37.336 Euro von der Steuer absetzen.
      Aber Vorsicht: Wenn Sie (und Ihre Frau) für 2016 Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit haben, werden davon ja in der Regel bereits AG-/AN-Anteile für die gesetzliche Rentenversicherung einbehalten. Diese Beiträge (alle) müssten Sie vorher von der maximalen Summe abziehen! Da bleibt dann leider oft nicht mehr allzu viel übrig.
      Wann Sie den Vertrag abschließen spielt dabei keine Rolle.

      Wenn Rürup aus o.g. Gründen evtl. nicht so attraktiv ist, könnten Sie auch überlegen, etwas in die gesetzliche RV einzuzahlen. Die o.g. Einschränkungen bleiben allerdings dieselben. Falls das für Sie in Frage kommen sollte, bitte unbedingt vorher mit der RV einen Beratungstermin vereinbaren.

      Rürup wird aus meiner Sicht nur dann wirklich interessant, wenn man auch wirklich eine möglichst hohe Summe einzahlen kann.

      Gruß, Der Privatier

  5. Lieber Privatier,
    Zur Verknüpfung des Rürupeffektes mit dem Einkommen/den Altersvorsorgebeiträgen der Ehefrau: könnte es nicht helfen, statt einer gemeinsamen Veranlagung im Jahr der Abfindungszahlung eine Einzelveranlagung zu wählen?

    Der geplante Fall:
    meine Frau und ich verdienen jeder ca. 100.000 p.a.; dazu nur Kapitalerträge unter 10K. Derzeit gemeinsame Veranlagung.
    Plan: Abfindungszahlung ca. 240.000 im Januar 2017, Fünftelregelung und ich mache maximale Einmalzahlung in Rürup. Zusammen mit den PKV Beiträgen müßte der Effekt stark sein. Der Schaden des Verzichts auf Zusammenveranlagung wird dadurch gemildert, dass meine Frau über doppelte Haushaltsführung die Steuerlast reduzieren kann.

    Danke für die sehr interessanten Seiten, bin erst am Anfang und werde sicher das Buch erwerben

    • Eine Einzelveranlagung sollte man auf jeden Fall immer einmal überprüfen (lassen).
      Die Faustregel lautet: Eine Einzelveranlagung ist normalerweise nachteilig, außer in speziellen Sondersituationen.
      Und eine Abfindung zählt ganz klar zu diesen Sonderfällen!

      Eine Prognose ist schwierig bis unmöglich, daher sollte man die Zahlen einfach einmal durchrechnen. Kann man selber mit einem geeigneten Steuerprogramm oder auch mit der kostenlosen Elster-Software. Oder einmal einen Steuerberater fragen.
      Zu bedenken ist natürlich, dass bei der Einzelveranlagung dann auch nur der einfach Rürup-Betrag angesetzt werden kann.

      Ein paar weitere Überlegungen zur Einzelveranlagung habe ich in einem gesonderten Beitrag „Die Einzelveranlagung“ veröffentlicht.

      Gruß, Der Privatier

  6. Hallo,
    habe aufgrund des Studiums sowohl des Buches als auch des Blog wirklich eine Menge Anregungen erhalten die mir geholfen haben, die „Weichen“ des Ausstieg richtig zu stellen.
    Eine Besonderheit ist nun bei der E-Steuererklärung 2016 negativ aufgetreten.
    + Habe 20 T€ von der erhaltenen Abfindung (Danke für den Hinweis 🙂 ) direkt in einen Rürup Vertrag per Einmalzahlg in 2016 eingezahlt um die Steuerlast zu drücken.
    + Steuerberater hat auch die vollen 20 T€ in Abzug gebracht (Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen)
    + Das Fin.Amt hat aber nur 8.733€ davon anerkannt, lt. St.Beratung eine „Spezialvorschrift“ zur Einkommenssteuer, die aus der gezahlten Abfindung einen „fiktiven Kürzungsbetrag zaubert“
    Im Detail:
    Summe der Altersvorsorge: 20.000€
    Höchstbetrag 22.767€
    – fiktiver Gesamtbeitrag zur Rentenversicherung
    (64.800€ x 18,7%) 12.117€
    Gekürzter Höchstbetrag 10.650€
    Anzusetzende Altersvorsorgeaufwendungen
    (10.650€ x 82 %) 8.733€

    Hierdurch entstand zwischen Berechnung des Steuerberater und Fin.Amt eine Differenz von ca. 5.000€ zu meinen Ungunsten
    Ist diese angewandte „Zauberformel“ bekannt und geläufig?
    St.Berater hat das in dieser Form bisher auch noch nicht gehabt 🙁
    HOffe auf eine Klärung, das ist schon etwas sonderbar, oder ?

    • Nein – diese „Zauberformel“ war mir bisher (leider) nicht bekannt. Sonst hätte ich sie mit Sicherheit erwähnt. Aber ich habe gerade einmal kurz recherchiert und es gibt sie tatsächlich!
      Die gesetzliche Grundlage dafür findet sich im § 10 Abs. 3 S. 3 EStG.

