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Kap. 10.7: Arbeitslosengeld und Steuern — 15 Kommentare

  1. Guten Abend.
    Vielen Dank für den Beitrag, obwohl ich meine, alles schon in vorherigen Artikeln gelesen zu haben. 70% Steuer auf das Arbeitslosengeld schrecken mich nicht ab, bei sind es mutmaßlich über 80%. Aber 20% von bspw. 2.000€ sind immer noch 400€ mehr pro Monat Bezug, als 0€, wenn man das ganze Jahr der Abfindung disponiert, mit dem kleinen Nebeneffekt, dass man selbst und die ganze Familie durch das Arbeitsamt krankenversichert ist.
    Fatal wäre es erst, wenn der steuerliche Verlust höher als das ausgezahlte ALG und die ersparten Kassenbeiträge wäre. Für Privatiers relativ kurz vor der Rente sieht das natürlich anders aus. Dann macht das Dispositionsjahr absolut Sinn, denn das ALG wird erst im Folgejahr ohne steuerliche Einbußen bezogen, wenn kein weiteres zu versteuerndes Einkommen vorliegt, dann sogar wirklich steuerfrei.
    Für mich stellt sich nur die Frage, ob ich mir durch das Dispositionsjahr die Arbeitssuche auch in 2016 schenke und dann lieber erstmal ein Jahr ALG beanspruche. Wirken sich denn Kapitaleinkünfte auf die Höhe des ALG’s aus, das kann im Vorfeld doch keiner berechnen?
    Und wo wir schon dabei sind, mit einem Großteil meiner Abfindung haben ich nun auch ein Depot zunächst ausschließlich mit ETF’s gefüllt (leider ausländische Saurier, der Artikel war mir entgangen). Wie stelle ich es nun am besten an, dass ich in diesem Jahr keine Kapitaleinkünfte realisiere? ich hatte gehofft, es reicht aus, in diesem Jahr nichts mit Gewinn zu verkaufen, sondern Verkäufe erst ab 2016 durchzuführen…
    Dieser Aspekt fehlt mir bis dato in all Ihren spannenden Berichten von Kapitalbildung und Steuervermeidung. 🙂

  2. Hallo Marcus,
    nach meiner Kenntnis kannst du bei den Kapitalerträge wählen. Erstmal wird bei Auszahlung der Erträge die Quellensteuer einbehalten. Damit ist die Besteuerung erledigt und du musst diese Erträge auch nicht mehr angeben. Liegt dein Steuersatz aber unter der Quellensteuer, kannst du über die Steuererklärung die Differenz erstattet bekommen.

  3. Hallo Markus,

    ich werde das Thema der Besteuerung von Kapitalerträgen in den nächsten Beiträgen einmal etwas genauer betrachten. Und auch noch einmal Möglichkeiten aufzeigen, Einkünfte zu verschieben. Bis dahin könnte ich Dir die Lektüre der Steuer-Episoden I-V empfehlen (Beginn: https://der-privatier.com/steuerplanung-episode-i-vorbemerkungen ).

    Ach ja: Die Höhe des ALG-1 wird immer auf Basis des letzten sozialversicherungspflichtigen Einkommens berechnet, denn nur darauf hat man ja auch die Versicherungsbeiträge gezahlt. Andere Einkommen spielen da keine Rolle.

    Gruß, Der Privatier

    • …ich meinte nicht die Höhe des ALG, dessen Berechnung ist mir relativ geläufig. Ich meinte, ob es Kürzungen wegen Kapitaleinkünften geben könnte, so wie gekürzt wird, wenn geringfügig beschäftigt ist oder ein geringfügiges Einkommen aus Gewerbebetrieb hat, ich glaube auch aus Vermietung&Verpachtung?
      Episoden I-V werde ich mir gleich vornehmen, ich habe erst mal schmunzelnd die Tops & Flops durchgelesen.

  4. Hallo,
    kleine Ergänzung noch zu ALG;
    steuerlich genau so wirkt sich u.U. auch die Zahlung von Krankengeld aus, oder?

    Beste Grüsse
    A.

    • Ich habe mit Krankengeld zwar selber keine Erfahrung, aber ich sehe das genau so, ja !
      Krankengeld ist eine Lohnersatzleistung, wird netto ausgezahlt, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Von daher: Steuerliche Wirkung wie bei ALG.

      Gruß, Der Privatier

  5. Hallo Privatier,

    vielen Dank für die Infos. Leider haben wir Ihre Seite erst zu spät gefunden und von dem Dispositionsrecht keinen Gebrauch gemacht.
    Folgender Fall:
    Verheiratet, 2 gemeinsame Kinder mit Anspruch auf Kindergeld.
    Ehemann:
    – Abfindung und Auszahlung des Langzeitkontos € 149.112,68
    – ALG und Gründungszuschuss € 22.000
    Ehefrau:
    – selbständig tätig, Gewinn 4.800,-

    Die getrennte Veranlagung in diesem Jahr haben wir auch schon überlegt.

    Wenn ich es richtig sehe, müssten doch folgende Rechnung funktionieren, falls getrennt veranlagt.
    Ehemann:
    Einnahmen 1/5 Abfindung
    + Einnahmen mit Progressionsvorbehalt
    ./. 2 Kinderfreibeträge
    ./. Sonderausgaben+Vorsorgeaufwendungen (ggf. Einzahlung in Rürup)
    ——————–
    = zu versteuerndes Einkommen. Muss dies 0 sein oder reicht es, wenn es unter dem Grundfreibetrag ist? Dann würde ja keine Steuer auf das zu versteuernde Einkommen anfallen. Und dann wäre die Rechnung ohne die Abfindung ja auch 0. Also keine Differenz und die Abfindung bliebe steuerfrei?