      Eine recht gute und ausführliche Erläuterung dazu findet man z.B. bei Smartsteuer im Beitrag über Vorsorgeaufwendungen/Altersvorsorge unter 8.2.2 Kürzung des Höchstbetrages. Ich zitiere einmal:
      „Der jeweilige Höchstbetrag ist bei Stpfl., die zum Personenkreis des § 10 Abs. 3 Satz 3 Nr. 1 oder 2 EStG gehören, um einen fiktiven Gesamtrentenversicherungsbeitrag (ArbG- und ArbN-Anteil) zu kürzen. Dies gewährleistet eine Gleichbehandlung zwischen Pflichtversicherten in der gesetzlichen Rentenversicherung und anderen Stpfl., die eine Altersversorgung ganz oder teilweise ohne eigene Aufwendungen erlangen (BMF vom 19.8.2013, BStBl I 2013, 1087, Rz. 47 ff.).“
      Welcher Personenkreis in Frage kommt, ist dort auch erläutert.

      Für mich ich das (wie gesagt) auch neu und es bedarf sicher noch einer weiteren Recherche, um da ggfs. noch mehr zu sagen zu können. Vorab wäre aber sicher einmal interessant zu erfahren, ob Sie zu dem genannten Personenkreis zählen?

      Gruß, Der Privatier

    • Guten Abend,
      zunächst ist es aus meiner Sicht natürlich bedauerlich, wenn ein Steuerberater sich nach Vorlage des Steuerbescheides gemeinsam mit seinem Klienten über das Ergebnis nur wundert. Ich als sein Klient wäre in so einem Fall, so wie ich die Sache momentan sehe, extrem negativ bedient vom Ausgang, wenn es sich denn schon um das Ende dieser Angelegenheit handelt. Ich sehe hier nur zwei Möglichkeiten, bin aber kein Steuerberater, sondern beurteile das Ganze als Laie und bitte entsprechend vorsichtig und natürlich ohne Obligo damit umzugehen: 1) Entweder es handelt sich um ein “Versehen“ des Finanzamtes, und so etwas, also eine Fehlbearbeitung, soll es dort ja auch schon mal geben (ich kann nur jedem dazu raten, jeden Steuerbescheid zu prüfen) und wenn dem so ist, fristgerecht Widerspruch einzulegen oder 2) es handelt sich hier tatsächlich um die von dieser Sonderregelung betroffene Personengruppe, dann befürchte ich zumindest gegenüber dem Finanzamt schlechte Karten, denn das hätte demnach korrekt geurteilt. Ob man dann den Steuerberater in Regress nehmen kann und auch will, lasse ich hier mal dahingestellt. ICH jedenfalls hätte mir in dem Fall rechtzeitig vorher einen hilfreichen Hinweis vom Steuerberater gewünscht, denn sonst brauche ich ihn nicht. Ich gehe hier mal davon aus, dass dieses Vorgehen auch vorher mit ihm besprochen wurde und nicht erst jetzt, wo der Bescheid vorliegt, denn dann wäre es für mein Empfinden im Falle der Zugehörigkeit zur betroffenen Personengruppe vermutlich jetzt zu spät, um noch etwas zu heilen.
      Hier der Link zu 2) Personengruppen: (Quelle:Haufe)
      https://www.haufe.de/finance/finance-office-professional/vorsorgeaufwendungen-223-kuerzung-des-hoechstbetrags_idesk_PI11525_HI2531455.html

      Gruß, Nick

      • Hallo Nick,
        ganz herzlichen Dank für den Hinweis, ich hake in jedem Fall beim St.Berater nach.
        Einspruchs-Widerspruchsfrist läuft noch…

        • P.S.
          Vermutlich hat das Fin.Amt diese „Karte gespielt“ da ich von meinem ehemaligen Arb.Geber eine Betriebsrente erhalten werde, die dieser komplett übernommen hatte, ds könnte die Lösung sein

          Zitat / Haufe:
          „Grundsatz
          Bei Steuerpflichtigen, denen eine eigene Altersversorgung ohne oder weitgehend ohne eigene Beitragsleistungen zugesagt wird, ist der Höchstbetrag von 23.362 EUR um einen fiktiven Gesamtbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil) zu kürzen.“

          Demnach ist die Entscheidung vermutlich (leider) korrekt 🙁

          • Für die Anwendung der fiktiven Kürzung muss man nach meinem laienhaften Verständnis aber in jedem Fall zu einer der über meinen Link genannten Personengruppe gehören, ist dem so oder wurden RV-Beiträge gezahlt?

            Wurde das Vorgehen vor Abschluss und Einzahlung Rürup mit dem Steuerberater besprochen?

            Gruß, Nick

    • Hallo,

      grundsätzlich ist aus meiner Sicht der Fall hier nicht zweifelsfrei nachzuvollziehen, weil nicht alle entscheidungsrelevanten Daten vorliegen. Deshalb würde ich auf jeden Fall Einspruch einlegen (sofern die Frist noch nicht abgelaufen ist).

      Dass der Höchstbetrag nach § 10 Absatz 3 Satz 1 EStG um einen fiktiven Gesamtbeitrag zur
      allgemeinen Rentenversicherung zu kürzen ist, ist nicht neu. Die Regelung gehört seit Jahren zum Ausbildungsstoff selbst von Steuerfachangestellten (und wird von mir beispielsweise auch im Unterreicht mit diesen intensiv behandelt).

      Voraussetzung für die Anwendung der Regelung ist die Zugehörigkeit zu dem genannten Personenkreis der Arbeitnehmer im steuerrechtlichen Sinne (Einkünfte nach § 19) entscheidend und dass kein steuerfreier Arbeitgeberanteil gem. § 3 Nr. 62 zur gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt wurde.

      Mehr auf dem genannten Beitrag von smartsteuer

      Thomas

      • Hallo Thomas,
        herzlichen Dank für deinen wertvollen fachlichen Kommentar.
        Habe ich demnach richtig verstanden, dass unbedingte Voraussetzung für die fiktive Kürzung die Zugehörigkeit zu einer der genannten Personengruppen ist und wenn dies nicht gegeben ist, eine fiktive Kürzung auch nicht in Betracht und nicht zur Anwendung kommt?
        Ich frage auch deshalb hier noch einmal nach, weil der Sachverhalt oben schon auch anders, nämlich unabhängig von der Zugehörigkeit zu den Personengruppen, aber in Zusammenhang und Abhängigkeit mit dem Erhalt einer vom AG finanzierten Betriebsrente und/oder einfach dem Erhalt einer Abfindung diskutiert wurde.
        Beste Grüße, Nick

      • Den Smartsteuer-Beitrag habe ich mehrfach gelesen und versucht zu interpretieren. Konkret:
        „Unter § 10 Abs. 3 Satz 3 Nr. 1 Buchst. b EStG fallen ArbN, die während des ganzen oder eines Teils des Kj. nicht der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht unterliegen und denen eine betriebliche Altersversorgung im Zusammenhang mit einem im betreffenden Veranlagungszeitraum bestehenden Dienstverhältnis zugesagt worden ist.“

        Das ist bei mir 2019 der Fall, da der ATZ-Vertrag Ende Juli endet (anschliessend vorgez. Rente mit Abschlag), also: Teil des Kj. ohne RV-Pflicht.
        In die bAV wird nur vom Arbeitgeber eingezahlt. Ferner steuer- und SV-freie Aufstockung der RV-Beiträge auf Höchstbeitrag durch AG.

  7. Hallo + besten Dank für die schnelle Info !

    Wenn ich die Ausführungen bei Smartsteuer korrekt gelesen (und verstanden 🙂 ) habe, ist der Personenkreis beschränkt auf

    Unter § 10 Abs. 3 Satz 3 Nr. 1 Buchst. a EStG fallen (BMF vom 19.8.2013, BStBl I 2013, 1087, Rz. 49):
    – Beamte, Richter, Berufssoldaten, Soldaten auf Zeit;
    – ArbN, die nach § 5 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und 3 SGB VI oder § 230 SGB VI versicherungsfrei sind (z.B. Beschäftigte bei Trägern der Sozialversicherung, Geistliche der als öffentlich-rechtliche Körperschaften anerkannten Religionsgemeinschaften);
    – ArbN, die auf Antrag des ArbG von der gesetzlichen Rentenversicherung befreit worden sind, z.B. Lehrkräfte an nicht öffentlichen Schulen, bei denen eine Altersversorgung nach beamtenrechtlichen oder entsprechenden kirchenrechtlichen Grundsätzen gewährleistet ist.

    – ArbN, die während des ganzen oder eines Teils des Kj. nicht der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht unterliegen und denen eine betriebliche Altersversorgung im Zusammenhang mit einem im betreffenden Veranlagungszeitraum bestehenden Dienstverhältnis zugesagt worden ist. — Für die Beurteilung der Zugehörigkeit zu diesem Personenkreis sind alle Formen der betrieblichen Altersversorgung zu berücksichtigen.

    Zum Personenkreis des ersten Absatz zähle ich definitiv nicht.
    Beim zweiten Absatz kann ich nur mutmaßen:
    2016= in 01.2016:Abfindung ab 03.2016:arbeitslos
    ab 11.2016 Gründungszuschuss (Neustart Gewerbeanmeldg. als freier Hdl.Vertreter)
    Ob da der „Knackpunkt“ liegen mag ?

    Beste Grüße !