    Ehefrau:
    Einnahmen unter Grundfreibetrag, also keine Steuer

    Stimmt das so? Ich habe irgendwo gelesen, dass es nicht reicht, wenn das zu versteuernde Einkommen unter dem Grundfreibetrag ist, weil man ihn ja sonst 2 x gewährt bekommen würde durch die 2 Vergleichsrechnungen (mit und ohne Abfindung)

    Von der Berechnung hängt nun ab, ob wir noch Geld in Rürup schießen oder nícht.
    Vielen Dank für Ihre Hilfe!
    Herzliche Grüße
    Andrea

    • Ich möchte (oder kann) hier keinen konkreten Rat geben, dafür gibt es zu viele Einflussgrößen, die das Ergebnis verändern könnten. Ich kann da (wie so oft) nur raten, das ganze Zahlenwerk einmal mit einem Steuerprogramm (ggfs. auch kostenlose Elster-Software) durchzuspielen und auch mehrere Varianten mit wechselnden Zahlen auszuprobieren. Wer sich das selber nicht zutraut, sollte einen Steuerberater beauftragen.

      Ich kann Ihnen allerdings schon einmal sagen, dass Ihre Annahmen nicht ganz korrekt sind! Für die Anwendung der Fünftelregel rechnet man:
      1. zunächst die Steuer OHNE Abfindung aus.
      2. Danach die Steuer inkl. 1/5 der Abfindung.
      3. Die Differenz aus Ergebnis(2) und (1) wird mit fünf malgenommen.
      4. Die gesamte Steuerlast beträgt dann: Summe aus (1) und (3).

      Wenn sich im ersten Schritt ein Ergebnis kleiner/gleich Null ergibt (und das hört sich bei Ihnen so an…?), ist die Rechnung ein wenig anders, denn wird einfach die Steuer auf 1/5 des zu versteuernden Einkommen berechnet.

      Im Falle der einzeln veranlagten Ehemanns würde das heißen:
      * Ergebnis unter (1) ist negativ, daher Anwendung der Sonderregel:
      * Zu verst. Einkommen (grob): 150.000€ – Vorsorge(u.a.) = 125.000€
      * Steuern auf 1/5 (=25.000€), deutlich über dem Grundfreibetrag von knapp 9.000€

      Ich bin mir fast sicher, dass hier die gemeinsame Veranlagung der bessere Weg ist, da doppelte Vorsorge möglich und Grundfreibetrag doppelt so hoch.

      Aber zusammen mit den anderen Faktoren (ALG1, Selbständigkeit) ist es unmöglich, dazu eine Aussage zu machen. Da hilft nur konkretes Rechnen und ggfs. ausprobieren.

      Gruß, Der Privater

    • Hallo Andrea,
      besorge Dir doch ein Steuerberechnungsprogramm und gebe Deine Daten ein.
      Meines schlägt die günstigste Veranlagungsgart sogar vor und zeigt die Unterschiede.
      Dass man jetzt noch keine Programme für die Steuerberechnung 2016 bekommt, ist meiner Meinung nach kein Problem. Auch ein Programm für 2015 zeigt die Tendenz.

      Viel Erfolg, Hardy

  6. Hallo Hardy,

    ganz lieben Dank für Deine ausführliche Antwort. Das hilft mir schon viel weiter!
    Ich werde mir ein Programm besorgen und schauen, was geht:-)

    Liebe Grüße
    Andrea

    • Hallo Andrea,
      wichtig ist, zuerst einmal zu prüfen, ob die Fünftelungsregel vom Arbeitgeber angewendet wurde. Am einfachsten ist das, wenn Dein Mann eine Lohnsteuerbescheinigung von seinem ehemaligen Arbeitgeber bekommen hat. Wenn nicht, sollte er diese, oder zumindest eine vorläufige, anfordern.
      Die Daten kannst Du dann einfach in die gängigen Programme übertragen. Dann noch das ALG I und den Gewinn aus Deiner selbständigen Tätigkeit eintragen; Kapitalerträge nicht vergessen. Zuletzt noch Versicherungen und Vorsorgeaufwendungen eintragen. Werte, die man nicht genau weiß, aufgrund der Vorjahreswerte schätzen und bis zur Abgabe konkretisieren.
      Man kann natürlich auch zu einem Steuerberater gehen. Wenn man es aber selbst macht, arbeitet man sich gleichzeitig in die Materie ein.
      Viel Erfolg, Hardy

  7. Hallo Hardy,

    ich habe mal Steuerfachangestellte gelernt, von daher verstehe ich ein bisschen was:-)

    Die Lohnsteuerbescheinigung vom Arbeitgeber haben wir schon. Sie haben die Abfindung und die Auszahlung des Langzeitkontos in Feld 10 eingetragen „Ermäßigt besteuerter Arbeitslohn für mehrere Kalenderjahre ohne 9 und ermäßigt besteuerte Entschädigungen“. Von daher denke ich, dass sie die 1/5-Regel angewendet haben, oder? Sie haben in Feld 10 bescheinigt € 149.112,68 und darauf Lohnsteuer in Höhe von € 42.555,-.
    Wenn ich dies mit einem Nettolohnrechner vergleiche, gehe ich davon aus, dass sie schon die 1/5-Regel angewandt haben.

    Vielen Dank an Dich!
    Liebe Grüße
    Andrea

    • Hallo Andrea,
      das ist völlig richtig. In Feld 10 steht der Betrag, auf den die Fünftelungsregel angewendet wurde, in Feld 11-13 die davon abgeführten Steuern.

      Viele Grüße, Hardy

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