  8. Fakt ist die Betriebsrente, die komplett vom AG gezahlt wurde, das trifft zu. Wenn für die Anwendung der Kürzung dann SOWOHL vom AG zu 100% gezahlte Betr.Rentenbeiträge als auch noch der bezeichnete Personenkreis Voraussetzung wäre, dann würde ich (Vermutung) auch noch ein Fünkchen Hoffnung haben,hier erfolgreich Einspruch einlegen zu können, denn zu dem Personenkreis zähle ich nicht.
    Den Ball soll dann aber bitte der St.Berater spielen…
    @ Nick: Nochmals Danke !

    • Die Betriebsrente wird aus meiner Sicht der Punkt sein, der für die Kürzung verantwortlich ist.
      Die aufgeführten Personen- bzw. Berufsgruppen sind da wohl eher als Beispiel in dem Sinne zu verstehen, dass es dort IMMER zu einer Kürzung kommt, da hier Versorgungsansprüche zugesagt werden, ohne dass diese Gruppen selber etwas dazu beitragen.

      Es trifft einen also auch, wenn man nicht zu den Personengruppen gehört, aber trotzdem die Bedinungen erfüllt. Ich verweise noch einmal auf den oben verlinkten Beitrag von Smartsteuer. Ich finde, dort ist das sehr gut erklärt. So heisst es z.B. unter 8.2.2.3:
      „Unter § 10 Abs. 3 Satz 3 Nr. 1 Buchst. b EStG fallen ArbN, die während des ganzen oder eines Teils des Kj. nicht der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht unterliegen und denen eine betriebliche Altersversorgung im Zusammenhang mit einem im betreffenden Veranlagungszeitraum bestehenden Dienstverhältnis zugesagt worden ist.“

      Und genau das dürfte im vorliegenden Fall wohl zutreffen, oder?

      Insbesondere gilt auch:
      „…[führt zu einer Kürzung]. Dies gilt auch für den Bezug einer nicht der Sozialversicherungspflicht unterliegenden Abfindung wegen Auflösung des Beschäftigungsverhältnisses (BFH Urteile vom 17.5.2006, X R 19/05, BFH/NV 2006, 2049 und vom 26.9.2006, X R 7/05, BFH/NV 2007, 34).“

      Ich fürchte momentan, dass die Aussichten für einen erfolgreichen Widerspruch eher schlecht aussehen. Zumindest fällt mir da momentan kein Argument ein…

      Gruß, Der Privatier

      • Hallo zusammen,
        also ich muss sagen, dass ich jetzt nach den letzten Beiträgen zu dieser aktuellen Problematik nun selbst etwas verwirrt bin. Was bedeutet das denn nun konkret z.B. für all diejenigen, die sich in diesem Jahr nach Erhalt des Bewilligungsbescheides ALGI bei der AA abgemeldet und auch in diesem Jahr eine aufgrund der Einhaltung der Bedingungen sozialversicherungsfreie Abfindung bekommen haben. Mein Dienstverhältnis endete beispielsweise Ende 2017, Abfindung, endgültiger Bewilligungsbescheid ALG I und Abmeldung AA nach einem Tag Arbeitslosigkeit alles im Januar 2018. Betriebsrente durch den AG, die irgendwann in einigen Jahren ausgezahlt wird, ist bei mir auch vorhanden. Eigentlich hatte ich mir auch vorgenommen, in diesem Jahr, wie hier im Forum an anderer Stelle schon vielfach diskutiert, voraussichtlich einen steuerlich sinnvollen Betrag (Eigenbeitrag GRV sollte durch steuerliche Abzugsfähigkeit dadurch weitgehend selbst finanziert werden) als Gegenpart zur Abfindung in die GRV als Einmalbeitrag zu leisten. Durch die o.a. Schilderung des aktuellen Problems von “Plan2“ bin ich aber nicht mehr so sicher. Dieser Problemfall ist doch hier zum ersten Mal aufgetaucht. Aber es wird hier mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit auch schon andere Fälle gegeben haben, die ebenfalls eine solch geschilderte Altersvorsorge vom AG hatten, aber trotzdem zusätzlich entweder in die GRV oder Rürup aus o.g. steuerlichen Gründen eingezahlt haben, z.B. so wie ich es oben einmal für meinen Fall beispielhaft geschildert habe. Demnach sollte das Problem schon häufiger aufgetreten sein. Kann ich mir aber nicht vorstellen, da sich dazu hier noch nie jemand in der Form geäußert hat. Ich kann es mir nicht erklären. Was rät man denn mit Blick auf die bisherige Handhabe den Betroffenen, die es so wie z.B. ich auch eigentlich, ich würde fast sagen, gewöhnlich für das Jahr der Abfindung planen?
        Und @ Plan2: Eine möglichst kurzfristige Rückmeldung dazu wäre klasse und hilfreich für alle anderen womöglich Betroffenen und Interessierten.
        Gruß, Nick

        • Mein Eindruck ist, dass es bei steuerlich absetzbaren Altersvorsorgeaufwendungen folgende „Problemzonen“ gibt (die den Freibetrag drastisch reduzieren):
          – nicht das ganze Jahr RV-pflichtig
          – und: bAV, die ausschliesslich vom AG getragen wird
          – oder: Abfindung

          Ich bin gespannt auf weitere Kommentare.

          • Und ich bleibe dabei. Hier ist irgendwie und irgendwo der Wurm drin. Denn diese Fälle, die “suchenwi“ oben nochmals aufgeführt hat und die hier angeblich in Summe oder auch einzeln(??) auch unabhängig von der zugehörigen Personengruppe (und das ist für mich der Knackpunkt – ich kann es noch nicht glauben, unabhängig!!)(siehe obige Kommentare inkl. Links) zu der Wertung des Falles bei “Plan2“ durch das Finanzamt geführt haben sollen, da bin ich mir über einen Zeitraum von jetzt rund fünf Jahren, die es diesen Blog jetzt etwa gibt, sicher, hat es bei der Vielzahl der Anliegen, die hier bereits diskutiert wurden und werden mit Sicherheit schon häufiger gegeben und nie hat sich hier jemand davon in der Form mit diesen Erfahrungen zurück gemeldet, wie es Plan2 gestern Abend getan hat.
            Kann dazu jemand etwas beitragen? Vielleicht aus eigener oder fremder Erfahrung oder womöglich als Fachfrau/-mann. Wäre in der Beurteilung und Einordnung dieses hier offensichtlich bisherigen Einzelfalls auch für den weiteren Umgang damit die Zukunft betreffend sicher sehr hilfreich und willkommen!
            Gruß, Nick

        • Die Abfindungsproblematik habe ich aus folgender Stelle in smartsteuer.de gelesen (schrecklich juristisch):
          „Nachgezahlter Arbeitslohn, der einem aktiven Beschäftigungsverhältnis zuzurechnen ist, in dessen Rahmen der Stpfl. durch Zukunftssicherungsausgaben des ArbG oder durch den Erwerb von Altersversorgungsansprüchen begünstigt worden ist, führt auch dann zur Kürzung des Vorwegabzugs bzw. zur Kürzung der Basisversorgung, wenn er erst nach Beendigung der aktiven Tätigkeit in einem späteren Veranlagungszeitraum zur Auszahlung an den Stpfl. gelangt. Dies gilt auch für den Bezug einer nicht der Sozialversicherungspflicht unterliegenden Abfindung wegen Auflösung des Beschäftigungsverhältnisses (BFH Urteile vom 17.5.2006, X R 19/05, BFH/NV 2006, 2049 und vom 26.9.2006, X R 7/05, BFH/NV 2007, 34).“

  9. Danke für die detaillierten Recherchen! Ich habe mit den Hinweisen mal meinen „Fall“ von freiwilligen RV-Beiträgen 2018-21 durchgespielt:

    2018: wohl kein Problem, ganzjährig RV-pflichtig

    2019: ATZ bis Ende Juli, danach Rente, nicht mehr RV-pflichtig – „betriebliche Altersversorgung im Zusammenhang mit einem im betreffenden Veranlagungszeitraum bestehenden Dienstverhältnis zugesagt“, allein AG-bezahlt – Problem?
    VBL (öD 1986-94: ca.69€/mo) fällt auch an, aber nicht im Veranl.zeitraum

    2020: Abfindung 58k – Problem?

    2021: Beginn Auszahlung bAV Siemens

    Der Artikel auf smartsteuer.de ist enorm detailliert, aber sehr schwer zu lesen…

    Vorläufiger Plan: frw.RV ist 2018 schon eingezahlt, also warte ich den Steuerbescheid für 2018 ab, ob er der Erwartung (Altersvorsorgeaufwand voll genutzt) entspricht.

    Und ab 2019 muss ich, wenn ich bis dahin die Rechtslage nicht voll im Griff habe, mir wohl für die als „Problem?“ markierten Jahre einen Steuerberater suchen, der sich in diesen Themen aber auch auskennt, und nicht nach dem Steuerbescheid „staunt“, das kann ich auch selber… 🙂

    Nachgedanke: „death & taxes“ sind sicher, also vielleicht spare ich mir auch den Steuerstress… ist ja für einen guten Zweck.

    • Plan B: da ja offensichtlich die Abfindung die frw.RV-Beiträge ziemlich „steuerentgünstigt“, schiebe ich die Beiträge wohl auf 2021 auf (per Vordruck V0060 der DRV), und investiere das Restgeld inzwischen lieber in ausschüttungsstarke Wertpapiere… 😀

      • Plan C: 2019 zahle ich 7/12 der Differenz Altersvorsorgefreibetrag – AG+AN-Pflichtbeiträge RV ein. Rechnerisch nachvollziehbar, steuerlich.. sieht man den Effekt im nächsten Steuerbescheid. Weisste Bescheid 🙂

  10. Hallo in die Runde,
    ich werde die Infos meines Steuerberaters abwarten und mich dann wieder melden, wird allerdings ein paar Wochen dauern (Urlaub).
    Wie vom Privatier gepostet glaube ich auch, dass der Knackpunkt entweder
    a. die Betr.Rente die der AG allein gezahlt hat
    b. ein nicht soz.vers.pflichtiger Zeitraum im Veranlagungsjahr
    … oder beides

    „Unter dem Strich“ hoffe ich dass die Einmalzahlung trotzdem Sinn gemacht hat, da sie wenigstens teilweise absetzbar war. Die Rendite sei aber mal dahingestellt 🙁
    Beste Grüße,
    plan2

    • Woher wusste denn das Finanzamt von den Umständen, die hier womöglich zur Kürzung geführt haben, wenn ich dabei jetzt einmal an die Betriebsrente denke, die vom AG allein getragen wurde? Mir fällt im Moment nicht ein, wo man dazu im Rahmen der Steuererklärung Angaben macht/machen muss. Ist mir noch nie untergekommen.
      Gruß, Nick

  11. Nachdem ich viele Jahre Rürup Renten in einer Bank verkauft habe, kann ich bestätigen, dass z.Bsp. bei Beamten schon immer der Freibetrag fiktiv gekürzt wurde, da diese Personengruppe ansonsten gegenüber rentenversicherungspflichtigen AN bevorteilt wäre, bei denen der absetzbare Höchstbeitrag bereits durch AG und AN Anteil in die GRV reduziert ist.

    • Danke für diese Bestätigung dessen, was ja auch aus den o.g. Links und Kommentaren abzuleiten war, eben die Zugehörigkeit zu einer der da genannten Personen-(Berufs-) gruppen. Das leuchtet mir auch komplett ein und ist, finde ich, nachvollziehbar. Aber ohne diese “Gruppenzugehörigkeit“…ich kann’s mir noch immer nicht vorstellen, dass Abfindung und/oder Betriebsrente hier für diese Kürzung alleine reichen. Da wären ja, wie oben schon geschrieben, viele andere vermutlich auch negativ betroffen (gewesen). War aber hier bisher in diese Richtung noch keine Rückmeldung zu.
      Weiß noch jemand etwas dazu?
      Gruß, Nick

  12. Bevor ich hier noch einmal auf die oben diskutierte Kürzung des Höchstbetrages nach § 10 Abs.3 S.3 EStG eingehe, möchte ich zunächst einmal etwas beruhigen:

    Ich selber habe ja auch eine Abfindung bekommen (2012), in einem Jahr in dem ich nicht mehr berufstätig (und somit nicht mehr rentenversicherungspflichtig) war. Außerdem hatte ich damals eine Zusage auf eine Betriebsrente, für die ich (soweit ich mich erinnern kann) niemals igendwelche eigenen Beiträge gezahlt habe. Ich habe im Jahr der Abfindung den damaligen Höchstbetrag von 40.000€ in eine Rürup-Versicherung eingezahlt. Und das ist alles ohne Diskussion und ohne Abzüge so anerkannt worden. Und dabei bin ich mir sicher, dass meine damalige Einkommensteuererklärung detailliert geprüft worden ist, da es zu anderen Fragen im Zusammenhang mit der Abfindung noch etliche Nachfragen gegeben hat.

    Und jetzt noch einmal zum §10 Abs.3 Satz 3 EStG:
    Wenn man sich das Gesetz und entsprechende Erläuterungen noch einmal in Ruhe durchliest, so gibt es eigentlich nur drei Gruppen, für die eine Kürzung in Frage kommt:

    §10 Abs.3 Satz 3 Nr.1 Buchst. a EStG:
    Betrifft Arbeitnehmer, die in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungsfrei oder auf Antrag befreit waren. Das dürfte nur auf kleine Gruppen zutreffen, nämlich z.B. Beamte, Richter, Berufssoldaten, Geistliche, bestimmte Lehrer usw.
    Den „normalen“ Angestellten trifft diese Regel nicht.

    §10 Abs.3 Satz 3 Nr.1 Buchst. b EStG:
    Betrifft Arbeitnehmer, die nicht der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht unterliegen, eine Berufstätigkeit ausgeübt und im Zusammenhang damit auf Grund vertraglicher Vereinbarungen Anwartschaftsrechte auf eine Altersversorgung erworben haben. Das dürfte der kritische Fall sein, dazu später mehr…

    §10 Abs.3 Satz 3 Nr.2 EStG:
    Betrifft Arbeitnehmer, Einkünfte im Sinne des § 22 Nummer 4 erzielen… Die ist insbesondere bei Abgeordneten der Fall, für den „normalen“ Arbeitnehmer also ebenfalls nicht relevant.

    Interessant wäre daher aus meiner Sicht nur die Personengruppe, die unter
    §10 Abs.3 Satz 3 Nr.1 Buchst. b EStG angesprochen wird.

    Mir ist der Gesetzestext an dieser Stelle bisher nicht so ganz klar geworden. Er lautet:
    „[Der Höchstbetrag ist zu kürzen, bei] Steuerpflichtigen, die Arbeitnehmer sind und die während des ganzen oder eines Teils des Kalenderjahres nicht der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht unterliegen, eine Berufstätigkeit ausgeübt und im Zusammenhang damit auf Grund vertraglicher Vereinbarungen Anwartschaftsrechte auf eine Altersversorgung erworben haben.“

    Mein aktuelles Verständnis geht dahin, dass hier nur „Arbeitnehmer, die nicht der gesetzl. RV-Pflicht unterliegen“ gemeint sind (und wo gibt es das schon?).
    Für Irritation sorgt hier eigentlich nur der Zusatz „während des ganzen oder eines Teils des Kalenderjahres“ und die Frage, auf welchen Teil der Aussage sich das bezieht?

    Hier gibt es mindestens zwei Deutungen:
    a) Man muss Arbeitnehmer sein und nicht der gesetzl. RV-Pflicht unterliegen. Ob dies für das ganze Kalenderjahr gilt oder einen Teil, spielt keine Rolle.
    b) Man gehört auch dann zu diesen Personenkreis, wenn man in einem Teil des Jahres Arbeitnehmer war und in einem anderen Teil nicht pflichtversichert in der GRV.

    Ich neige aktuell zur Deutung unter a). Auch aufgrund der Beispiele, die dafür in den Kommentaren oftmals aufgeführt werden (z.B. Geschäftsführer-Gesellschafter einer GmbH oder Vorstände einer AG). Wenn das so richtig ist, dürfte damit auch dieser Fall nur für sehr wenige zutreffen.

    An dieser Stelle möchte ich mich einmal kurz bei Thomas Schulze bedanken, dass er sich hier zu Wort gemeldet hat und würde ganz gerne die Bitte anschließen, meine obige Interpretation ggfs. einmal zu bestätigen oder auch gerne zu korrigieren.

    Danke und Gruß,
    Der Privatier

    • Ja, es ist knifflig… zum Fall 1b heißt es:
      „„[Der Höchstbetrag ist zu kürzen, bei] Steuerpflichtigen, die Arbeitnehmer sind und die während des ganzen oder eines Teils des Kalenderjahres nicht der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht unterliegen…“

      Erste Anforderung: „die Arbeitnehmer sind“ (Präsens). Nach Auslaufen Arbeitsvertrag und Wechsel in Rentnerstatus „ist“ man kein Arbeitnehmer mehr, „war“ es nur in dem Kalenderjahr.
      Zweite Anforderung: „während des ganzen oder eines Teils des Kalenderjahres nicht der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht unterliegen“ – das kann z.B. passieren, wenn ein Angestellter verbeamtet (oder zum Abgeordneten gewählt 🙂 ) wird.

      Ich fühle mich beruhigt und neige daher auch zu Deutung a).

    • Hallo Privatier,

      richtig, nur noch eine Ergänzung:

      Wenn im EStG § 10 (3) von Arbeitnehmern die Rede ist, dann ist das im steuerlichen Sinne gemeint: die Personen beziehen Einkünfte aus nichtselbstständiger Tätigkeit gem. § 19 EStG. Darunter gibt es auch arbeitnehmerähnliche Beschäftigte, die ebenfalls Einkünfte gem. § 19 beziehen – gem. § 10 (3) S. 3 Nr. 1 b beispielsweise Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH. Die sind nicht rentenversicherungspflichtig.

      Mit Arbeitnehmern, die Arbeitslosengeld beziehen oder auf die Zahlung von Arbeitslosengeldes während des Dispojahres verzichten, hat das alles nichts zu tun.

      Beste Grüße

      Thomas Schulze

      • Hallo zusammen,
        und besten Dank für die hilfreiche Diskussion mit wichtigen Informationen. Ich denke, dann sind viele nicht von dem Risiko der fiktiven Kürzung betroffen. Die Unsicherheit ist bei mir aber erst entstanden, weil die obige Diskussion und Argumentation zunächst in eine andere Richtung, eben unabhängig von den betroffenen Personengruppen verlief, so schien mir jedenfalls, und das ist ja nun wohl, wenn ich das jetzt alles richtig verstanden habe ausgeräumt und es ist sehr wohl so, dass dementsprechend nur einige wenige im Verhältnis von so einer fiktiven Kürzung betroffen sind bzw. wären; dies allerdings aus meiner Sicht dann auch zu Recht, wegen der fehlenden RV-Pflicht.
        Es bleibt die Frage, weshalb das Finanzamt von “Plan2“ so gehandelt und die Kürzung angewandt hat, obwohl Plan2 sich oben dahingehend geäußert hat, dass er nicht zu den besagten Personengruppen gehört. Vielleicht eine dortige Fehlbearbeitung oder doch einer der Gruppen zugehörig?
        Man weiß es noch nicht…
        Gruß und Dank, Nick

        • „Es bleibt die Frage, weshalb das Finanzamt von “Plan2“ so gehandelt und die Kürzung angewandt hat?“

          Richtig. Und darum wäre es sehr nett von „Plan2“ uns hier über die weiteren Erkenntnisse auf dem Laufenden zu halten! Danke.

          Gruß, Der Privatier

          • Hallo zusammen,

            heute kam endlich die Antwort auf meinen Widerspruch bzgl. der Kürzung (Thema Rürup Einmalzahlung s.o.)
            Der Widerspruch wurde seitens Fin.Amt akzeptiert.
            Entweder war da der Sachbearbeiter im Sinne des Fin.Amt besonders engagiert oder es war schlicht ein Fehler.
            Da ich definitiv nicht zu dem betroffenen Personenkreis gehörte, durfte die Kürzung wohl auch nicht vorgenommen werden.
            Ein Beigeschmack bleibt hinsichtlich der Steuerberatung, da erst auf meinen Hinweis („Wissen“ hier aus dem Forum 😉 ) der Widerspruch in die Wege geleitet wurde.
            An dieser Stelle nochmal einen lieben Dank an den „Privatier“, ich habe so viele Ansätze für meinen eigenen Einstieg zum Ausstieg gefunden, das sowohl Buch als auch Blog für mich bares Geld wert waren, Klasse !!
            Alles Gute + auf bald.
            Plan2

          • Vielen Dank für die Rückmeldung und Glückwunsch zum erfolgreichen Widerspruch!

            Tja… und es geschehen auch in deutschen Behörden immer wieder wunderliche Dinge, für die man kaum eine Erklärung findet. Ist mir gerade auch erst wieder mit der Rentenversicheung und dem Finanzamt passiert.
            Von daher lautet das Motto: Immer schön wachsam sein und vor allen nicht „aus Respekt vor einem amtlichen Schreiben“ einfach alles hinnehmen. Manchmal ist es schlichter Unfug.

            Gruß, Der Privatier

  13. Hallo Herr Privatier, Liebe Experten Community,

    bin kurz vom dem Abschluss eine Rurüp Versicherung – Die Würtembergische hat hier ein interessantes Angebot – Es ist die Frage bzgl. Laufzeit bis 63 oder 65 – Was ich so sehe ist wenn ich 65 als Rentenbeginn angebe dann scheint es so zu sein das wenn ich mit 63j in Rente gehen würde der Rentenfaktor ein Überraschungsei wird (es wird zwar angegeben das die Rechengrundlagen gleich bleiben) wenn ich 63 als Rentenbeginn angebe dann ist zwar wenn der Rentenbeginn auf 67 Verzögert wird etwas niedriger jedoch die Faktoren sind vorab determiniert.

    Ich freue mich auf eure Erfahrungsimpulse !

    BG,
    Entrepreneur2Privatier

  14. Hallo Herr Privatier,

    mich würden Ihre Gedanken interessieren ob Sie sich bei ihrem Rürup Vertrag für die Regelrentenbeginn entschieden haben und was hier die Überlegungen waren. Ich sehe im Wesentlichen das Risiko das wenn ich das Regelrenten beginn mit 67 Definiere das ich bei vorzeitigem Beginn mit 63 sich die Parameter wie Rentenfaktor zu „Überaschungsfaktoren“ entwickeln.

    Ich freue mich auf ihre Überlegungen!

    Beste Grüße,
    Entrepreneur2Privatier

    • Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass es bei der Wahl der Laufzeit für die Rürup-Rente irgendeinen Zusammenhang zur Regelaltersgrenze gegeben hätte? Und auch keinen Zusammenhang mit der Berechnung von Faktoren, die die Höhe der Rente bestimmen.
      Kurz: Ich habe mir über diese Fragen keinerlei Gedanken gemacht. Für mich stand ohne Zweifel fest, dass die Auszahlung meiner Rürup-Rente zum frühest möglichen Zeitraum erfolgen sollte. Und das war in meinem Fall ab einem Alter von 60 Jahre. Und seitdem beziehe ich meine Rürup-Rente (s. Beitrag: Die erste Rente).
      Ich bin mir nicht sicher, ob ein Rentenbeginn mit 60 heute überhaupt noch möglich ist, aber ich würde auch heute immer wieder einen möglichst frühen Beginn wählen. Und das gilt für alle Renten, selbst bei Abschlägen.

      Gruß, Der Privatier

      • Nee Peter , geht nicht mehr mit 60 , NEU nur noch mit 62 möglich .
        Altverträge ( DA 2 PARTEIEN SICHTWEISE , im Gegensatz GRV ) noch
        möglich . Ist im Zuge BASIS GRV 67 , auch mit angehoben worden .
        Gelten aber im Prinzip , ja die gleichen Sterbetafeln .

        Daher wollte ich ja auch nicht mehr wechseln ( Altverträge 60 ).
        Frühstmöglich , ist aber wie Peter schon mitteilt , auch m.M.n.
        für ein ANKOMMEN , HINTER Amortisationslauf , wesentlich besser .
        LG Det

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